DCAB-Konzept als Lösung?

7. Dezember 2021

Mit der Milch werden der Kuh große Mengen an Mineralien entzogen. Die ausgewogene Mineralstoffversorgung ist deswegen eine der Voraussetzungen für fruchtbare, langlebige Kühe.

Kohlensauren Futterkalk und Viehsalz (v.l.) kann man preiswert als Einzelfuttermittel beziehen. Mineralfuttermischungen (r.) enthalten Mengenelemente, Spurenelemente und Vitamine. Foto: Jilg

Die Mineralstoffversorgung ist ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit unserer Milchkühe. Es wird dabei zwischen Mengenelementen (z.B. Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium, Schwefel) und Spurenelementen (z.B. Cobalt, Kupfer, Mangan, Eisen, Zink, Selen, Jod) unterschieden. Bei den Mengenelementen sind häufig Natrium und Phosphor, bei den Spurenelementen Zink, Selen und Kupfer im Mangel.

In Maissilage stecken nur wenig Mineralien

In Tabelle 1 sind die Gehalte der Mengenelemente der wichtigsten Grob- und Kraftfutterkomponenten aufgeführt. Zu beachten ist, dass es doch große Schwankungen innerhalb der Grassilagen gibt. Viel größer sind natürlich die Unterschiede zwischen Maissilage und Grassilage. Während mit Grassilage der Calciumbedarf gedeckt und der Phosphorbedarf nahezu immer gedeckt wird, sind die Mineralstoffgehalte in Maissilage völlig unzureichend. In Tabelle 2 sind Ansprüche von Milchkühen an die Mineralstoffgehalte in der Futterration zusammengefasst. Die Unterschiede zwischen Trockenstehphase und Laktation sind zu beachten. Der Spurenelementbedarf wird in mg/kg Trockenmasse ausgedrückt und verändert sich nicht leistungsabhängig, sondern in Abhängigkeit von der Futteraufnahme.

Folgendes kann festgestellt werden: Natrium ist immer zu wenig im Futter, muss also ergänzt werden. Wenn Maissilage gefüttert wird, muss immer ein Mineralfutter eingesetzt werden. Die Mineralstoffgehalte betragen nur 25 bis 50 % im Vergleich zu Grassilagen. Die Phosphorversorgung ist bei ausschließlicher Grassilagefütterung nur manchmal knapp. Im Übrigen sind die weiteren Rationskomponenten zu beachten.
Beim Einsatz von Milchleistungsfuttern ist zu beachten, wie hoch der Phosphorgehalt ist. Insbesondere bei höheren Anteilen von Rapsprodukten ist der Phosphorgehalt am oberen Ende der Angaben von Tabelle 1. Im Rahmen der GVO-freien Fütterung wird häufig Rapsextraktionsschrot als Einzelfuttermittel mit bis zu 4 kg pro Kuh/Tag oder in Mischfuttermitteln eingesetzt.

Phosphor ist eine teure Komponente im Mineralfutter. Beim Einsatz von P-reichen Rapsprodukten als Proteinergänzer zu Getreide können selbst bei hohen Maissilageanteilen P-freie Mineralfuttermittel eingesetzt werden. Dies verringert die P-Importe in den Betrieb und entlastet den P-Saldo bei der Nährstoffbilanzierung. Eine Rationsberechnung schafft darüber Klarheit. Außerdem trägt dies zur Schonung der langfristig knappen Ressource bei.

Hohe Kaliumgehalte fördern Festliegen

Der Kaliumbedarf wird aus dem Grobfutter immer gedeckt. Höhere Kaliumgehalte sind in der Laktation kein Problem. In der Vorbereitungsphase steigern hohe Kaliumgehalte die Festlieger-Rate enorm. Bei trockenstehenden Kühen oder bei Kühen in der Vorbereitungsphase sollte der Gehalt deshalb möglichst unter 20 g/kg TM liegen. Ideal wären Gehalte unter 15 g/kg TM. Dies ist nur mit ausgewählten Futtermitteln (siehe Tabelle 1) möglich. Wiesenheu und Silage von nicht begüllten Wiesen und eher extensiverer Nutzung oder Maissilage-Grassilage-Stroh-Rationen können diese Forderung am ehesten erfüllen.

Vorsorge durch richtige Mineralstoffversorgung

Die natürlichste Festliegeprophylaxe stellt eine Kombination aus knapper Versorgung mit Kalium (unter 20 g/kg TM), Calcium (unter 5 g/kg TM) in Verbindung mit ausreichender Magnesium-Versorgung (2 bis 4 g/kg TM) dar. In diesem Fall sollte die Calciumversorgung ab ein bis zwei Tage vor der Kalbung gesteigert werden, da ab diesem Zeitpunkt die Milchbildung beginnt. Interessante Kraftfutterkomponenten zum Anfüttern in dieser Phase sind Rapsprodukte, Biertrebersilage, Pressschnitzelsilage und Getreide, weniger geeignet sind Sojaschrot und Melasse. Für die Betriebe mit großen Festliege-Problemen könnte die Umsetzung des DCAB-Konzeptes (Anionen/Kationen-Bilanz) mit sauren Salzen eine Lösung sein. Durch eine kurzfristige metabolische Azidose im Blut werden Mechanismen zur Calcium-Freisetzung aus dem Skelett aktiviert. Das Konzept ist sehr anspruchsvoll hinsichtlich der Kenntnisse zu den Futtermitteln.

Intensive Beratung erforderlich

Ohne Futteruntersuchungen geht nichts. Zur Steuerung werden saure Salze, d.h. Chloride und Sulfate, eingesetzt. Bilanziert werden die Anionen Chlor und Schwefel gegen die Kationen Natrium und Kalium. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, sollte die DCAB zwischen -50 und -150 meq/kg liegen, gleichzeitig ist der Ca-Gehalt auf 10 g/kg TM anzuheben. Mit maximal 4 g Schwefel/kg TM und 10 g Chlor/kg TM werden mögliche Nebenwirkungen vermieden. Magnesium und Phosphor sollten zwischen 3,5 und 4 g/kg TM eingestellt werden. Die Akzeptanz der verschiedenen Salze ist unterschiedlich. Sehr häufig wird deswegen CaSO4 (Gips) und verkapseltes CaCl2 eingesetzt. Für den Erfolg ist wichtig, dass der Kaliumgehalt der Ration unter 20 g/kg TM liegt. Zur Erfolgskontrolle muss die Futteraufnahme und die Dosierung durch Analysen kontrolliert werden. Eine Alternative ist der Einsatz von Ca-Bindern wie pansengeschützter Reiskleie, um die Ca-Freisetzung aus dem Skelett zu aktivieren.
Höherleistende Kühe benötigen höhere Mineralfuttergehalte. Bei der konkreten Auswahl müssen die Mineralstoffgehalte des Grund- und Kraftfutters entsprechend berücksichtigt werden. Die Mineralfutterhersteller haben hierfür in der Regel ein breites Programm zur spezifischen Ergänzung der verschiedenen Grundfuttersituationen. Die Tagesdosis für die Tiere hängt von den Mineralstoffkonzentrationen der einzelnen Produkte ab.

Kraftfuttergaben an Leistung anpassen

Für Herden mit einer Leistung von rund 9.000 kg pro Kuh und Jahr sind erwartbar hohe Kraftfuttergaben erforderlich. Für geringere Herdenleistungen ist im Gegenzug weniger Kraftfutter notwendig. Vor der Kalbung sollten die Kaliumgehalte zwischen 16 und 20 g pro kg TM liegen. Eine weitere Senkung der Ca- und K-Gehalte wäre durch Austausch von Grassilage möglich. Der Eiweißgehalt ist am unteren Limit. Der Mineralstoffbedarf wird durch die Dosierung gedeckt. Die negativen RNB-Werte liegen in einem Bereich, der unter Berücksichtigung des Speichelharnstoffs noch funktioniert.
Die preiswerteste Ergänzung von Natrium und Calcium kann über Viehsalz (NaCl) und Kohlensauren Futterkalk (CaC03) erfolgen. In diesem Beispiel wird von einer TMR mit Einzelfuttermittln ausgegangen. Bei Einsatz von mineralisierten Mischfuttermitteln wird der Bedarf an Mineralfutter niedriger sein. Viel hilft nicht immer viel. Überversorgung mit einzelnen Mineralstoffen kann die Verwertung anderer Mineralstoffe behindern. In Problemfällen können durch Blut- und Harnuntersuchungen Mangelsituationen aufgedeckt werden.

Dr. Thomas Jilg,
Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg

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