Kann Täuschung und Irreführung erfolgreich sein?

von | 27. Januar 2022

Die Erfahrung hat es gezeigt: Ja, kurzfristig schon, wenn niemand eine Richtigstellung vornimmt und wenn man laut genug die Botschaft hinausposaunt. Das alles kann man am Imitatssektor seit Jahren sehr gut beobachten. Vor allem bei den Imitaten zu den Milchprodukten ist man da erfolgreicher, je mehr Halbwahrheiten und Fake News permanent in die Welt gesetzt werden und man gleichzeitig am sehr guten Image der Milch und der Milchprodukte „mitnascht“.

Beweise fällig? Bitte sehr: Pflanzliche Milch, pflanzliche Butteralternativen, Milchalternative, Milchsubstitute, Milchersatzprodukte, Kunstkäse, Käsealternativen, Analogkäse, Pflanzenmilchsorten – alle diese Begriffe sind nichts Anderes als Täuschung und Irreführung und sollen gesunde Milchprodukte suggerieren. Sind es aber nicht. Aber es geht noch frecher nach dem Motto „Frechheit siegt“: Hanfmilch, Hafermilch, Reismilch, Haselnussmilch, Sojamilch, Mandelmilch, Erbsenmilch usw. Tatsächlich ist die einzige richtige Bezeichnung für alle diese Produkte: IMITATE.

Denn Milch kann man nicht ersetzen. Wenn noch so viele technologische Prozesse und Verarbeitungsschritte angewendet werden. Milch ist also: einzigartig, facettenreich, alternativlos, ausgezeichnet, wertvoll, ausgewogen, hochwertig, natürlich und inhaltsreich.

Dabei haben wir in Europa in der Verordnung 1308/2013 des Europäischen Parlamentes und des Rates im Anhang VII eine klare Regelung über den Bezeichnungsschutz für Milch und Milchprodukte. Als Milch darf demnach nur bezeichnet werden, was aus einer Milchdrüse von Säugetieren ermolken wird. Also das reine Naturprodukt. Auch Butter, Topfen (Quark), Joghurt, Käse etc. darf nur bezeichnet werden, was auch wirklich aus Milch hergestellt wird.

Ist der Bezeichnungsschutz für Milch und Milchprodukte nach 34 Jahren Gültigkeit wirklich noch immer nicht bekannt? Kennen alle Molkereiexperten diese Regelung und halten sie sich daran? Auch in Fachmagazinen suggerieren Einschaltungen von innovativen Imitaten als handle es sich um ein Milchprodukt. So werden selbst Fachleute und Experten getäuscht. Ist das die neue Branchenkommunikation?

Bei der Vorstellung eines innovativen Imitates ist zu lesen: Pflanzliche Butteralternative, buttriger Geschmack, streichzart vegan, Butterexperte setzt auf pflanzliche Öle, Butterstückform, spricht den Butterliebhaber an, ergänzt das Buttersortiment. Selbst am Produkt steht: „einmalig buttrig“. Bleibt nur zu hoffen, dass das Sprichwort „Lügen haben kurze Beine“ auch für das Täuschen und Irreführen gilt.

Täuschen ist nur kurzfristig erfolgreich.

Es bleibt aber auch zu hoffen, dass öfter Richtigstellungen vorgenommen werden und dass die Botschaften über Milch und Milchprodukte auch laut genug kommuniziert werden.

Dipl. Päd. Ing. Josef Weber,
Milchwirtschaftsberater
der Landwirtschaftskammer Niederösterreich

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