Milchexporte im 1. Halbjahr besser als erwartet

30. Oktober 2020

Es ist so weit: Die Halbjahresergebnisse für den Außenhandel liegen vor. In diesem Jahr mit größerer Spannung erwartet, um die Effekte der Corona-Krise messbar zu machen. Die gute Nachricht zuerst: Die Exportmengen einiger wichtiger Produkte wie Käse, Milchmischgetränke, Butter und Molkenprodukte konnten das Vorjahresergebnis zum Teil erheblich toppen. Käse erzielte immerhin ein Plus von 2,4 %, Butter sogar eine Steigerung von 20 %.

Käse aus Deutschland erfreut sich großer Beliebtheit.

Im Gesamtbild ist die Beliebtheit des deutschen Käses erfreulich: Fast 650.000 t sind außerhalb der deutschen Grenze abgesetzt worden. In den beiden Vorjahren waren es etwa 630.000 t. Dabei haben Drittländer für einen ordentlichen Schub gesorgt und fragten jetzt fast 10 % mehr nach als im Vorjahr. Das sind mittlerweile 112.400 t Käse, die die EU aus Deutschland heraus verlassen. In Nordafrika fragten insbesondere Algerien (2.000 t) und Libyen (2.800 t) deutschen Käse nach, während sich Südafrika (-49 %) bedeckt hielt. Auch Chile hat dieses Jahr bisher mit einer Menge von knapp 4.200 t rund 10 % weniger geordert. Allerdings ist das Land in diesem Jahr auch sehr mit inneren politischen Auseinandersetzungen beschäftigt.

Der Butterabsatz insgesamt erreichte im Betrachtungszeitraum sehr gute Ausfuhrmengen. In den Vormonaten war das Plus zum Vorjahr mitunter sogar noch größer. Aktuell wurden rund 76.000 t Butter exportiert, was praktisch dem Ergebnis aus den beiden sehr guten Jahren 2015 (76.600 t) und 2016 (77.700 t) entspricht. Die EU-Nachbarn haben mit 67.500 t erheblich mehr (+18 %) als im Vorjahr bestellt. Saudi-Arabien hat in diesem Jahr offenbar besonderen Bedarf und erhöhte die Menge um rund 900 t. Allerdings bewegt sich Saudi-Arabien mit derzeit 1.100 t auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, ist aber wichtigster Drittlandspartner. Südkorea erhöhte die Einfuhrmengen an deutscher Butter von 430 t auf 870 t, sowie das Vereinigte Königreich (+13 %/ 584 t). Im Gegensatz dazu Japan, hier gingen die Mengen von 1.100 auf knapp unter 500 t zurück.

Auch Molkenpulver bleibt mit 166.000 t rund 10.000 t über dem Vorjahr. Zum einen gingen erhebliche Mengen mehr in die Niederlande (16.000 t), zum anderen hat auch China wieder mehr Interesse gezeigt. Für Molkenkonzentrat, das eigentlich nur mit Nachbarländern in der EU gehandelt wird, weist die Statistik ein Plus von 20.000 t aus.

Geteiltes Bild in anderen Produktsegmenten
So gingen die Ausfuhren von Milch und Rahm in Kleinpackungen in die EU-Nachbarstaaten um 30 % zurück, gleichzeitig wurde außerhalb der EU 15 % mehr abgesetzt. Bemerkenswert sind die um 22 % gestiegenen Ausfuhren von Trinkmilch nach China (157.800 t), obwohl es im Kontext der Corona-Pandemie zu deutlichen logistischen Problemen gekommen war. Das Handelsdefizit für diese Kategorie insgesamt beläuft sich in Summe auf
8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die rückläufige EU-Nachfrage bei Trinkmilch ist aber keinesfalls ein Corona-bedingtes Ergebnis. Schon seit mehreren Jahren sind die Mengen, insbesondere nach Frankreich, den Niederlanden und Italien, stark rückläufig. Dieser Trend hat sich in diesem Jahr fortgesetzt. Eine Rolle spielt hier sicher die Herkunftskennzeichnung, die von einigen Mitgliedstaaten patriotisch gehandhabt wird, während Deutschland weiterhin auf die EU-Herkunft setzt.

Allerdings haben in diesem Jahr auch die Ausfuhren von Tankmilch in die EU-Nachbarstaaten (-7,6 %) deutlich abgenommen, u.a. nach Italien (-20 %). Stabil blieben die Tankmilchausfuhren in die Niederlande und Dänemark fragte 40 % mehr nach, blieb aber unter 40.000 t.

Auch für deutsche Kondensmilch (ungezuckert) lief es nicht so gut: 5 % weniger Absatzmenge in der EU und 37 % weniger in Drittländern führten dazu, dass das Vorjahresergebnis insgesamt um rund 20.000 t (-13,7 %) verfehlt wurde. Das Volumen in Drittländern macht ca. ein Fünftel der gesamten Menge aus. In der EU war es vor allem Portugal, das noch schlechtere Zahlen verhindert hat. Mit 32.000 t wurden dorthin 6.500 t mehr als im ersten Halbjahr 2019 geliefert. Der asiatische Raum blieb mit 11.000 t ca. 4 % hinter dem Vorjahr zurück, was aber ein deutlich besseres Ergebnis ist als noch in den Vormonaten dieses Jahres. Kumuliert in den ersten drei Monaten, belief sich der Rückgang auf knapp 36 %. Da wäre es erfreulich, wenn die Tendenz bis zum Jahresende derart positiv bliebe.

Magermilchpulver wurde bislang nicht in dem Maße nachgefragt wie im ersten Halbjahr 2019. Auch wenn sich der Rückstand in den letzten Monaten ebenfalls verringerte, wurden bisher rund 30.000 t weniger aus Deutschland ausgeführt. Mit rund 190.000 t ist das Halbjahresergebnis von 2015 (187.000 t) erreicht. In den letzten drei Jahren überschritten die ausgeführten Mengen immer die Linie von 200.000 t, nicht zuletzt durch hohe Produktionsmengen und den Abbau von Beständen aus der Intervention.

Ausblick
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die deutschen Molkereien und ihre Handelspartner vor große Herausforderungen gestellt. Umso mehr gebührt ihnen große Anerkennung, dass die Milch der Erzeuger abgeholt, verarbeitet und schließlich auch vermarktet werden konnte. Der internationale Handel mit Milchprodukten ist trotz der massiven negativen ökonomischen Effekte weitgehend stabil geblieben und die Molkereien haben ihren Teil zur Versorgungssicherheit der Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln beigetragen. Jedoch mussten Produkte durch den Wegfall der Foodservice-Kunden im In- und Ausland günstiger verkauft werden als noch vor einem Jahr. Der Wettbewerb zwischen Molkereien ist und bleibt auch in der Corona-Krise hart. Unter dem Strich konnten die Milchmengen aus Deutschland zwar dank des starken Absatzes in Drittländern insgesamt gut bewältigt werden, aber in der Kasse der Molkereien ist leider deutlich weniger geblieben. Das spiegeln auch die niedrigeren Auszahlungspreise der deutschen Molkereien wider.
Die Pandemie ist nicht beendet und wird auch weiter die globalen Warenströme beeinflussen. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, zunehmender Zahlungsrisiken im Exportgeschäft sowie bedingt durch die schwache Währungsrelation zum Dollar und niedrigen Ölpreisen bleibt die Situation für die Molkereiwirtschaft auf absehbare Zeit schwierig.

Export-Union

 

 

: Zusammenfassung der bayerischen Übersichtsstudie

Deutsche Molkerei Zeitung Milchwirtschaft

Sie wollen beim Thema Milchwirtschaft und Milchmarkt immer auf dem neusten Stand sein? Dann schauen Sie doch auch mal bei der Deutschen Molkerei Zeitung vorbei. Hier gibt es alles Rund ums Thema Milch und Molkereiprodukte sowie neues aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Technik.

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung:

Stellenmarkt

Zurzeit gibt es hier keine Einträge.

mehr …