Behandlung von Mastitis ohne Einsatz von Antibiotika

20. November 2020

Der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung wird zunehmend kritischer gesehen. Insbesondere in der Milchindustrie werden neue Behandlungsmethoden gesucht.

Milchviehhalter sehen sich einer deutlichen Kritik ausgesetzt. Der Einsatz von Antibiotika soll zur Verbesserung des Tierschutzes reduziert werden – entsprechend äußern sich neben Verbrauchern und Verbänden auch Politiker und spezielle Interessengruppen. Landwirte sehen sich hier in einer Zwickmühle. Denn obwohl die Problematik durchaus bekannt ist, scheint es an alternativen Lösungen oder Ersatzprodukten zu fehlen.

Dies zeigt sich insbesondere im Hinblick auf die subklinische Mastitis. Diese wird oftmals nur anhand erhöhter Zellzahlen wahrgenommen. Letztlich sind häufig erhöhte Zellzahlen allzu oft Wegbereiter klinischer Mastitiden, die dann schließlich doch zwingend mit Antibiotika behandelt werden müssen. Zudem muss die belastete Milch entsorgt werden und die Milchleistung der Kuh verringert sich deutlich. Doch welche Alternativen gibt es?

NEUE WISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE

Seit den 70er Jahren ist bekannt, dass Bakterien, wenn sie in Massen zusammenkommen, miteinander kommunizieren, um im Wirtstier schädliche Aktionen durchzuführen und diese zu koordinieren. Dieser Prozess wird als „Quorum Sensing“ bezeichnet. Im Wesentlichen senden dabei einzelne Bakterien spezielle Signalmoleküle aus, um konkrete Gruppierungsprozesse in Gang zu setzen. Hierzu liegt dank umfassender Forschungsarbeiten mittlerweile eine fundierte Datengrundlage vor. Der von den Bakterien ausgehende Kommunikationsprozess kann mit Hilfe von innovativ entwickelten Lösungen unterbrochen werden. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse  zeigen nämlich, dass die Natur pflanzliche Stoffe bereithält, die sich auf Basis der einzelnen Moleküle in entsprechender Kombination den Bakterien in den Weg stellen und ihre schädlichen Aktionen unterbinden. Die Auswirkungen des Quorum Sensing werden damit unterbunden und die Bakterien können ihre krankheitsverursachende Wirkung im Wirtstier nicht mehr entfalten – die Milchkuh bleibt gesund.

Die auf dieser Basis entwickelten Wirkstoffe erfüllen noch eine weitere und mindestens ebenso wichtige Aufgabe für das Wohlergehen Ihrer Tiere. Dazu muss man wissen, dass sich Bakterien oftmals durch einen Biofilm (Schleimschicht) schützen. Diesen können sie beim Gruppierungsprozess auf Grundlage ihrer Kommunikation untereinander bilden. Damit sind die Bakterien vor Angriffen von Antibiotika und den Immunzellen des Wirtstiers geschützt und werden nicht beeinträchtigt (Parsek et al., 2005). Ebenso können sie sich jedoch jederzeit in ihren Biofilm-Unterschlupf zurückziehen (Fink-Gremmels et al., 2007).

Dies erklärt, warum ein Tier nach der Behandlung mit Antibiotika und einer Phase ohne Krankheitssymptome wieder erkranken kann. Denn sobald das Wirtstier durch Stress oder geringer Abwehrkräfte geschwächt ist, setzen sich Bakterien aus ihrem Biofilm frei und greifen die Gesundheit des Tieres erneut an.

Diese auf natürlicher Basis entwickelten Wirkstoffe erreichen das Euter zentral über die Blutbahn und stören dann die Kommunikation zwischen den dort vorhandenen Bakterien. Sie brechen darüber hinaus den vorhandenen Biofilm auf und setzen die Bakterien frei. Nun kann das Immunsystem der Kuh seine Aufgabe selbst erledigen. Die Bakterien werden verdaut oder aber über die Milch aus dem Euter entfernt. Eine Gefahr von Rückständen in der Milch (Hemmstoffe), wie etwa bei Antibiotika, besteht bei diesem innovativen Ansatz nicht. Die Natur ist die Lösung! Im gleichen Zuge wird das natürliche Gleichgewicht der Bakterienkulturen im Euter wiederhergestellt.

Mastitis ist nach wie vor eine der häufigsten Krankheiten, die die Milchviehhalter herausfordern. Sie ist eine schmerzhafte Belastung für die Kühe und hinterlässt merkliche Spuren auf dem Betriebskonto.

Insbesondere subklinische Mastitiden führen zu nachweislichen Verlusten. Sie werden häufig nicht erkannt und bedingen letztlich eine verringerte Milchproduktion. Zudem muss die Milch entsorgt werden, die sich aufgrund des zu hohen Zellgehalts nicht für die Abgabe an die Molkerei eignet. Weiterhin entstehen Kosten durch das frühzeitige Merzen der Tiere sowie vermehrte Arbeitskosten durch die Betreuung und Melkaufwand. Auf dieser Basis kostet jede subklinische Mastitis damit pro Laktation und Kuh rund 250 €. Für eine klinische Mastitis sind sogar ca. 500 € zu kalkulieren. (https://www.praxis-agrar.de/tier/rinder/eutererkrankungen-bei-milchkuehen/)

Klinische Mastitiden äußern sich durch wahrnehmbare Krankheitssymptome, wie beispielsweise durch ein rotes oder geschwollenes Euter oder ein verändertes Milchsekret. Falls eine Kuh durch einen inneren oder äußeren Einfluss in Stress gerät, werden die im Biofilm ruhenden Bakterien freigesetzt. Diese können nun im Körper der Kuh schädliche Aktionen durchführen. Für das Immunsystem der Kuh sind sie erst zu diesem Zeitpunkt wieder erkennbar und angreifbar. Auf diese Weise schädigt die Kuh ihr Eutergewebe aber jedes Mal selbst.

Durch einen häufigen Anstieg der Zellzahlen und Behandlungen mit Antibiotika können sich auch chronische Mastitiden entwickeln. Darüber hinaus reagieren die Bakterien auf Gabe von Antibiotika, indem sie noch mehr Biofilm produzieren, um sich zu schützen. Dies belastet das Gewebe zusätzlich. Zudem können sich, wie bereits weitestgehend bekannt, Resistenzen entwickeln. Der für uns nicht sichtbare Infektionsdruck wird folglich immer größer. Wiederkehrende klinische Mastitiden sind dabei ein häufiges Bild.

Mit Blick in die Zukunft steht außer Frage, dass alternative Lösungen am Markt dringend gebraucht werden und in den Stallalltag integriert werden müssen. Möglicherweise wird hinsichtlich der bisherigen Form der Krankheitserkennung und Therapie ein Umdenken erforderlich sein. Denn durch ein frühzeitiges Erkennen hoher Zellzahlen bei betroffenen Kühe (z. B. Über MLP Berichte) und ein umgehendes Entgegenwirken können nicht nur schlimmere Krankheitsverläufe vermindert werden. Ebenso kann ein positiver ökonomischer Beitrag geleistet werden, der sich auch in der Langlebigkeit sowie der Gesundheit Ihrer der Tiere widerspiegelt!

Dr. Uwe Scheper

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