Fütterung vor und nach der Kalbung

14. Januar 2022

Führt mehr Kraftfutter in der Spätlaktion und Trockenstehzeit zu einer höheren Milchleistung in der Folgelaktion? Dies stimmt leider nur bedingt, denn die Folgen sind weitaus tiefgreifender. Wir werfen zudem einen Blick auf die Fütterung vor und nach der Kalbung.

Mineralstoffe und Spurenelemente sind essentieller Bestandteil einer Ration.

Häufig wird die Meinung vertreten, dass zur Vorbereitung der Mikrobenpopulation auf die Ration der Laktation auch in der gesamten Trockenstehzeit Kraftfutter gefüttert werden sollte. Basierend auf diesen Annahmen werden den spätlaktierenden und trockenstehenden Kühen 2 kg und mehr Kraftfutter verfüttert. Die Grundfutterqualität wird hierbei oft zu wenig berücksichtigt. Durch das Kraftfutter wird die Mikrobenpopulation im Pansen zwar auf die Laktation eingestellt, andererseits werden die Kühe teilweise zu fett.

Versuchsergebnisse zeigen, dass eine energetische Überversorgung der Milchkuh in der Trockenstehzeit die Milchleistung sowie die Fett- und Eiweißgehalte in der Folgelaktation erhöhen. Somit wäre der Ansatz »mehr Kraftfutter in der Spätlaktation und Trockenstehzeit führt zu einer höheren Milchleistung in der Folgelaktation« bestätigt. Dieser Ansatz stellt leider nur die Hälfte der Wahrheit dar, denn die höhere Milchleistung und die geringere Futteraufnahme verfetteter Kühe führen zu Ketose (Leberschäden), Abmagerung, Labmagenverlagerungen sowie Fruchtbarkeitsstörungen. Es ist auch allgemein bekannt, dass Kühe nicht trächtig werden, solange sie abnehmen (Körperfett abbauen). Versuchsergebnisse aus Raumberg-Gumpenstein zeigen, dass Kühe, die in den Monaten vor der Kalbung mehr Energie aufnehmen als sie benötigen, nach der Abkalbung ihren Energiebedarf über die Futteraufnahme für einen längeren Zeitraum nicht decken können. Das heißt, diese fetten Kühe bauen längere Zeit Körperfett ab, wodurch die Futteraufnahme zusätzlich sinkt und das Energiedefizit steigt. Die Körperfettmobilisation zusammen mit der geringeren Futteraufnahme und der höheren Milchleistung führen in Summe zu einer hohen Stoffwechselbelastung der Kühe. Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan wird dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen – sie verfettet und büßt an Leistungsfähigkeit ein. Oft zeigt sich, dass Betriebe mit dem angesprochenen Fütterungsregime mit mangelnder Fruchtbarkeit, Euter- und Klauengesundheit zu kämpfen haben – dies verursacht Leistungseinbußen und hohe Kosten.

Bedarfsgerechte Versorgung

Eine Energieunterversorgung in der Trockenstehzeit ist ebenfalls zu vermeiden. Werden Kühe in der Trockenstehzeit nicht ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgt, müssen sie bereits vor der Abkalbung Körperfett abbauen. Dieser vorzeitige Körperfettabbau belastet den Stoffwechsel und die Leber ebenfalls sehr stark. Ein derartiger Energiemangel steigert das Risiko einer Fettleber und der Ketose zu Laktationsbeginn. Werden Kühe in der Spätlaktation sowie in der Trockenstehzeit zu intensiv und in der anschließenden Laktation nicht mit ausreichend Grundfutter und sehr wenig Kraftfutter versorgt, verschlechtert sich die Stoffwechselsituation und Gesundheit der Tiere zusätzlich im Vergleich zur oben beschriebenen Situation.

Insbesondere genetisch hoch veranlagte Milchrassen reagieren stärker auf die Fütterung in der Spätlaktation und Trockenstehzeit als Zweinutzungsrassen. So wandeln Tiere der Rasse Holstein Friesian die in der Trockenstehzeit zugenommene Körpermasse nach der Kalbung eher in Milch um als Kühe der Rasse Fleckvieh. Das heißt, dass genetisch hoch veranlagte Tiere eher anfällig für Stoffwechselüberlastungen sind, wenn die Fütterung vor der Abkalbung zu nährstoffreich oder zu nährstoffarm und nicht auf die Ration nach der Abkalbung abgestimmt ist. Kombinierte Zweinutzungsrassen sind robuster und können mit Nährstoffüber- und Nährstoffunterversorgung besser umgehen, in Extremsituationen reagieren sie jedoch ähnlich.

Wichtige Grundsätze

Fütterung vor der Kalbung: Eine überhöhte Energieversorgung von Milchkühen in der Spätlaktation und Trockenstehzeit steigert die Milchleistung und Milchinhaltsstoffe in der Folgelaktation. Durch diese Fütterung kommt es jedoch zu einer stärker ausgeprägten negativen Energiebilanz nach der Abkalbung und somit vermehrt zu hohen Stoffwechselbelastungen. Werden Milchkühe bereits in der Trockenstehzeit nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, wird der Stoffwechsel auch in dieser Phase belastet. Eine Energieüberversorgung vor der Abkalbung hat jedoch einen stärker negativen Einfluss auf die Stoffwechselsituation nach der Abkalbung als eine Energieunterversorgung.

Fütterung nach der Kalbung: Eine höhere Energieversorgung nach der Abkalbung führt zu einer höheren Milchleistung und zu einem höheren Eiweißgehalt in der Milch. Es gilt jedoch das Prinzip des abnehmenden Ertragszuwachses – je mehr Kraftfutter eingesetzt wird, desto geringer ist die Milchleistungssteigerung pro zusätzlichem Kilogramm Kraftfutter! Haben die Tiere bereits in der Trockenstehzeit und Spätlaktation eine zu hohe Energieversorgung und Fett angesetzt, so ist eine hohe Energieversorgung nach der Abkalbung unbedingt erforderlich. Anderenfalls sind Stoffwechselprobleme unausweichlich. Genetisch hoch veranlagte Milchkühe leiden unter Stoffwechselstörungen eher, wenn die Ration nach der Kalbung einen zu geringen Energiegehalt aufweist.

DI Gerhard Lindner,
LK Salzburg

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