Futterqualität erhalten

19. Juni 2023

Aufgrund der Trockenheit so manch zurückliegender Jahre können Betriebe futterknapp werden und die Silagen müssen vorzeitig geöffnet werden. Die Gärbiologie benötigt jedoch Zeit. Je länger das Futter ungestört silieren kann, desto besser ist die Stabilität in der Entnahmephase und desto geringer sind die Verluste. Bereits vor der Saison sollte man sich deshalb über die Maßnahmen Gedanken machen.

Foto: Pöttinger

Der Gärprozess bei der Silagebereitung beruht auf einer Milchsäuregärung unter Luftabschluss. Ziel ist eine rasche Ansäuerung, denn dadurch kann die unerwünschte Vermehrung von Gärschädlingen unterdrückt werden. Das bei dem Gärprozess gebildete Kohlendioxid wirkt ebenfalls hemmend auf einige Gärschädlinge. Ein zu frühes Öffnen führt jedoch zu einem vorzeitigen Austausch des Kohlendioxids mit Sauerstoff, der noch laufende Gärprozess wird unterbrochen. Hiervon profitieren vor allem Hefe-, aber auch Schimmelpilze. Die Hefen verursachen durch Abbau des Restzuckers die gefürchtete Nacherwärmung bei der Entnahme. Die dabei stattfindende Wärmebildung bedeutet erhebliche Energie- und Trockenmasseverluste. Bestimmte Hefetypen bauen neben Zucker auch organische Säuren, wie z.B. Milchsäure, ab. In der Folge steigt der pH-Wert der Silage wieder an. Dies fördert neben Schimmelpilzen auch einen verstärkten Eiweißabbau, stets verbunden mit einer Reduzierung der Eiweißqualität.

Das Ausmaß dieser Prozesse hängt neben der erzielten Verdichtung und der Gärdauer in einem hohen Maße auch vom Vorschub ab. Hefepilze werden durch Gehalte von ca. 2-2,5 % Essigsäure/kg TM in ihrer Vermehrung eingedämmt. Diese Essigsäure wird im optimalen Gärprozess von heterofermentativen Milchsäurebakterien (MSBhetero) gebildet. Jedoch findet diese Produktion erst im späteren Gärverlauf statt, sodass die gewünschte Konzentration häufig erst nach einer Siloreifezeit von acht bis zehn Wochen erreicht wird. Je nach betrieblicher Situation sind verschiedene Strategien zum bestmöglichen Erhalt der Futterqualität im diesjährigen ersten Aufwuchs bei einer Futterknappheit denkbar:

Zwei getrennte Silos befüllen: Eine Möglichkeit ist die Befüllung von zwei Silos. Eines wird für die frühe Öffnung geplant und enthält die für ca. acht Wochen benötigte Futtermenge. Das zweite Silo bleibt geschlossen und wird erst später nach Abschluss des »regulären« Silierprozesses geöffnet. Dabei ist für das Silo mit der vorzeitigen Entnahme über eine geringe Füllhöhe ein möglichst hoher Vorschub von über 3 m/Woche zu planen (Tabelle 1). Die Länge des Silos muss bei der Befüllung häufig komplett ausgenutzt werden, da sich, in Abhängigkeit von Breite und Länge des Silos und der Anlieferungsmenge, sonst eine zu hohe Schichtdicke beim Walzen ergeben könnte. Ziel sind max. 20 bis 30 cm. Um eine möglichst gute Verdichtung zu erzielen, ist eine parallele Befüllung der beiden Silos anzuraten. Farbige Markierungen auf der Wandfolie helfen in der Hektik während der Ernte, die vorher ermittelte maximale Füllhöhe für den hohen Vorschub nicht aus den Augen zu verlieren! Das Silo sollte umgehend abgedeckt werden, jeder weitere Tag im geschlossenen Silo kommt der Futterqualität zugute.

Ballensilage: Ebenso wie in festen Silos ist die Silierung eines Futtervorrates für ca. acht bis zehn Wochen in Form von Ballensilage denkbar. Der Vorteil besteht darin, dass die einzelnen Ballen zunehmend silieren können und der »Vorschub« somit unproblematisch ist. Andererseits kann der Einsatz von Ballensilage im Futtermischwagen arbeitsorganisatorisch schwieriger sein. Außerdem sind die Kosten je Energieeinheit in der Regel etwas höher. Die Grünlandbestände eines Betriebes reifen oft unterschiedlich schnell ab, dieser Umstand kann hier positiv genutzt werden. Günstige Flächen könnten frühzeitig als Ballensilage konserviert werden, die anderen werden später wie üblich ins Fahrsilo siliert.

Grünfütterung bzw. Weide: Sofern die Technik zur Verfügung steht, kann das Futterdefizit auch über eine Grünfütterung überbrückt werden. Ein Betrieb mit 50 Milchkühen und 50 Stück Jungvieh benötigt täglich in Frischmasse ca. 50 dt Gras bzw. 8,5 dt Trockenmasse. Bei einer Aufwuchsdauer von vier Wochen liegt der Flächenbedarf der Herde bei ca.
10 ha Grünland (Tabelle 2). Um den Silagevorrat zu sparen, können ggf. auch Jungvieh und/oder Trockensteher geweidet werden.

Siliermitteleinsatz: Ein Siliermitteleinsatz kann keine Fehler im Konservierungsmanagement ausbügeln. Aber er kann den Silierprozess in bestimmten Bereichen unterstützen. Im Fall einer verkürzten Gärdauer ist das vorrangige Ziel die Verhinderung einer Nacherwärmung, also eine Hemmung der Vermehrung von Hefepilzen. Theoretisch kann dies über zwei verschiedene Produktgruppen erreicht werden, nämlich über MSBhetero oder chemische Zusätze. Heterofermentative Milchsäurebakterien bilden i.d.R. erst im späteren Gärverlauf die gewünschte Essigsäure. Daher ist der Einsatz bei einer verkürzten Siloreifezeit nicht zielführend. Es gibt jedoch inzwischen auch Produkte auf dem Markt, bei denen spezielle Stämme an Milchsäurebakterien schon früher mit der Essigsäurebildung starten.
Das Silo sollte in dem Fall ca. zwei Wochen geschlossen bleiben können. Hier besteht jedoch grundsätzlich die Gefahr einer unerwünscht hohen Essigsäurebildung mit zunehmend längerer Gärdauer. Deshalb ist es empfehlenswert, auch in diesem Fall den ersten Aufwuchs in zwei getrennte Silos einzufahren, also ein entsprechendes Mittel nur in dem Silo mit der vorzeitigen Entnahme einzusetzen.
Je nach Produkt tragen chemische Mittel zu einer raschen Ansäuerung bei bzw. sie hemmen gezielt Gärschädlinge. Zusätze auf der Basis von Propion-, Benzoe- oder Sorbinsäure bremsen die Vermehrung von Hefen aus und wirken teilweise auch gegen Schimmelpilze. Die entsprechenden Salze dieser Säuren (Propionat, Benzoat bzw. Sorbat) sind deutlich weniger korrosiv und daher anwenderfreundlicher. Auch hier gilt, dass das Silo gründlich abgedeckt werden muss. Die Folie sollte zumindest in den ersten vier Wochen an der Anschnittsfläche immer wieder heruntergezogen werden, da dies die Wirkungssicherheit erhöht. Bei chemischen Siliermitteln ist die Aufwandmenge i.d.R. vom TM-Gehalt abhängig, eine Unterdosierung verhindert den Erfolg. Nach der Futtermittelhygiene-VO wird bei chemischen Mitteln zwischen Konservierungsmitteln (i.d.R. reine Säuren) und Siliermitteln unterschieden.
Bei Konservierungsmitteln muss der Einsatz dokumentiert werden (HACCP). Die entsprechenden Herstellerangaben sind zu beachten. Betriebsindividuell ist dringend angeraten, die Futterplanung zu überprüfen. Es gilt auf jeden Fall, Reserven zu schaffen. Falls noch Ackerflächen zur Verfügung stehen, so könnte der Silomaisanbau ausgeweitet werden. Bei der geplanten Nutzung von Zwischenfrüchten ist zu beachten, dass die im Rahmen des Greenings begrünten Flächen futterbaulich nicht genutzt werden dürfen. Auch die Erstellung einer Getreide-GPS kann erwogen werden. Dann sollte über eine höhere Schnitthöhe für einen besseren Energiegehalt in der Silage gesorgt werden. Die Ernte erfolgt ab Mitte Milchreife bis Beginn der Teigreife.

Erntetechnik berücksichtigen

Denkbar wäre auch eine frühe Ernte zu Beginn des Ährenschiebens, die Flächen könnte dann für eine Ausweitung des Silomaisanbaus genutzt werden. In diesem Fall muss das Futter angewelkt werden. Auf eine schmutzarme Ernte ist durch entsprechende Maßnahmen wie z.B. Schnitthöhe (mind. 7, besser 10 cm) und Prüfung der Geräteeinstellung höchstes Augenmerk zu richten. Bei all diesen Maßnahmen dauert es jedoch auch wieder eine gewisse Zeit, bis das Futter verfügbar ist. Grundsätzlich gilt: Die altbekannten Silierregeln müssen angewendet werden.

Annette Jilg,
LAZBW Aulendorf

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