Grünfutter – hochwertig, selten vollwertig

15. Februar 2019

In der Grünlandbewirtschaftung gilt die Gülle als wertvoller Volldünger. Deswegen muss er jedoch noch lange nicht vollwertig sein. Die Gülle weist durchaus gewisse Schwachstellen, sprich niedrige Gehalte auf, wie zum Beispiel bei Magnesium, Phosphor, Schwefel und im weitesten Sinne auch bei Natrium. Dieses ist für das Pflanzenwachstum zwar relativ unwichtig, aber für die Tiergesundheit und die Fruchtbarkeit im Stall von großer Bedeutung, und das sogar selbst dann, wenn Viehsalz und/oder Lecksteine zum Einsatz kommen. Anders ist das bei Stickstoff und Kali.

Beim Gülleausbringen schließt sich der Kreis und Nährstoffe sind wieder für die Pflanzen verfügbar. Doch dieses Nährstoffangebot deckt sich nicht genau mit dem Nährstoffbedarf! © Zunhammer

Rindergülle gilt als kalireicher Wirtschaftsdünger. Aber selbst beim Nährstoff Kalium kann es passieren, dass bei erhöhter Nutzungsintensität die Gülle den Nettoentzug von über 200 kg K2O je ha nicht mehr abdeckt. Denn mit Ausnahme von den niederschlagsreichen Regionen verträgt Grünland, Luzerne und Kleegras in der Regel nicht mehr als 40 m3 dieses Wirtschaftsdüngers ohne Nachteile für die Futterqualität. In diesem Zusammenhang wird zudem häufig vergessen, dass eben wegen dieser Verträglichkeitsprobleme auf Grobfutterflächen überwiegend dünne beziehungsweise verdünnte Gülle eingesetzt wird, wodurch deren Nährstoffgehalte von den offiziellen Tabellenwerten immer nach unten abweichen, insbesondere bei Kalium.

Erfahrungsgemäß werden auf Dauergrünland, Luzerne- und Kleegras relativ dünne Rindergüllen oder Biogasgärreste bevorzugt. Dies ist unter anderem auch noch dem Aspekt der modernen, verlustarmen Ausbringtechnik geschuldet, denn Schleppschuh und Schlitztechnik liefern nachweislich bessere Ergebnisse mit dünnflüssiger Gülle als mit dickerer Gülle. Es kommt hier oft also ganz bewusst dünnere Gülle zum Einsatz. Weniger bewusst ist man sich hingegen oft der Folgen bei der nährstoffmäßigen Bewertung veränderter sprich verdünnter Güllen. Pauschale Tabellenwerte auf Basis von 5, 6 oder 7,5 % TS in der Gülle, sowie eigene Analysenwerte aus früheren Proben führen nämlich leicht zur Überschätzung des Nährstoffwertes. Dies kann vor allem beim Kalium zu einer groben Fehleinschätzung führen, mitunter sogar hin bis zur totalen Fehlkalkulation bei der Düngebedarfsermittlung.

Der Kalium-Gehalt  im Grobfutter

Er ist ein äußerst wichtiger Gesichtspunkt und oft wirkt er wie eine Bremse: Um qualitativ hochwertiges Grundfutter vom Grünland und Kleegras zu bekommen, unter anderem mit hohen Werten für Energiedichte und Rohprotein, muss das Futter relativ jung sein. Es führt demnach kein Weg vorbei an einer frühen 1. Schnittnutzung oder Beweidung und frühzeitigen Folgenutzungen. Aber so junges Futter von Grünland und Kleegras enthält neben mehr Eiweiß zwangsläufig auch immer hohe Kalium-Gehalte, unabhängig vom Kali-Angebot durch Düngung. Entsprechend hoch ist der Kalium-Entzug. Ein zu hoher Kalium-Gehalt im Aufwuchs ist also de facto einzig und allein dem Zwang nach gesteigerter Nutzungsintensität zugunsten einer besseren Futterqualität geschuldet. Denn im Heu finden wir solch hohe Kalium-Gehalte bekanntlich nicht.

Aus pflanzenbaulicher Sicht sind Kalium-Gehalte über 4 % (40 g pro kg TS) kein Nachteil, sprechen eher für gute Naturalerträge und bessere Resistenz gegenüber Stressfaktoren. Anders beurteilt wird das aus Sicht der Tierernährung. Da gelten schon Kalium-Gehalte über 2,5 % als mehr oder minder gesundheitsschädlich für das Tier. Höhere Kalium-Gehalte im Grundfutter müssen allerdings kein Pro-blem für die Tiergesundheit darstellen, solange sich auch andere Begleitnährstoffe wie Magnesium und Natrium im Lot befinden und mit Kalium in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen (z.B. 20:1 beim K:Na – Verhältnis). Dazu gehört ein ausreichendes Angebot, zum Beispiel durch eine intelligente Ergänzungsdüngung mit Magnesia-Kainit, welches nebenbei auch noch die Schmackhaftigkeit der Futteraufwüchse besonders verbessert. Pflanzenbau- und Fütterungsberatung sollten hierbei künftig Hand in Hand gehen.

Düngung beeinflusst Bestand

Bekanntermaßen kann die Düngung die botanische Zusammensetzung eines Grünland- und Kleegrasbestandes erheblich beeinflussen, insbesondere im Zusammenspiel mit der Nutzungsintensität. Während Stickstoff „nur“ die hochwertigen Obergräser fördert, tragen die Grundnährstoffe Phosphat, Kalium und Calcium hingegen wesentlich zum steigenden Anteil von Leguminosen und Kräutern bei. Diese können grundsätzlich die wichtigsten Mineralstoffe besser aufnehmen und speichern als die Obergräser und sind somit auch verantwort-lich für die erhöhte Schmackhaftigkeit der einzelnen Aufwüchse. Zudem erhöht ein gutes Kaliumangebot den Anteil an mineralstoffreichen Untergräsern, was ebenfalls ein positiver Aspekt zur Futterqualität ist. Ganz davon abgesehen, dass der Kleeanteil zur Stickstoff-Fixierung aus der Luft beiträgt (Einsparungspotenzial bei der Düngung), können diese drei Pflanzengruppen im Bestand die Nutzungselastizität von solchen Futterflächen erheblich erweitern. Des Weiteren ist auf eine ausreichende Magnesiumversor-gung zu achten, vor allem bei ammoniumbetonter Stickstoffdüngung. Darunter fällt auch die Gülle, vor allem wenn ihr Stickstoffstabilisatoren zugesetzt wurden. Magnesium steht nämlich an der Wurzel dann rasch in Ionenkonkurrenz mit dem Ammonium. Auch die Schwefeldüngung zu Grünland, Luzerne und Kleegras ist wegen der besseren Stickstoffausnutzung durchaus sinnvoll, insbesondere im Frühjahr zum ersten Aufwuchs. Denn der bodenbürtige und organisch gebundene Schwefel kommt für den ersten Aufwuchs oft zu spät, da er von sogenannten Thio-bakterien erst in pflanzenverfügbares Sulfat umgewandelt werden muss. Dieser mikrobielle Prozess beginnt aber erst bei Bodentemperaturen von 10° C, also zwischen Mitte April und Mitte Mai.

© Dr. Karl-Heinz Neuner, LAD Bayern

Neue Düngevorordnung

Die neue bundesweit geltende Düngeverordnung ist am 2. Juni 2017 in Kraft getreten. Mit dem Ziel, das Risiko von Gewässer- und Luftverunreinigungen zu reduzieren, wurde der rechtliche Rahmen für die gute fachliche Praxis beim Düngen darin neu festgelegt.

Die aktuellen Informationen zur neuen Düngeverordnung erhalten Sie unter:

 

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