Hof

Stromausfall – wenn nichts mehr geht

17. Januar 2023

Vielleicht haben Sie den Gedanken in Ihrem Betrieb schon einmal durchgespielt. Der Strom fällt aus und bleibt über einige Stunden bzw. Tage weg. Welche Auswirkungen hätte der Stromausfall auf Betrieb und Haushalt? Diese wichtige Frage sollte sich jede/r Betriebsführer/in stellen, um für den Notfall gerüstet zu sein.

Wie so oft bei Fragen zur Stromversorgung ist auch bei einem Stromausfall jeder Betrieb sehr unterschiedlich betroffen. Natürlich hat ein Milchviehbetrieb wesentlich mehr Schwierigkeiten, seinen Betrieb aufrecht zu erhalten, als ein Mutterkuhbetrieb. Genau diese auch innerhalb von Betriebszweigen sehr unterschiedliche Ausstattung der Betriebe macht es so sinnvoll, sich als Betriebsführer den eigenen Betrieb in Notstromzeiten durchzudenken.

Probleme, die bei den unterschiedlichen Betriebszweigen bei einem Stromausfall auftreten können:
Stromausfall bis 15 Minuten:
Fütterungsautomaten bzw. computerunterstützte Systeme sind eventuell neu zu starten.
Stromausfall bis 2 Stunden:
Bei zwangsbelüfteten Stallungen ist speziell an heißen Tagen schnelles Handeln wichtig, um einen Luftaustausch zu gewährleisten. In Ferkelnestern und bei Junggeflügel kann die Wärme nicht mehr gewährleistet werden.
Stromausfall bis 12 Stunden:
Wasser- und Futterversorgung sind bereits problematisch. Bei Milchviehbetrieben müssen Melkung und Milchkühlung gewährleistet werden. Legehennen haben Probleme mit dem fehlenden Lichtprogramm, auch die Eiersortierung kann nicht durchgeführt werden. Im Haushalt bzw. beim Direktvermarktungsbetrieb tauen die Kühlschränke ab. Warmwasser zur Reinigung, zum Duschen und für die Heizung sind auch bei größeren Pufferspeicher erschöpft.
Stromausfall bis 2 Tage:
Die Entmistung bzw. Weiterleitung der Gülle kann bereits ein Problem darstellen. Kühl- und Gefrierschränke sind abgetaut.

Probleme bei einem Stromausfall treten teilweise sehr rasch auf und haben speziell bei tierhaltenden Betrieben massive Auswirkungen. Mit längerfristigen Stromausfällen ist jederzeit zu rechnen, daher sollte jede/r Betriebsführer/in ein Notstromkonzept parat haben. Manche/r Betriebsleiter/in denkt vielleicht, dass bei einem Stromausfall die Feuerwehr des Ortes bzw. des Unterabschnittes mit dem Stromaggregat aushelfen kann. Dies kann bei kurzfristigen und kleinräumigen Stromausfällen durchaus funktionieren. Treten jedoch Stromausfälle auf, die ein ganzes Bundesland, das ganze Land oder vielleicht sogar halb Europa betreffen und über Tage hinweg andauern, so sind diese Notstromaggregate der Feuerwehren und des Zivilschutzes jedoch dort im Einsatz, wo die wichtigste Infrastruktur des Landes aufrecht erhalten werden muss. Ein landwirtschaftlicher Betrieb wird in solchen Krisenzeiten daher nicht bedient werden können.
Mit welchen technischen Möglichkeiten kann eine Notstromversorgung am Betrieb erreicht werden?

Zapfwellenaggregat: Für landwirtschaftliche Betriebe ist ein Zapfwellenaggregat der beste und günstigste Schutz gegen einen Stromausfall. Da wir unsere Traktoren als Antrieb verwenden können, sind selbst Zapfwellenaggregate mit großem Leistungsvermögen vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Egal wie lange der Stromausfall dauert, das Zapfwellenaggregat liefert verlässlich den Strom in ausreichendem Umfang. Wichtig ist die fachgerechte Installation des Einspeisepunktes.
Dieselaggregat: Von den Eigenschaften gleich gut wie ein Zapfwellenaggregat, die Anschaffungskosten sind jedoch ca. 3-mal so hoch, da der Antriebsmotor mitgekauft werden muss. Die Wartung des Motors bedeutet einen zusätzlichen Aufwand.
Photovoltaikanlage mit Stromspeicher: Eine normal gebaute Photovoltaikanlage funktioniert bei Stromausfall nicht, da der Wechselrichter wegen einer Sicherheitseinrichtung die Stromversorgung abschalten muss. Erst in Kombination mit einem notstromfähigen Wechselrichter bzw. einem notstromfähigen Stromspeicher, sowie einem Netztrennschalter ist eine sichere Trennung vom öffentlichen Stromnetz und eine zeitlich begrenzte Inselfähigkeit möglich. Doch Vorsicht: Stromspeicher sind nicht darauf ausgelegt, die Stromversorgung für sehr große elektrische Verbraucher wie z.B. Melkanlagen, Fütterungen oder Heukräne über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten. Für den autarken Betrieb solcher Verbraucher müsste ein extrem leistungsfähiger und großer Speicher installiert werden, dessen Kosten nach heutigem Stand in keiner Relation zum Nutzen stehen. Außerdem kann speziell an trüben Herbst- und Wintertagen nicht gewährleistet werden, dass die Photovoltaikanlage genug Strom produziert, um den Speicher wieder zu befüllen und somit den Notstrombetrieb aufrecht zu erhalten.

Für einen landwirtschaftlichen Betrieb ist daher ein Zapfwellenaggregat die einfachste und kostengünstigste Variante, einen Notstrombetrieb auch über Tage hinweg aufrecht zu erhalten.

Ing. Christoph Wolfesberger
Referent, LK Niederösterreich

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