Trockensteherfütterung – der Schlüssel zum Erfolg

25. Februar 2019

Für die Trockenstehzeit gilt die gleiche Regel wie für die Fütterung laktierender Kühe: Grundsätzlich muss dem tatsächlichen Bedarf der Tiere entsprechend gefüttert werden. So ist der Bedarf an Futter für gerade trockengestellte Kühe deutlich niedrigerer als für Tiere in den letzten zwei bis drei Wochen vor der Kalbung.

Die Fütterung der Frühtrockensteher beeinflusst die Futteraufnahme um die Kalbung herum stärker als die Rationsgestaltung in der Vorbereitungsphase. © mpr

Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE 2001) empfiehlt grundsätzlich eine zweigeteilte Trockensteherfütterung, eben aus dem Grund, dass die Kühe in der Vorbereitung auf die Kalbung einen anderen, nämlich höheren Energiebedarf haben als Frühtrockensteher. Bei Erstgenannten kommt hinzu, dass gerade in den letzten Tagen vor der Kalbung die Futteraufnahme merklich zurückgeht. Wird diesem nicht durch eine adäquate Anhebung der Nährstoff- und Energiekonzentration in der Ration Rechnung getragen, folgt daraus, dass die Kühe bereits vor der Abkalbung Körperfettreserven mobilisieren und folglich mit einer schon angespannten Stoffwechsellage kalben.

Rationen für Frühtrockensteher

So wichtig diese Aspekte bei der Versorgung der sogenannten „Transitkühe“ auch sind, weitaus bedeutsamer, da mit weitreichenden Folgen, scheint die Fütterung der Frühtrockensteher zu sein. Am weitesten verbreitet sind Rationen für Frühtrockensteher auf der Basis von Grassilage, z.T. etwas Maissilage und Stroh. Aber auch Rationen der laktierenden Kühe, die mit Stroh verschnitten werden, kommen – v.a. in den alten Bundesländern und hier vermehrt in den kleineren Betrieben – bei der Fütterung dieser Trockensteher zum Einsatz. Dabei besteht häufig die größte Herausforderung in der tatsächlich zu realisierenden Strohaufnahme. Ist diese entweder zu gering bzw. wird von den Tieren ausselektiert (zu langes Stroh, mangelnde Durchmischung der Futterkomponenten oder zu trockene Futtermischungen), könnte die aufgenommene Energiemenge schnell den Bedarf der Tiere übersteigen. 

Rationsabhängiger Erfolg

Grundsätzlich ist der Erfolg dieser Vorgehensweise an die Ausgangsration der laktierenden Kühe gekoppelt: Je energiereicher diese ist, desto größer muss der Strohanteil sein (Tabelle 1). Diese benötigten Strohmengen müssen unbedingt realisiert werden, stellt die Strohaufnahme letztlich doch einen ganz zentralen Punkt der Frühtrockensteherfütterung dar.

Grundsätzlich bleibt eine energie- und eiweißarme Versorgung der Frühtrockensteher mit rohfaserreichen Rationen die wichtigste Forderung bei der Versorgung trockenstehender Kühe. Die Tiere sollen sich satt fressen. Die Energieaufnahme aber muss begrenzt bleiben, da energetische Überversorgungen dieser Kühe deutlich mehr Stoffwechselprobleme nach der Kalbung hervorrufen können.

Im Gegensatz zur Rationsgestaltung mit Silagen (meistens in Kombination mit Stroh) können trockenstehende Kühe auch auf der Basis eines speziellen Kraftfutters in Kombination mit Stroh zur freien Aufnahme gefüttert werden. In der frühen Trockensteherphase sollen 6 kg dieses Kraftfutters und in der Vorbereiterphase 8 kg/Kuh und Tag verfüttert wer-den. Das Kraftfutter hat 6,7 MJ NEL/kg und 18 % XP, ist bezüglich der Spurenelemente, des Carotins und der Vitamine anders zusammengesetzt und höher mineralisiert als herkömmliche Kraftfuttermischungen. In einem Versuch der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurde z.B. dieses Beratungskonzept angewandt und die entsprechenden Reaktionen der Tiere erfasst den Reaktionen der Tiere erfasst (Tabelle 2 und 3).

Die Frühtrockensteher der Versuchsgruppe nahmen 6,4 kg Stroh und die Vorbereiter dieser Variante 5,6 kg je Tier und Tag auf. Die Gesamtfutteraufnahmen der Kühe unterschieden sich zwischen den verschiedenen Fütterungsgruppen in beiden Phasen nicht (Tabelle 3). Damit nahmen die Frühtrockensteher der Stroh/Kraftfuttergruppe täglich aber insgesamt etwas größere Mengen an nXP, Zucker + Stärke, Rohfaser und Ca, P, Na sowie Mg auf als die Vergleichstiere der Kontrollvariante.

Unterschiedliche Aufnahme

Bei den Vorbereitern sah es etwas anders aus. Hier waren die Energie-, XP-, nXP-, Zucker-, Stärke- und K-Aufnahmen der nur mit Stroh und Kraftfutter versorgten Kühe z.T. deutlich geringer, hingegen die Rohfaser- und Ca-Aufnahmen größer als die der Kontrolltiere. Die Tiere der Stroh + Kraftfutter-Variante wiesen mit 82 kg einen größeren Gewichtsverlust vom Beginn der Vorbereitungsfütterung bis nach der Kalbung auf und nahmen im Durchschnitt der ersten 50 Laktationstage mit 16,2 kg TM etwas weniger Futter auf als ihre Vergleichstiere (71 kg Gewichtverlust, 16,8 kg TM-Aufnahme). Bezüglich der Milchleistung (Menge und Inhaltsstoffe) und der analysierten Parameter zur Beurteilung des Kohlenhydrat-Fettstoffwechsels in der Frühlaktation ergaben sich aber keine relevanten Unterschiede, wenngleich zwischen den einzelnen Tieren innerhalb jeder Gruppe z.T. sehr große Unterschiede bei den Stoffwechselparametern vorherrschten.Als Vorteil solch einer Kraftfutter-Stroh-Fütterung ist die niedrige Kaliumversorgung zu bewerten. Auch arbeitswirtschaftlich kann dieses Konzept durchaus sinnvoll sein, es setzt aber eine einzeltierbezogene Kraftfutterzuteilung voraus – vorzugsweise mittels Kraftfutterautomaten. Diese Speziallösung steht und fällt mit der tatsächlich von den Tieren aufgenommenen Strohmenge, zumal noch erschwerend hinzukommt, dass hier das Stroh nicht in eine Ration mit feuchten Komponenten eingemischt wird. Grundsätzlich gilt: Je größer die Strohmenge ist, umso kürzer muss die Häcksellänge vom Stroh sein. Hinzu kommt, dass das Futterstroh immer eine hygienisch einwandfreie Qualität besitzen muss. Zudem stellt diese Rationsgestaltung, zumindest bei den allgemein üblichen Kraftfutterpreisen, eine vergleichsweise teure Fütterung dar. 

Weide für Kuhkomfort

Im Sommer ist für Frühtrockensteher durchaus Weidegang möglich, bietet doch Weide einen idealen Kuhkomfort, führt zu sauberen Klauen und Gliedmaßen und erhöht die Bewegungsaktivität. Zudem regt das UV-Licht die körpereigene Vitamin D-Synthese an.
Als Nährstofflieferant für trockenstehende Kühe muss Weidegras jedoch kritisch beurteilt werden. Eine gezielte Versorgung mit Mineralstoffen (insbesondere Spurenelemente) ist auf der Weide kaum möglich, und die Forderung der Frühtrockensteher nach einer energiearmen Ration bei Weidegras kann nicht sicher erfüllt werden. Soll auf den Weidegang dennoch nicht verzichtet werden, dann aber nur auf „extensiveren“ Flächen mit Sicherstellung einer ausreichenden Aufnahme an energiearmem Beifutter, Trockenstehermineralfutter und Wasser. Wichtig bleibt auch hier eine (mindestens) 14-tägige Anfütterung der Vorbereiter im Stall. Ohne Letztere erhöht sich das Risiko für Milchfieber- und Ketoseerkrankungen und erschwert einen problemlosen Laktationsstart.

Keine Futterreste

Futterreste von laktierenden Kühen oder anderern Tiergruppen sollten grundsätzlich nicht an Trockensteher verfüttert werden, da dies der Forderung nach einer möglichst hohen Futteraufnahme und einem immer gefüllten Pansen der trockenstehenden Tiere entgegensteht. Das Immunsystem wird zur Geburt hin offenbar geschwächt. Gerade diese Zeit ist aber entscheidend für die Entwicklung der immunologischen Funktionen und den Gehalt an Immunglobulinen im Kolostrum. Der Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen muss deshalb eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Die Menge an benötigtem Mineralfutter ist für eine trockenstehende Kuh gering (ca. 70 bis 100 g eines handelsüblichen Ca-freien oder Ca-armen Trockensteherminerals sind i.d.R. bedarfsdeckend), die Wirkung bzw. die Folgen einer unterlassenen Versorgung aber sind groß.

Im Sommer ist für Frühtrockensteher Weidegang möglich, bietet doch Weide einen idealen Kuhkomfort, führt zu sauberen Klauen und Gliedmaßen und erhöht die Bewegungsaktivität. Zudem regt das UV-Licht die körpereigene Vitamin D-Synthese an.

Milchfieberprophylaxe ist wichtig

Milchfieber gehört zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen in Milchkuhherden. Milchfieber, auch Gebärparese genannt, entsteht aufgrund einer Störung der Regulierung des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels nach der Kalbung. Dabei kommt es zu einem Absinken des Blutkalziumgehaltes. Große Kalziummengen werden nach der Kalbung für die Milchleistung gebraucht. Dieser Kalziumbedarf kann noch nicht vollständig über die mit dem Futter aufgenommene Kalziummenge gedeckt werden, da die Futteraufnahme gerade in den ersten Tagen nach der Kalbung noch sehr gering ist. Demnach sinkt bei nahezu allen Kühen nach der Kalbung zunächst der Kalziumspiegel im Blut ab.

Da der Organismus der Kuh aber dringend darauf bestrebt ist, die sogenannte Kalzium-Homöostase (Gleichgewicht) wieder herzustellen, muss „gegenreguliert“ werden. Daher kommt es bei einem Absinken des Kalziumspiegels zur Frei-setzung von Parathormon. Dieses reduziert zum einen die Ausscheidung von Kalzium über den Harn. Zum anderen bewirkt es eine höhere Absorptionsrate des mit der Nahrung aufgenommenen Kalziums. Darüber hinaus bewirkt es eine verstärkte Mobilisation von Kalzium aus den Knochen. Über diese Regulationsmechanismen sind Kühe in der Lage, die benötigten Kalziummengen selbst zur Verfügung zu stellen, aber für eine volle Wirksamkeit dieser Regelprozesse ist Zeit notwendig. Das bedeutet, dass die Kühe mehrere Tage vor der Kalbung dafür trainiert werden müssen. Hier genau setzt die Fütterung an. 

Gefahr einschätzen

Die Milchfiebergefahr hängt maßgeblich vom alkalotischen bzw. azidotischen Zustand des Tieres, also vom Säure-Basen-Haushalt, ab. Und dieser wird maßgeblich auch von der DCAB der Futterration beeinflusst.

Jedes Futtermittel enthält natürlicherweise verschiedene Salze, die den Säure-Basen-Haushalt des Tieres beeinflussen. Als Orientierung für diesen zu erwartenden Effekt dient die DCAB (dietary cation anion balance, Kationen-Anionen-Bilanz). Dabei werden allgemein nur die für den Säure-Basen-Haushalt relevanten starken Kationen Kalium und Natrium sowie die hierbei bedeutungsvollsten Anionen Chlor und Schwefel berücksichtigt. Die Kationen wirken in Richtung einer metabolischen Alkalose, die Anionen in Richtung einer metabolischen Azidose. Diese Kenntnisse, besonders aber die Kenntnis der tatsächlichen DCAB der gefütterten Ration bei den Trockenstehern, v.a. in den letzten 14 Tagen vor der Kalbung ist die Voraussetzung, um zum einen die Milchfiebergefährdung durch die Fütterung richtig einzuschätzen und zum anderen entsprechend geeignete Prophylaxemaßnahmen zu integrieren. Sich auf Tabellenwerte für diese Elemente Kalium, Natrium, Chlor und Schwefel in den Silagen, aber auch im Kraftfutter zu verlassen, birgt große Ungenauigkeiten in sich. Folglich sind entsprechende Analysen zwingend notwendig.

Die Fütterung der Trockensteher hat einen immens großen Einfluss auf die Futteraufnahme und Stoffwechselgesundheit der Kühe im unmittelbaren Kalbezeitraum und in den nachfolgenden Wochen. Neben einer durchdachten Rationsgestaltung sind die Haltungsbedingungen gerade in diesen Wochen, in denen die Tiere sehr leibesfüllig und entsprechend schwerfälliger werden, von sehr großer Bedeutung für das Wohlbefinden der Kühe. Darüber hinaus gilt es, gerade diese Tiere täglich zu beobachten und zu kontrollieren.

Baustein des Erfolgs

Letztlich stellt das Trockenstehermanagement einen ganz zentralen Baustein für die Gesundheit, Leistungsbereitschaft, das Durchhaltevermögen der Kühe und damit für den betriebswirtschaftlichen Erfolg dar.

Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge
FH Kiel/Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Fachbereich Agrarwirtschaft, Osterrönfeld

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