Rundballen: eine interessante Alternative

14. Juli 2021

Rundballen sind eine interessante Alternative zu den bisherigen Berge- und Lagerkonzepten.Die Industrie hat mit Mantelfolie und speziellen technischen Details die Rundballenpresse zu einem »dritten« Bergegerät gestylt. Mit der Mantelfolie als Netzalternative sind Einsparungen in der Arbeitszeit bei der Futtervorlage möglich.

Rundballensilage hat sich in der Futterbergungskette etabliert. Die Vielfalt an Verwertungsmöglichkeiten dieser kleinen »Gärsilos« scheint grenzenlos. Foto: Thaler GmbH & Co. KG

Die Gründe für das zunehmende Interesse an Rundballen sind aktuell durch die hohen Kosten für eine umweltgerechte Siloanlage und höhere Transportkosten bei Ladewagen und Häcksler bei weiten Entfernungen geprägt. Außerdem besteht bei geringen Futtermengen pro Tag nicht das Nachgärrisiko für zu geringen Vorschub am Fahrsilo.  Ein Betrieb mit einem Grassilageanteil von 4 kg TM/Kuh/Tag in der Ration benötigt bei einem Vorschub von 0,30 m im Durchschnitt pro Tag im Sommer schon mindestens 75 Kühe, um eine Entnahmemenge von mind. 1,50 m³ oder 300 kg TM/Tag zu erreichen. Das sind nur 5 m² Anschnittfläche, im Verhältnis zum Futteranteil viel »Außenfläche«.  Daher sind die Forderungen der Ernährungsphysiologen nachvollziehbar, die eine Entnahmemenge von mindestens 2 m³ am Tag, besser 3 m³ fordern, um einen großen Vorschub mit geringer Ausgasung und damit immer frischem Futter fordern. Das entspricht dann aber auch Beständen von 100 bis 150 Kühen oder Großvieheinheiten. Hier hat der Rundballen besonders in der Sommerfütterung Vorteile.

Weitere Vorzüge gegenüber Fahrsilage sind:
– gleichmäßig hohe Dichte während des Bergevorganges
– mit Mantelfolie ein »knackiger« ­Ballen
– dadurch auch die hohe Siliersicherheit und Gärstabilität
– Entnahme und Vorschub sind sehr flexibel
– dezentrale und/oder einfache Lagerung auf befestigtem Untergrund möglich, aber: Auflösung auf wasserdichtem Untergrund
– unterschiedliche Qualitäten besser zu differenzieren
– Handelsprodukt

Dagegen sprechen allerdings folgende Argumente:
– Folienentsorgung
– bescheidene Schnittqualitäten
– schlechtere Futterauflösung im Mischwagen
– beim Handling ist die Folie beschädigungsempfindlich
– je nach Stapelbarkeit hoher Grundflächenbedarf
– aufwendiger Transport unter dem Aspekt des Folienschutzes
– Kraftaufwand beim Entfernen des Netzes

Kosten im Vergleich

Bis im Schwad sind für die verglichenen Varianten die Kosten gleich. Die Ernte- und Transportkosten sowie die weiteren Arbeitsschritte unterscheiden sich stark. Bis zum Lagerplatz kostet der Rundballen inkl. Stapeln schon 52 EUR je t. Beim Ladewagen oder Häcksler sind es etwas über 40 EUR je t. Bis hier eine klare Entscheidung für den Gärhaufen. Wenn da nicht die mittlerweile sehr hohen Lagerkosten wären.

Immerhin 8 bis 9 EUR/t Futter sind jährlich zu veranschlagen, für einen Bestand mit 150 GV. Mit den Abdeckarbeiten inkl. Schutznetz sind das insgesamt rund 50 EUR/t Gesamtkosten bis zur Entnahme. Beim Rundballen mit hoher Dichte ab 200 kg TM/m³ sind es 3 bis 5 EUR höhere Kosten pro t. Auf der einen Seite können die nur gut 3 EUR vernachlässigt werden. Andererseits sind bei einem Jahresbedarf von 450 bis 500 t Silage 1.300 bis 2.000 EUR Mehrkosten nicht wenig.

Vielversprechende Ergebnisse

Wer den passenden Vorschub hinbekommt, keine Nacherwärmung bei der Silage hat und sich das notwendige Mietenmanagement aufgebaut hat, der bleibt bei der konventionellen Silage. Mangelnder Vorschub und hohe Gär- und damit Futterverluste stützen klar die Entscheidung für den Rundballen. Dennoch setzen viele Betriebe zunehmend auf Rundballen als flexibles Futterreservoir. Eine Kostendifferenz von 2,52 EUR/t Futter entspricht 5 % Futterverluste beim Gärhaufen.

Die Mantelfolie ist für Silageballen eine interessante Alternative, denn man spart sich durch die Stretchfolie das Netz. Erste Untersuchungen und Praxiseinsätze sind vielversprechend. Die Mantelfolie hält den Ballen mit 2,5 bis 4 Umwicklungen sehr kompakt zusammen – besser als das Netz.  Die Mantelfolie hält der Expansion entgegen und hält im Ballenrandbereich eine sehr hohe Dichte. Das macht sich beim Entfernen der Mantelfolie nach dem Gärprozess bemerkbar. Der geschnittene Ballen expandiert sofort und fällt auseinander. Auch für die Anzahl der Wickellagen bietet die Mantelfolie Vorteile. Mindestens zwei Lagen lassen sich einsparen. Das ist nicht nur kostensparend, sondern auch ressourcenschonend. Die eingesparten Kosten müssen dem höheren technischen Aufwand und damit Investitionen gegenübergestellt werden. Neben einer möglichen win-win-Situation sind Zuschläge von 0,5 bis 1,0 EUR je Ballen gerechtfertigt. Neben der Technik ist auch die Mantelfolie selbst teurer. Diese Mehrkosten werden durch die einfache Weiterverarbeitung aufgewogen. Ob mit dem Messer oder einem Spezialgerät, ein sauberer Schnitt und der Ballen lässt sich ungehindert weiter verarbeiten. Anders sieht es beim Silomais im Ballen aus. Nahezu 20 % Kostendifferenz sind eine klare Aussage für ein »Nischenprodukt«.

Egal ob für Rinderhalter mit kleinen Bestandsgrößen oder Veredlungsbetriebe mit hohem Hygienestandard, die Mehrkosten müssen sich »argumentieren« lassen. Übrigens, das gilt auch für Pressschnitzel in Siloballen. 

Heinz-Günter Gerighausen

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