Die perfekte Ration

14. Oktober 2021

Bei der Rationsplanung und -kontrolle sollte auf eine bedarfsgerechte, wiederkäuergerechte und homogene Futterration geachtet werden. Deshalb sollten die Futtermittel und das Fütterungsmanagement regelmäßig kontrolliert werden.

Ziel der professionellen Milchviehhaltung ist es, effektiv Milch zu produzieren. Gutes, wiederkäuergeeignetes, homogenes Futter bildet dafür die Basis. Foto: Maucher

»Eine gesunde Kuh muss nach problemlosem Abkalben das Strukturfutter aktiv kauen und ihren Futterverzehr innerhalb von drei Wochen von 10 auf 20 kg Trockenmasse hochfahren«, erklärte Dr. Thomas Jilg bei einer Veranstaltung des LAZBW Aulendorf. Damit dies reibungslos und ohne Ketose funktioniert, sei die richtige Pansen-Schichtung (wichtig für die Tätigkeit der Mikroorganismen: unten Pansensee, darüber eine Fasermatte und oben aufliegend die Gasblase) von größter Bedeutung. Wenn in der Ration 0,8 kg Stroh oder 2 kg Heu integriert sind, sei dies für die Bildung einer Fasermatte ideal. Der Rinderfütterungsexperte plädierte, bei der Rationsplanung und -kontrolle auf eine bedarfsgerechte, ausgeglichene und wiederkäuergerechte, homogene Futterration zu achten.

Schüttelbox gibt Aufschluss

Die sog. Schüttelbox gebe Aufschluss darüber, ob die Futterration passt: In den oberen zwei Sieben müssen mindestens 60 % verbleiben. Der Boden verrät, wie sehr Kraftfutter selektiert wird. Wenn der Kot durch ein 2,5 mm großes Sieb gewaschen wird, dürfe höchstens die Hälfte der eingelegten Menge (Messbecher) noch zurückbleiben; ansonsten sei zu viel unverdaut geblieben. Beim Futterwert der Grassilage sei nur die Qualität zum Zeitpunkt der Fütterung maßgebend, weil sie sich während der Lagerung maßgebend verändern kann. Wer den Trockensubstanzgehalt seiner Silage/Futterration bestimmen will, könne dazu die Mikrowelle (kurze Laufzeit wählen), eine Heißluftfritteuse (Brandgefahr: Gitter auf Futter legen), einen Umluftherd (85 °C) oder ein professionelles Trocknungsgerät verwenden. Für alle Gerätschaften gilt: Es muss so lange getrocknet werden, bis sich das Gewicht nicht mehr weiter reduzieren lässt (Gewichtskonstanz).

Schnelleres Verfahren

Schneller und einfacher, aber ungenauer geht es mit der Wringprobe: Wenn bereits bei leichtem Druck Saft austritt, beträgt der Trockenmassegehalt weniger als 20 %. Ist kräftiger Händedruck nötig, kann mit 25 % gerechnet werden. 30 % sind es, wenn die Hände noch nass werden; ohne Saftaustritt sind es dann etwa 35 %. 5 % mehr sind es, wenn die Hände nur noch glänzen. Bei 45 % gibt es nur noch ein schwaches Feuchtigkeitsgefühl. Vollkommen trockene Hände zeigen, dass der Trockensubstanzgehalt sogar noch darüber liegt.

Eine möglichst homogene Futtermischung erfordert ein gewisses Reglement beim Aufladen: »Trocken kommt vor nass, und lang kommt vor kurz.« Konkret heißt das, dass in den Mischwagen zuerst Stroh und Heu, Rundballen und Packen geladen werden. Danach folgen trockene/feine Komponenten/Zusätze. Erst anschließend wird Luzerne-/Grassilage zugefügt, zuletzt die Maissilage. Zum Schluss kommen nasse Nebenprodukte und Flüssigkeiten (Biertreber, Melasse oder Wasser) hinzu. Damit das Ganze nicht zu lange dauert, muss bei der Anordnung der Silos/Ladestätten auf eine sinnvolle Anordnung geachtet werden.
Je intensiver das Futter bearbeitet/geschnitten wird, desto wichtiger ist es eine kleine Strohmenge dazuzugegeben. Vor allem im Sommer sollte die frische Mischung sofort – eventuell sogar zweimal täglich – vorgelegt werden.

Wiederkautätigkeit überwachen

Jilg mahnte, das Futter genau anzusehen, zu riechen, fühlen und hören: Dabei sollte sich der Landwirt stets fragen, ob das Futter gut schmeckt, warum es warm ist und was bei Ernte, Lagerung, Entnahme, Mischen oder Vorlage eventuell geändert werden müsse. Hochleistungskühe dürfen nie auf Futter warten. Graben, Suchen und Selektieren im Futter haben meist eine Ursache. Von großer Bedeutung ist der Trockensubstanzgehalt der Mischung: Bei zu trockener Ration haftet Kraftfutter schlecht an; Wasser- oder Melasse-Zusatz kann Abhilfe schaffen.

Eine geringe Pansenfüllung deutet auf eine Azidose hin – Abhilfe kann mehr Struktur schaffen. Wenn die Bauchlinie gerade oder aufgezogen erscheint, muss man sich fragen, ob die Kuh schon seit Wochen schlecht oder sogar einen Fremdkörper gefressen hat. Als erstes sind die Mischqualität und Ration zu überprüfen, ggf. auch der Tierarzt hinzuzuziehen.

Mehr als 55 Kauschläge/Minute sollten von der Kuh bei jedem Futter-Bolus bis zum Abschlucken gezählt werden. Werden weniger Kauschläge registriert, muss die Futtermischung mit mehr Struktur versehen werden. Mindestens die Hälfte der liegenden Kühe sollten mit Wiederkauen beschäftigt sein. Ist dies nicht der Fall, könnten die Ursachen neben Strukturmangel und ungünstigen Fütterungsabläufen auch Unruhe im Stall sein. Vermehrte Klauenprobleme könnte in einer mangelhaften Rationsgestaltung mit zu viel Stärke oder pH-Werten deutlich unter 5,0 oder über 5,8 liegen. Wässerig-dünner Kot kann auf Endoparasiten, eine Krankheit, zu viel Zucker in der Ration, Strukturmangel, schlechtes Wiederkauen oder Mykotoxine (Schimmel) hindeuten.

Dünner Kot deutet auf zu junges Futt-ter mit zu viel Eiweiß und zu schnelle Passage des Verdauungstraktes hin.Fladen, die stehend abgekotet wurden und zwei bis 3 cm hoch stehen bleiben, sind als »ideal« zu bezeichnen. Dicker Kot mit Ringen oder Kotballen zeigen faserreiches Futter; passend für Färsen und Trockensteher.

Franz Kustermann

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung: