Weniger ist nicht immer mehr

17. August 2022

In einem Versuch wurde geprüft, ob das Abtränken von Kälbern in fünf oder neun Wochen zu besseren Aufzuchtleistungen führt. Dabei kam heraus: Langsames Abtränken führt zu besseren Tageszunahmen. Das Ergebnis: höhere Energieaufnahmen bei geringerer Kraftfutteraufnahme.

Kälber sollen in den ersten vier bis fünf Lebenswochen mindestens 800 g pro Tag zunehmen. Die gelungene Versorgung mit Biestmilch im geburtsnahen Zeitraum ist dafür Grundvoraussetzung. Danach muss eine intensive Fütterung innerhalb der ersten drei bis fünf Lebenswochen von mindestens 1 kg Trockenmasse (TM) pro Tag folgen.

Übergang erleichtern

Auf Praxisbetrieben ist zu beobachten, dass Kälbern bei Intensivierung der Fütterung der Übergang zum Wiederkäuer schwerfällt. Dies wirft die Frage auf, wie das Fütterungsmanagement nach der ad-libitum-Phase gestaltet werden sollte, um reduzierte Wachstumsraten in dieser entscheidenden Lebensphase zu vermeiden.

Dazu führte Christina Kuck im Rahmen ihrer Bachelorarbeit einen Versuch auf einem Praxisbetrieb durch, der zeigen sollte, wie eine Absetzstrategie nach der ad-libitum-Tränke aussehen muss. Unterstützt wurde sie dabei von den Projektpartnern ForFarmers GmbH und Förster-Technik. Insgesamt 80 Deutsche Holstein-Kälber wurden dabei bereits am fünften Lebenstag von der Einzelhaltung in die Gruppenhaltung mit Automatenfütterung umgestallt. In zwei Versuchsdurchläufen wurden jeweils zwei Gruppen mit je 20 Kälbern nach einer ad-libitum-Periode von fünf Wochen in unterschiedlichen Zeiträumen abgetränkt. Die Kontrollgruppe wurde innerhalb von fünf Wochen, die Versuchsgruppe innerhalb von neun Wochen von 12 auf 2 l MAT-Tränke pro Tag abgesetzt. Daraus ergaben sich Tränkephasen von zehn bzw. 14 Wochen. Die MAT-Konzentration betrug 163 g/l Wasser. Im Rahmen der Versuchsanordnung wurden die tierindividuelle MAT- und KF-Aufnahme pro Tag per Tränkeautomat bis zur 16. Lebenswoche erfasst. Um die KF-Aufnahme zu den unterschiedlichen Absetzzeitpunkten der zwei Fütterungsvarianten vergleichbar zu machen, wurde die KF-Aufnahme in g TM pro kg LM berechnet. Von jedem Tier wurde das Einstall- und Endgewicht erfasst. Um ein möglichst genaues Bild von dem Wachstumsverlauf der Kälber zu erhalten, wurde jedes Tier zweimal wöchentlich gewogen.

Höhere Energieaufnahmen

Die MAT-Aufnahme war entsprechend des Tränkeplans bei den 14 Wochen getränkten Versuchstieren um 31,5 kg TM erhöht. Gleichzeitig ist die Kraftfutteraufnahme bei den Versuchstieren um etwa 19 kg TM reduziert gewesen. Daraus resultierten für die 14 Wochen getränkten Tiere im Durchschnitt höhere Energie- und Rohproteinaufnahmen pro Tag (siehe Tabelle 1). Die KF-Aufnahme beider Fütterungsgruppen war innerhalb der ad-libitum-Phase sehr gering.

Trotz der signifikant geringeren Kraftfutteraufnahme der 14 Wochen getränkten Kälber in den Lebenswochen sechs bis 14, nahmen diese in dieser Zeit signifikant mehr TM aus Kraftfutter und vor allem MAT auf. In den Lebenswochen 15 und 16, in denen beide Gruppen keine MAT-Tränke mehr erhielten, war kein Unterschied bezüglich der KF-Aufnahme festzustellen. Die KF-Aufnahme pro kg LM war in der Versuchsgruppe zwei Wochen vor dem Absetzen nahezu doppelt so hoch wie die der Kontrolltiere (p ≤ 0,001). In der letzten Woche vor dem endgültigen Absetzen steigerten die Kontrolltiere die KF-Aufnahme enorm. So war die KF-Aufnahme der Versuchstiere in dieser Zeit nur tendenziell höher
(p = 0,078). In den zwei Wochen nach dem Absetzen nahmen die Kontrolltiere signifikant mehr KF pro kg LM auf.

Energielücke verkleinern

Aus der höheren TM-Aufnahme resultierte eine erhöhte tägliche Energieaufnahme der Versuchsgruppe in den Lebenswochen 6 bis 14. So fielen die Kontrolltiere nach dem Absetzen in eine deutlich tiefere Energielücke. Die Energielücke in der Versuchsgruppe konnte dagegen während der Absetzperiode deutlich verkleinert werden. Die täglichen Energieaufnahmen der Kontrolltiere fielen von durchschnittlich 27,40 MJ ME/Tag in Lebenswoche sechs auf 20,53 MJ ME/tag in Lebenswoche elf. Die der Versuchstiere fielen ausschließlich in den Lebenswochen sieben bis neun von 28,58 auf 26,54 MJ ME/Tag.

Die 14 Wochen getränkten Versuchskälber hatten in den ersten vier Lebensmonaten durchschnittliche Tageszunahmen von 970 g, waren somit insgesamt kräftiger entwickelt und wiesen bessere Wachstumsraten nach dem Absetzen auf. Im Vergleich hatten die zehn Wochen getränkten Aufzuchtkälber in ihren ersten vier Lebensmonaten lediglich durchschnittliche Tageszunahmen von 870 g. Die Versuchstiere waren bereits ab der achten Lebenswoche signifikant schwerer als die Kontrolltiere. Diese Wachstumsraten führten nach 16 Lebenswochen zu einem mittleren Endgewicht in der Kontrollgruppe von 137,40 kg und in der Versuchsgruppe 148,08 kg.

Insgesamt zeigte dieser Versuch, dass eine verlängerte Tränkephase aufgrund einer verlängerten Absetzphase zu einer erhöhten TM-Aufnahme (MAT + KF) während des Absetzens, einer höheren Energieaufnahme während des Absetzens bei geringerer KF-Aufnahme, einer erhöhten KF-Aufnahme zwei Wochen vor dem Absetzen und zu erhöhten durchschnittlichen Tageszunahmen und so zu einer gesteigerten Lebendmasse nach vier Monaten führt.

Christina Kuck,
Prof. Dr. Heiner Westendarp
und Johannes Kordesee

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