Silagen richtig abdecken

31. Juli 2019

Silagen müssen luftdicht abgedeckt werden, andernfalls drohen Schimmelbildung, Fäulnis, Nacherwärmung oder gar Totalverluste. Silofolien müssen vor allem dicht, säure- und lichtbeständig sowie mechanisch stabil sein. Hinweise dazu gibt das neutrale DLG-Gütezeichen. Je schneller nach der letzten Befüllung und dem Nachwalzen ein luftdichter Abschluss mittels Silofolien hergestellt wird, desto günstigere Gärbedingungen werden geschaffen. Das Risiko der Schimmelbildung und Nacherwärmung wird so vermindert. Gleichzeitig verhindert eine sorgfältige Abdeckung das Eindringen von Regenwasser.

Abdecksystem aus Unterziehfolie plus mehrjährig verwendbare Gewebefolie. Dieses System wird in Aulendorf seit fast 20 Jahren erfolgreich praktiziert.

Im Aufbau der Siloabdeckung sind heute Unterziehfolie (transparent, Folienstärke 40 µm) plus Silofolie (eingefärbt, UV-stabilisiert, 110-200 µm) plus Siloschutznetz bzw.- gewebe längst Standard. Alternativ kommen schwere Multifolien (500 µm) oder Gewebefolien (650 g/m²) bzw. dicke Vliese direkt über der Unterziehfolie zum Einsatz. Mit größeren Silos werden auch die Folienbahnen immer länger und die Rollen immer schwerer. Das Aufbringen der Folie, insbesondere bei Wind, stellt dann harte Arbeit dar. Deshalb gibt es verschiedene Ansätze, wie diese unbeliebte und zeitraubende Tätigkeit erleichtert werden kann.

Unabhängig von der Art der eingesetzten Silofolie sollte die Siloabdeckung bei festen Siloanlagen über den seitlichen Rand gezogen werden (Abbildung). Damit wird verhindert, dass Regenwasser und folglich Sauerstoff in die Silage eingetragen wird. Verfaulte, modrige Silageecken können so verhindert werden. Schrägstehende Wände und ein seitlicher Erdwall begünstigen diese Art der Qualitätssicherung. Sowohl bei Siloanlagen mit als auch ohne feste Wände sollte grundsätzlich eine Unterziehfolie („Saugfolie“) sowie eine Silofolie zur Abdeckung eingesetzt werden. Dieser Grundaufbau kann mit einem Siloschutzgewebe oder -gitter als dritte Lage kombiniert werden. Ausgediente Förderbänder oder Lastwagenplanen können alternativ dazu ebenfalls als Schutz vor Wind und mechanischen Verletzungen dienen. Bei stärkeren Folien (Multifolie oder Gewebefolie) kann auf das Schutzgewebe verzichtet werden, nicht aber auf die jährlich zu erneuernde Unterziehfolie.

Aufgrund der besonderen Beanspruchung (Säureangriff, Sonnenlicht, mechanische Belastung) bestehen hohe Anforderungen an die Folienqualität. Hier bietet das DLG-Gütezeichen für Silofolien eine gute Orientierung (www.guetezeichen.de). Dafür werden Folien u.a. auf UV-Beständigkeit, Gasdurchlässigkeit sowie Dehn- und Reisfestigkeit geprüft und weitere Materialeigenschaften kontrolliert.

Aufbau der empfohlenen Siloabdeckung (schematisiert). Quelle: Nußbaum in Spiekers, Nußbaum und Potthast: „Erfolgreiche Milchviehfütterung“. DLG-Verlag 2009

Bisher kommen überwiegend Folien aus Polyethylen (PE) zum Einsatz, die unterschiedlich eingefärbt sein können. Dabei sind zwei Entwicklungen zu beobachten. Zum einen besteht ein Trend zu dickeren, mehrjährig verwendbaren Folien (500 μm), die jährlich mit einer neuen Unterziehfolie kombiniert werden. Es gibt jedoch auch eine gegenläufige Entwicklung, bei der immer dünnere PE-Folien (110 – 120 μm) verwendet werden. Bei diesem System werden sowohl Unterzieh- als auch Silofolie nur einmal eingesetzt. Neuerdings gibt es dünne, mehrlagige Silofolien (85 μm), die eine mittige Barriereschicht aus hochverdichtetem EVOH (Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer) besitzen und nach Firmenangaben ohne Unterziehfolie eingesetzt werden sollen. EVOH, das sonst auch in der Lebensmittelbranche eingesetzt wird, hat eine deutlich geringere Gasdurchlässigkeit als PE. Nachteilig sind hohe Kosten (Tabelle 1) sowie das Materialgemisch im Recycling-Prozess.

Inzwischen gibt es Unterziehfolien, die aus Polyethylen (PE) und Polyamid (PA) bestehen. PA weist eine sehr geringe Gasdurchlässigkeit und hohe Dehn- und Reisfähigkeit auf.  Auch hier kann EVOH zum Einsatz kommen.

Einsatz von Silofolien

Eine neue Entwicklung sind Silofolien, bei denen die Unterziehfolie an der Silofolie anhaftet und beide Folien zusammen ausgelegt werden (O2 Barrier 2in1). Diese Silofolie kombiniert eine Unterziehfolie aus PA (20 μm) mit einer UV-stabilen PE-Folie (80 μm). Die Unterziehfolie löst sich nach dem Auslegen durch Wasseraufnahme aus der Silage von der Silofolie. Dieses System spart Material- und Arbeitskosten, da in einem Arbeitsgang beide Folien ausgelegt werden. Das ist insbesondere bei windigem Wetter von großem Vorteil. Zudem können beide Folien materialrein dem Recyclingprozess zugeführt werden. In Aulendorf wird diese Folie seit 2011 ununterbrochen in der Praxis erprobt, zunächst auch ohne zusätzliches Schutzgewebe. Das hat bei Silomais den Winter über gut funktioniert, aber ein mechanischer Schutz in Form eines zusätzlichen Schutzgewebes wird grundsätzlich empfohlen. Die Kosten liegen gegenüber einem bisherigen System aus getrennt aufgelegter Unterziehfolie plus Silofolie je nach Folienqualität um etwa 10 bis 15 Cent pro Quadratmeter höher.

Abdeckmaterial

µm

g/m²

€ / m²

Unterziehfolie (UZ)

40

35

0,09 – 0,12

Silofolie (F)

110 – 160

100 – 145

0,25 – 0,30

Multifolie

500

460

1,65 – 1,75

Gewebefolie

750

680

5,00 – 5,50

O2-Barrier 2in1-Folie

100

90

0,55 – 0,60

Kombifolien (UZ + F miteinander gefaltet)

35 + 115

135

0,70 – 0,75

Mehrschichtfolien mit Barriereschicht

85

80

0,70 – 0,75

Schutznetz

 

240

1,20 – 1,50

Schutzgewebe

 

400

2,20 – 2,50

Silosäcke (Preis je Stück)

 

 

0,75 – 1,25

Tabelle 1: Kostenvergleich verschiedener Folien- und Befestigungssystemen (o. MWST)

Neuerdings bietet der verschiedene Firmen Silofolien an, bei denen auf einer Rolle Unterzieh- und Silofolie zusammen aufgewickelt sind (Kombi2plus). Sie können so arbeitssparend in einem Arbeitsgang ausgelegt werden. In der Produktion werden zunächst beide Folien getrennt hergestellt und in einem weiteren Arbeitsgang ineinander zusammen gefaltet. Dieser zusätzliche Arbeitsgang schlägt sich auch in den Folienkosten nieder, die häufig höher liegen als die in einem „Guss“ hergestellte O2-Barrier-Folie.

Bekannt sind auch Systeme, bei denen auf die Unterziehfolie ausschließlich ein Geotextilvlies aufgebracht wird. Pro Silo werden zwei Vliesbahnen nebeneinander aufgelegt, um sich so variabel auf unterschiedliche Füllgrade bzw. eine Überwölbung anpassen zu können. Klettverschlüsse fixieren dabei die Vliese aneinander. Neuerdings gibt es Systeme, bei denen die Vliese mittels Spanngurten fixiert werden, Insbesondere bei großen Siloanlagen für Biogasanlagen lassen sich rasch große Haufen abdecken. Für Milchviehbetriebe, die bei der Entnahme eher einen knappen Vorschub haben, sollte bei diesem System die Unterziehfolie durch eine dünne Silofolie ersetzt werden. Die Haltbarkeit des Vlieses wird mit deutlich über 10 Jahren angegeben, zumal es sich nach etlichen Jahren des Gebrauchs auch umgedreht einsetzen lässt. Bei diesem System können auch gut sogenannte Aufroller eingesetzt werden, mit denen das Vlies bei der Entnahme nach und nach aufgerollt wird und so eine gute Barriere an der Anschnittkante bildet.

Bei der Befestigung von Silofolien werden bisher Altreifen oder zunehmend Silosäcke eingesetzt. Das Aufbringen der Materialien zur Befestigung oder Beschwerung stellt eine starke körperliche Belastung dar. Deshalb werden alternative Systeme angeboten, die von Bügeln (System Duhamel) über Clip-Systeme (Böck) bis hin zu Wasserschläuchen reichen. Beim Einsatz von Bügeln oder Spannclipsen müssen auf der Silowand Halterungen angebracht werden. Einen völlig neuen Weg beschreibt eine Firma, die das Schutzgewebe in Querbahnen von rund zwei Meter Breite bis auf den Siloboden führt. Dort ist ein Rohr eingebaut, das von Bahn zu Bahn zusammengesteckt wird und als Dränagerohr am Übergang von Boden zur Wand fungiert. Die Bahnen müssen vorher an der Silowand angebracht werden und benötigen eine zusätzliche Wandfolie. Nach dem Befüllen werden zunächst die Wandfolien, dann die Unterzieh- und Silofolie aufgelegt und zum Schluss die Bahnen aus Gewebefolie gegeneinander geschlagen. Diese Bahnen werden mit einem System aus Spanngurten gegeneinander verspannt. So liegen auf dem ganzen Silo nur am Ende Querbarrieren aus Silosäcken. Erste Praxiserprobungen in Aulendorf zeigten eine sehr gute Silagequalität.

Silofolien werden überwiegend mit Silosäcken befestigt. Eine Befüllung mit Kies (2/3 befüllt) hat gegenüber einer Sandbefüllung den Vorteil, dass Wasser hindurchsickern kann. Bei den Silosäcken ist eine Neuentwicklung auf dem Markt, nämlich Silosäcke die der Länge nach in zwei Kammern getrennt sind. Vorteile sind neben dem etwas reduzierten Gewicht und einer guten „Griffigkeit“ auch die bessere Lage an der Silowand, weil durch das Kammersystem ein Wegrollen verhindert werden kann.

Zur Querfixierung kommen vor allem bei großen Siloanlagen (Biogas) auch Spanngurte zum Einsatz. Alternativ können „Bauchbinden“ verwendet werden, die quer über den Haufen gespannt werden und teilweise Laschen zur Fixierung von Silosäcken aufweisen. Neue Systeme verwenden Spannbügel („Silo-Clip“ oder „System Duhamel“) bzw. setzen Wasserschläuche (Durchmesser 20 cm) ein. Diese sind für Entnahmezeiten ohne Frostgefahr geeignet bzw. müssen mit einer Solelösung gefüllt werden. Derartige Systeme mit eigenem Fahrwerk zum Ab- und Aufrollen konnten auf der Eurotier in zwei Varianten bewundert werden. Ob sie sich in der Landwirtschaft durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Silagen richtig abdecken!

Silagen richtig abdecken!

Abdeckung aus Unterziehfolie und Vlies. Die beiden Vliese werden in der Mitte durch einen Klettverschluss fixiert. Silosäcke sind so überflüssig. Der Aufroller lässt sich leicht bedienen. Die Rolle stellt eine Querbarriere am Siloanschnitt dar.

Bild 1 von 15

Fazit

Das Erntegut muss unmittelbar nach Abschluss der Ernte luftdicht abgedeckt werden. Unabhängig von der Art der eingesetzten Silofolie sollte die Siloabdeckung bei festen Siloanlagen über den seitlichen Rand gezogen werden. Damit wird verhindert, dass Regenwasser und folglich Sauerstoff in die Silage eingetragen wird. Schrägstehende Wände und ein seitlicher Erdwall begünstigen diese Art der Qualitätssicherung. Sowohl bei Siloanlagen mit als auch ohne feste Wände sollte grundsätzlich eine Unterzieh- sowie Silofolie zur Abdeckung eingesetzt werden. Dieser Grundaufbau kann mit einem Siloschutzgewebe oder -gitter als dritte Lage kombiniert werden. Bei stärkeren Folien (Multifolie oder Gewebefolie) kann auf das Schutzgewebe verzichtet werden. Neu sind Folien, bei denen Unterzieh- und Silofolien zusammen aufgerollt sind bzw. aneinander haften.

Dr. Hansjörg Nußbaum
Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW)

Trends

Auf der letzten Eurotier waren neben den Entwicklungen der letzten Jahre wie O2Barriere 2in1-Folie (RKW), der Kombi2plus-Folie (Böck) und Vliese (Agroma) weitere neue Trends bei der Siloabdeckung ausgestellt. So bietet Fa. Böck eine neue Silofolie an, die in einer einzigen Folie mit 85 μm die Eigenschaften von Unterzieh- und Silofolie vereinen soll. Die Super-7-Folie besteht aus einer siebenlagigen Folie aus den beiden Materialien m-LLDPE und EVOH, was trotz geringer Dicke eine sehr hohe mechanische Belastbarkeit und eine geringe Sauerstoffdurchlässigkeit nach sich zieht.

Interessant ist eine Siloabdeckvorrichtung, die in dieser Form noch nie angeboten und deshalb auch als Neuheit ausgezeichnet wurde. Firma Wasserbauer verfolgt mit dem „Wicky“ einen neuen Ansatz, um die Abdeckfolie von Fahrsilos unterschiedlicher Form und Größe automatisiert aufzurollen. Der „Wicky“ wird auf der Silofolie ein Stück hinter der Anschnittkante aufgestellt. Die Zahl der einzelnen Elemente (Baukastenprinzip) richtet sich dabei nach der Silobreite. Danach zieht man die Silofolie vom Anschnitt über die Aufwickeleinrichtung hinweg, bis die Folie auf der gegenüberliegenden Seite unter die Raupen geschoben werden kann. Nun haben die Raupen „Griff“ und können bei der Rückwärtsbewegung die Folie aufrollen und in der Vorwärtsbewegung abrollen. Dieses relativ einfache Prinzip scheint eine gute Praxistauglichkeit zu haben, wobei der „harte Praxistest“ noch aussteht. Die präsentierte Lösung stellt eine deutliche Verbesserung zum komplett manuellen Aufdeckverfahren dar. So wird die Absturzgefahr von Personen an der Silokante minimiert. Außerdem ermöglicht Wicky ein automatisches, an der Fütterung bzw. dem Entnahmevorschub angepasstes Entfernen der Abdeckfolie. Somit kann eine Beeinträchtigung der Silage an der Oberfläche durch Nacherwärmung, Vogelfraß, etc. weitestgehend ausgeschlossen werden. Darüber hinaus zeigen zwei Firmen Systeme mit gigantischen Ab- und Aufrollvorrichtungen, teilweise mit integrierten  Wasserschläuchen kombiniert.

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