Unseren Böden den Druck nehmen – Teil 3: Systeme der Reifendruckregulierung

27. Juli 2020

Im ersten Teil der Artikelserie wurde die Entstehung von Verdichtungen und deren negativen Auswirkungen erläutert. Der anschließende zweite Teil beschäftigte sich mit der optimalen Bereifung und dem passenden Reifendruck als zentralen Baustein zur Vermeidung von Bodenverdichtungen. Dieser Artikel zeigt nun einen Überblick technischer Hilfsmittel, die es ermöglichen, den Reifendruck an die jeweiligen Einsatzbedingungen anzupassen. Denn für das bodenschonende Arbeiten am Feld stellt sich nicht die Frage, ob es sinnvoll ist den Fülldruck anzupassen, sondern: Welches System der Druckanpassung ist für meinen Betrieb am besten geeignet?

Eine nachhaltige Schonung des Bodens ist nur durch das Befahren bei trockenen Bedingungen, die richtige Reifenwahl und die Anpassung des Reifendrucks sowie durch generelle Vermeidung hoher Achslasten möglich. © mpr

Als Faustregel für Reifendrücke bei unterschiedlichen Einsatzbedingungen gilt: (zu beachten: die Tragfähigkeit des jeweiligen Reifens)

  • Auf der Straße: über 1,6 bar
  • Am Feld: unter 1,0 bar

Vor der Anschaffung eines Reifendruckregelsystems sollte man folgende Überlegungen anstellen:

  • Mit welchen Reifen sind meine Geräte ausgestattet?
  • Welche Arbeiten führe ich mit meinen Maschinen durch?
  • Sind meine Flächen arrondiert oder muss ich längere Straßenfahrten einplanen?

Reifendruckanpassung beim stehenden Fahrzeug

Diese Systeme sind empfehlenswert, wenn der Druck nur wenige Male verändert bzw. kontrolliert werden muss.

1. Schnellentlüftungsventile

Das Original-Standardventil ist aufgrund des kleinen Querschnitts nicht für die rasche Anpassung des Fülldruckes geeignet. Diese werden einfach durch Schnellentlüftungsventile ersetzt. Somit kann nach der Straßenfahrt bei jedem Reifen der Druck mittels Manometer kontrolliert und auf den erforderlichen Felddruck abgesenkt werden. Nach Beendigung der Feldarbeit kann der Druck über die Luftdruck-Bremsanlage des Traktors wieder erhöht werden.
Kosten: Material vom Baumarkt in Eigenregie montiert: ca. 60 Euro pro Rad –> Ventil muss passendes Gewinde haben, sonst nicht betriebssicher!
–> kostengünstig, einfach

 

2. transportierbare Reifendruckgeräte

Mit den mobilen Systemen im Stand kann der Reifendruck relativ einfach geändert werden.
Kosten: bis zu 1.000 Euro
–> kompakt und schnell

 

Reifendruckanpassung während der Fahrt

Dies sind teurere Systeme, die vor allem bei häufiger Reifendruckanpassung verwendet werden. Dabei werden an den Reifen fixe Luftleitungen installiert und die Bedienung kann bequem über ein Terminal von der Traktorkabine aus erfolgen. Bei der Zufahrt zum Feld wird der Reifendruck kontinuierlich abgesenkt und beim Verlassen des Feldes wieder auf den Straßendruck aufgepumpt. Zusätzlich wird bei Erntemaschinen (Mähdrescher, Rübenvollernter) der Reifendruck während der Fahrt an das zunehmende Gewicht (Bunkerfüllung) angepasst.
 

Reifendruckregelanlagen bei Anhängern

Bei Transportanhängern oder Güllefässern ist das Last-Leer-Verhältnis meist deutlich größer als bei Traktoren. Aufgrund des hohen Gesamtgewichts beträgt der erforderliche Fülldruck für die Straßenfahrt nicht selten 3,5 bis 4 bar! Die irreversiblen Folgeschäden beim Befahren mit solch hohen Drücken am Feld wurden umfassend beleuchtet. Durch den häufigen Lastwechsel – z.B. bei Güllefässern – wird eine professionelle Druckregelanlage unverzichtbar.

Fazit

Eine nachhaltige Schonung des Bodens ist nur durch

  • das Befahren bei trockenen Bedingungen,
  • die richtige Reifenwahl und
  • die Anpassung des Reifendrucks sowie durch
  • generelle Vermeidung hoher Achslasten möglich.

Jene Praktiker, die ohnehin schon Druckregelanlagen auf ihren Maschinen einsetzen, schwören auf die dadurch erzielten Vorteile! Es bleibt allerdings zu beachten, dass auch der besten Regeldruckanlage Grenzen gesetzt sind.

mit Material von Patrick Falkensteiner, LK Oberösterreich

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