Oh je Frau Noichl, das tut weh!

von | 11. November 2021

Jetzt haben wir sie wieder, die Neiddebatte. Natürlich bleiben auch Politiker davon nicht verschont. Im konkreten Beispiel fordert die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl, bei bestimmten Abstimmungen Landwirten das Stimmrecht zu entziehen. Sie begründet dies mit einem für sie ganz offensichtlichen Interessenskonflikt.

So hat Noichl zitiert, die grüne EU-Abgeordnete Sarah Wiener aus Österreich erhalte Direktzahlungen von über 350 000 EUR aus der GAP. Bei Peter Jahr (CDU), einem der Berichterstatter des Parlaments zur GAP-Reform, seien es über 110 000 EUR. Jetzt stelle ich mir gerade die Frage, wer überhaupt noch über die entsprechenden Diätenerhöhungen der Politiker abstimmen darf, wenn es ums Thema Befangenheit geht?

Da passt ja dann noch der Ende September vorgestellte UN-Bericht gut dazu. Hier fordern nämlich die Vereinten Nationen eine radikale Umverteilung der weltweiten Milliarden Hilfen in der Landwirtschaft. Demnach seien 87 % der Agrarsubventionen wettbewerbsverzerrend und schaden der Umwelt oder kleinen Unternehmen. 470 Mrd. USD (knapp 400 Mrd. EUR) der insgesamt jährlich fließenden 540 Mrd. USD (457 Mrd. EUR) müssten anders eingesetzt werden, um nachhaltig und fair zu sein, rechnet der UN-Bericht vor. Puh, das ist eine echte Hausnummer!

Neid, Vorwürfe und Unterstellungen – dem sehen sich die Landwirte aktuell mehr ausgesetzt als jemals zuvor. Definitiv! Dazu kommen Forderungen durch den Endverbraucher hin zur Idylle auf dem Hof! Als Konsument endet aber meist die Idylle an der Einkaufstheke. Mehrleistungen werden gefordert, aber eben nicht entsprechend honoriert; ja so geht’s nicht!

Hinzu kommt die besserwisserische Art so mancher Zeitgenossen in unserem Land. Diese fühlen sich dazu berufen, den heimischen Bauern Tipps und Hinweise zu geben, wie diese ihren Beruf ausüben sollen. Ich stelle mir dabei immer die Frage: Betrifft dies nur unsere Bauern, oder sind die heimischen Handwerker damit auch konfrontiert?

Der Maurer, der Elektriker oder Sanitärfachmann bekommt Hinweise vom Endverbraucher, wie die Wand richtig hochgezogen, die Leitung verlegt oder das Waschbecken montiert wird. Eigentlich ein schöner Gedanke: Stellen Sie sich vor, der Sanitärfachmann montiert das Waschbecken nach den Vorgaben der selbsternannten Aktivistin! Und dieser haftet auch noch selbst dafür – ein schöner Gedanke!

Christian Aigner,
Chefredakteur
Allgäuer Bauernblatt

 

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