Komfort für Mensch und Tier
Ein Melkstand soll sowohl den Kühen als auch dem Melkpersonal genügend Platz, Licht und ein angenehmes Raumklima bieten.
Das Auge der Kuh braucht fünfmal länger als das menschliche, um sich auf Hell-Dunkel-Wechsel einzustellen. Deshalb sollten Melkstand, Zu- und Abtriebsbereich gleichmäßig mit ca. 150 Lux, ohne starken Licht-Schatten-Wechsel und Reflexionen ausgeleuchtet werden. Dies vermindert den Stress für die Tiere und fördert den raschen Gruppenwechsel. Die Lichtstärke in der Melkgrube sollte 250 Lux und im Euterbereich 400 Lux betragen. Das lässt sich z. B. durch zentral über der Melkgrube und zusätzlich im Euterbereich montierte Lampen erreichen. Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass sich ausreichende Beleuchtung im Euterbereich beim Melken positiv auf die Zellzahl auswirkt, da Auffälligkeiten bei gutem Licht rascher erkannt werden.
Damit es bei kleinem Luftvolumen und hoher Luftfeuchtigkeit (Wasserdampfabgabe der Kühe, Melkstandwaschen etc.) nicht zur Korrosion und Schimmelbildung kommt, muss die verbrauchte, erwärmte Luft entweder über deckennahe Fenster bzw. Lichtbänder oder einen Lichtfirst entweichen können. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 75 % sollte im Melkstand nicht dauerhaft überschritten werden.
Hitzestress: Im Melkstand stehen die Kühe dicht gedrängt, in der Melkgrube fehlt jede Luftbewegung und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Das Risiko, dass Mensch und Tier im Sommer beim Melken unter Hitzestress leiden, ist groß. Hier können Ventilatoren oder Schlauchlüftung helfen. Bei der Planung ist zu beachten, dass zur Linderung von Hitzestress mindestens 2,0 m/s Luftbewegung im Tierbereich, aber nicht mehr als 0,2 m/s in der Melkgrube herrschen sollten. Dies kann zum Beispiel mit auf die Melkplätze ausgerichteten Axialventilatoren und einem Deckenventilator für die Melkgrube erreicht werden. Eine andere Variante ist eine Schlauchlüftung mit unterschiedlichen Schlauchöffnungen für Melkplätze und Melkgrube. Für die Kühe beginnt der Hitzestress meist schon im Vorwartebereich. Dieser sollte daher auch mittels zusätzlicher Luftbewegung gekühlt werden. Luftbewegung im Vorwartebereich und im Melkstand vertreibt auch die Fliegen, die in der warmen Jahreszeit beim Melken zur Plage werden können.
Kältestress: Kalte Füße, klamme Finger und als Folge eine Erkältung. Jeder kalte Tag im Melkstand ist einer zu viel. Melkpersonal und Melkqualität leiden unter der Kälte und bei extremem Frost kann sogar die Technik Schaden nehmen. Eine ausreichende Wärmedämmung des Melkstandes macht sich nicht nur an kalten, sondern auch an heißen Tagen bezahlt. Eine Melkstandheizung will gut geplant sein. Ob Heizlüfter, Fußboden- oder Infrarotheizung, wichtig ist den Melkstand frostfrei zu halten und während der Melkarbeit 10-15 °C zu erreichen. Je nach Heizsystem ist dafür eine gewisse Vorlaufzeit notwendig, weshalb sich eine Steuerung über Thermostat und Zeitschaltuhr empfiehlt. Können Zu- und Abtrieb im Winter geschlossen werden, bleiben Abwärme der Tiere und Heizungsenergie besser im Melkstand.
Genügend Platz: Auch die Maße des Melkstandes entscheiden über das Wohlbefinden von Mensch und Tier und somit über die Qualität der Melkarbeit. Die Maße der Melkplätze hängen von der Melkstandform ab. Dabei gilt es zu beachten, dass die Aufstallung im Melkstand die Kühe sicher positionieren, aber nicht einschnüren soll. Türen und Triebgänge für ein Tier sollten ein Innenmaß von 80-100 cm aufweisen. Die Melkgrube sollte bei einseitigen Melkständen mindestens 140 cm und bei zweiseitigen Melkständen mindestens 180 cm breit sein. Die Tiefe der Melkgrube hängt von der Melkstandform sowie der Körpergröße des Melkpersonals ab und kann mit der »Milking-Formel« berechnet werden. Ein Hubboden kann hydraulisch auf unterschiedliche Körpergrößen der melkenden Personen eingestellt werden. Alternativ dazu empfiehlt es sich, die Melkgrube tiefer als eigentlich notwendig auszuführen und mit Rosten auszustatten. Diese sind nachträglich leichter anzupassen als eine Vertiefung der Melkgrube und stellen einen angenehm federnden und trockenen Untergrund beim Melken dar.
Dr. Marco Horn, LK Niederösterreich
Der Beitrag wurde veröffentlicht im Allgäuer Bauernblatt 13/2026



