Mensch oder Maschine?

10. Dezember 2020

Oft diskutiert und immer aktuell: Welches System melkt günstiger? Wo liegen Vor- und Nachteile eines jeden Systems? Wir machen den direkten Vergleich.

Lieber selbst per Hand oder doch mit dem Roboter? Viele Landwirte stellen sich die Frage, wie es sich wirtschaftlicher melkt. Ein Drittmittelprojekt, das auf sieben Großbetrieben durchgeführt wurde, soll diese Frage nun beantworten. Fotos: Maucher, Archiv

Milchpur Kuh Kalb Milch

Steigende Personalkosten und vor allem der Mangel an Fachkräften für die täglich zu leistende Melkarbeit führen in vielen Unternehmen zu der Überlegung, die körperlich anstrengende und zeitintensive Melkarbeit den Automatischen Melksystemen zu überlassen. Dabei finden auch Einboxensysteme den Weg in große Kuhbestände, wobei in der Vergangenheit immer wieder geschrieben wurde, dass Roboter teurer melken als der herkömmliche Melkstand und dessen erforderliches Personal.
25 Jahre nach Einführung der Melkroboter sollte in einem Drittmittelprojekt diese Fragestellung in Großbetrieben noch einmal aufgegriffen werden. Grundlage der Analyse sind nachweisbare Daten in Form von Arbeitszeitmessungen, Erfassungen des Strom- und Wasserverbrauchs mittels installierter Verbrauchsmessgeräte, Produktionsdaten aus dem Herdenmanagementprogramm bzw. der Robotersoftware und die zur Fragestellung gehörenden Buchführungsdaten. Ziel war es, größere Betriebe in die Untersuchung einzubinden, wobei der kleinste Roboterbetrieb im Jahresdurchschnitt 259 Kühe hielt, der Größte 1.174. Der kleinste Melkstandbetrieb wies 474 Kühe im Jahresdurchschnitt aus, der größte 1.246.

Die Betriebe und ihre Daten

Es wurden vier Roboterbetriebe vs. drei Betriebe mit Melkständen in die Untersuchung einbezogen, die sich alle durch eine hohe Produktivität der Milchkühe auszeichnen. Um den tatsächlichen Arbeitszeitbedarf für das Melken festzustellen, wurden in drei Roboterbetrieben und drei Melkstandbetrieben Arbeitszeitanalysen in Form der Fortschrittszeitmessung durchgeführt. Das Verfahren selbst wurde in Arbeitselemente mit Definierung des Beginns und dem Ende der Arbeiten zerlegt. Dabei fand eine genaue Abgrenzung der erforderlichen Arbeiten statt, sodass die unterschiedlichen Melksysteme tatsächlich vergleichbar waren. Zur Erfassung des Wasser- und Stromverbrauchs wurden in zwei Roboterbetrieben und in allen Melkstandbetrieben Verbrauchsmessgeräte eingebaut. Die Messgeräte wurden so installiert, dass nur die Verbräuche des Melkens und der Reinigung der Melkmaschinen und der Vorwartehöfe erfasst wurden. Die Kühlung und Lagerung der Milch blieb aufgrund der unterschiedlichen Systeme und Lagerungsdauer bis zur Abholung außen vor.

 

Der Verbrauch im Vergleich

Festgestellt wurde, dass die Melkstände zwischen 3 und 20 l Wasser verbrauchten, die Roboterbetriebe zwischen 4 und 5 l je Melkung. Der Wasserverbrauch war nach unserer Einschätzung eher management- und nicht systembedingt. Der Stromverbrauch der Roboter war mit 0,29 bis 0,32 kWh je Melkung höher als in den Melkstandbetrieben (0,9 bis 0,24 kWh). Beim Arbeitszeitbedarf punkten natürlich die Roboter. In den Melkstandbetrieben wurde ein Arbeitszeitbedarf von 1,12 bis 1,39 AKmin je Melkung festgestellt. Die Roboter weisen mit 0,40 und 0,60 AKmin einen deutlich geringeren Bedarf aus. Zur Gewährleistung der Vergleichbarkeit wurde mit einheitlichen Preisen für Strom, Wasser, Abwasser und Entlohnung gerechnet. Für die Kilowattstunde Strom wurde ein Preis von 17 ct angesetzt. Für den Bezug von Trinkwasser 1,71 EUR je m3 exklusive 77,10 EUR Grundgebühr je Monat. Zur Vereinfachung der Rechnung ist die Abwasserbeseitigung mit 2,86 EUR/m3 und einer monatlirundgebühr von 36 EUR berechnet worden. Grundlage der angenommenen Preise war eine betriebliche Umfrage. Die Nutzungsdauer der Roboter wurde auf zwölf Jahre festgelegt, was momentan auch der steuerrechtlichen Vorgabe entspricht. Das eingesetzte Kapital in Form des Melkstandes bzw. Roboters und der umbaute Raum wurden mit 3,5 % Zinsansatz pro Jahr einheitlich bewertet. Für die Bewertung der Arbeitskraftstunde wurden die Daten aus der aktuellen Betriebszweigauswertung der Referenzbetriebe der LFA MV herangezogen. Diese weist einen Wert von 17,29 EUR je effektive Arbeitskraftstunde aus. In diesem Wert sind alle Leistungen enthalten, die die Betriebe erbringen, wie Urlaubs-, Kranken- oder Schwangerschaftsvertretung.

Wasserverbrauch ist managementbedingt

Zu vergessen ist nicht, dass auch Betriebseigentümer, die höhere Lohnansätze haben, in diesem Lohnaufwand enthalten sind. Tendenziell verbraucht der Melkroboter mehr Strom und verursacht damit höhere Aufwendungen. Im Vergleich zum Mittelwert der Melkstandbetriebe sind die Stromkosten um 2,73 ct je Melkung höher (Abbildung 2). Der Wasserverbrauch wird mehr durch das Betriebsmanagement als durch das System des Melkverfahrens bestimmt. Die Unterschiede beginnen bei der Melkfrequenz in den Melkstandbetrieben und enden mit den betrieblichen Anforderungen für die Reinigung der Melkanlage und Vorwartehöfe. Der Vergleich der Melksysteme in den unter suchten Betrieben zeigte für die Roboter geringere Aufwendungen von 2,60 ct je Melkung für den Frischwasserbezug und die Entsorgung des Schmutzwassers. Durch den Dauerbetrieb der Roboter ist der Reparatur- und Unterhaltungsaufwand höher, die Kosten der Verbrauchsmittel geringer (3,32 ct unterschied je Melkung).
Die Wirtschaftlichkeit der Roboter verbessert sich mit steigendem Lohnniveau. Der Vorteil der untersuchten Roboterbetriebe beträgt mehr als 20 ct je Melkung im Vergleich zu den Melkstandbetrieben. Allerdings sind die Investitionskosten für Melkroboter höher, die letztendlich zu Mehraufwendungen für Abschreibung und Zinsansatz von 12,21 ct je Melkung führen. Aber die Attraktivität der Investition in Roboter steigt vor allem wegen des Fachkräftemangels. Die Melkkosten der Roboter sind mit denen herkömmlicher Melkstände vergleichbar. Der Unterschied zwischen den Roboterbetrieben und den Melkstandbetrieben betrug knapp 5 ct je Melkung zugunsten der Roboter. Im Mittel kostete eine Melkung im Melkstand 57 ct im Roboter 52 ct (Abbildung 2), wobei diese Differenz eher marginal und durch betriebsindividuelle Besonderheiten bestimmt wurden.
Entscheidend sind letztendlich die Kosten je kg ermolkene Milch. Da in dieser Untersuchung darauf geachtet wurde, dass das Leistungsniveau zwischen allen Betrieben ungefähr gleich ist, ist eine Vergleichbarkeit sehr gut möglich. Aufgrund des allgemein sehr hohen Milchleistungsniveaus betrugen die Kosten bei den Melkroboterbetrieben 4,45 ct je kg. Die Betriebe die ihre Kühe im Melkstand melken, mussten für den Milchentzug 4,71 ct je kg verauslagen. 

Problem des Fachkräftemangels

Das Problem des Fachkräftemangels besteht auch in der Milchproduktion. Daher steht die Automatisierung vor allem des Melkverfahrens im Fokus vieler Landwirte. Doch die hohen Investitionskosten für Automatische Melksysteme werfen die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dieses Melkverfahrens auf. Arbeitszeitmessungen, Installation von Verbrauchsmessgeräten und die Aufbereitung von Buchführungs- und Herdendaten waren Grundlage zur Bewertung der Kosten in ct je Melkung und je kg ermolkener Milch.
Der Vergleich der Melkkosten zwischen Roboter- und Melkstandbetrieben zeigt, dass die Höhe der Personalkosten je Arbeitskraftstunde nach wie vor den Ausschlag gibt. Bei durchschnittlichen Personalkosten von 17,29 EUR je effektive Arbeitskraftstunde zeigten die Roboterbetriebe 5 ct geringere Aufwendungen je Melkung im Vergleich zu den Melkstandbetrieben. Die Differenz ist marginal und durch betriebsindividuelle Besonderheiten geprägt. Bleibt festzuhalten: Automatische Melksysteme in Großbetrieben sind gleichauf im Melkkostenvergleich mit herkömmlichen Melkständen.

Jana Harms,
Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei
Mecklenburg-Vorpommern

 

 

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