Kreuzkräuter – ein Problem für Milchviehbetriebe

21. Oktober 2019

Alkaloide aus dem Kreuzkraut sind in der Milch in sehr geringen Konzentrationen nachgewiesen worden. Das Projekt PA-SAFE-FEED beschäftigt sich intensiv mit dieser Thematik. Dazu werden dringend Milchviehbetriebe mit Dauergrünland gesucht, die ihre Milch bzw. Futterproben auf Rückstände von Pyrrolizidinalkaloide untersuchen lassen.

Beim Kreuzkraut bildet sich im ersten Jahr lediglich eine Rosette…© LMU

Das Wasserkreuzkraut ist in Bayern weit verbreitet und auf Grund seiner biologischen Eigenschaften insbesondere auf ökologisch bewirtschafteten Flächen nur schwer zu bekämpfen. Während Rinder die Aufnahme der Pflanzen auf der Weide meiden, können die Tiere die Pflanzenbestandteile in Heu oder Silage nicht aussortieren. Problematische Inhaltsstoffe sind sogenannten Pyrrolizidinalkaloide, die vorrangig die Leber schädigen, aber auch als möglicherweise erbgutverändernd und krebserzeugend eingestuft werden.

Obwohl man davon ausgeht, dass bei gutem Management keine Kreuzkräuter ins Milchviehfutter gelangen, wurden bei zwei europäischen Untersuchungen von Konsummilch aus dem Handel in 6 % der Proben Pyrrolizidinalkaloide in sehr geringen Konzentrationen nachgewiesen. Unbekannt ist dabei, ob diese Befunde auf einzelne Betriebe zurückzuführen sind oder viele Betriebe eine unterschwellige Belastung aufweisen, die möglicherweise auch auf andere Pflanzen als Kreuzkräuter zurückzuführen sein könnte.

…während sich im zweiten Jahr die Blüte bildet. Diese bringt Hunderttausende von Samen hervor. Die Pflanze selbst stirbt nach zwei Jahren ab, hinterlässt aber im Boden den Samen, der bis zu 20 Jahre dort überdauern kann. © LMU

Dieser Frage soll im Rahmen des groß angelegten Projektes „PA-SAFE-FEED“ nachgegangen werden, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wird. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

Hierzu werden in Bayern und Schleswig-Holstein Milchviehbetriebe mit Dauergrünland gesucht, die bereit sind ihre Milch und ggf. Futterproben auf PA-Rückstände untersuchen zu lassen. Ziel ist, konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe einzubeziehen und sowohl bei Weidehaltung als auch während der Winterfütterung zu beproben.

In weiteren Projektteilen werden unter kontrollierten Bedingungen die Auswirkungen auf die Tiergesundheit geprüft, da es keine zuverlässigen Daten zu unkritischen Dosierungen gibt. Dabei sind am Max Rubner-Institut auf der Versuchsstation Schädtbek (Schleswig-Holstein) auch Versuche an kleinen Wiederkäuern geplant, da diese im Vergleich zu Rindern weniger empfindlich sind und z.B. Schafe die Pflanzen weniger stark meiden. Entsprechende Studien an Rindern finden in Braunschweig auf der Versuchsstation des Friedrich Löffler-Instituts statt. Ein möglicher Transfer von Pyrrolizidinalkaloiden aus dem Futtermittel in die Milch bzw. ins Fleisch soll vom Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht werden.

An dem Projekt sind als Forschungseinrichtungen neben der Ludwig-Maximilian-Universität München das Max-Rubner-Institut in Kiel und Kulmbach, das Friedrich-Löffler-Institut in Braunschweig sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin beteiligt. Unterstützt wird das Projekt aus der Praxis vom Milchprüfring Bayern e.V. sowie der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein e.V., dem Bioland-Verband in Schleswig-Holstein und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Ansprechpartner:

Florian Kaltner, Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit, LMU München, Tel. 089-2180-78524, florian.kaltner@lmu.de

Dr. Christoph Gottschalk, Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit, LMU München, Tel. 089-2180-78526, christoph.gottschalk@lmu.de

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