Warzen – immer lästig, manchmal gefährlich

16. Februar 2021

Warzen kommen bei Rindern in vielfältigen Formen und Ausprägungen vor. Oft sind nur einzelne Tiere erkrankt, aber manchmal kommt es auch zu regelrechten Bestandsausbrüchen. Je nach Befallstärke und Lokalisation der Veränderungen kann es sich um ein rein kosmetisches Problem handeln oder aber die Nutzung und Leistung der Tiere deutlich beeinträchtigen.

Wodurch werden Warzen verursacht?

Auslöser der Erkrankung sind Papillomaviren, daher spricht man auch von der Papillomatose des Rindes. Das Virus kommt beim Rind in mindestens 14 verschiedenen Arten vor, die mehr oder weniger unterscheidbare Warzenformen und Verteilungsmuster am Körper hervorrufen. Bislang geht man davon aus, dass keine der Virusarten des Rindes auf den Menschen übertragbar ist. Man kann grob unterscheiden zwischen Warzen, die flach aufliegen und denen beim Menschen sehr ähnlich sind bzw. gestielten oder fadenförmigen Zubildungen. Letztere haben einen hohen Anteil an Bindegewebe (Fibropapillome). Die Infektion erfolgt in aller Regel über Verletzungen der Haut oder Schleimhaut. Die Erkrankung betrifft vor allem Jungrinder zwischen einem halben und zwei Jahren. In aller Regel handelt es sich um gutartige Veränderungen. Einzelne Papillomaviren können aber auch Zubildungen im Verdauungsapparat oder der Harnblase hervorrufen, diese können unter Umständen bösartige Verlaufsformen annehmen.

Wann werden Warzen zum Problem?

Einzelne Warzen am Rumpf des Rindes sind zunächst ein kosmetisches Problem, tragen aber auch dazu bei, die Infektion im Bestand zu verbreiten. Bei massiverem Befall kann es durchaus zu Leistungseinbußen im Sinne von verringerten Zunahmen bis zur Auszehrung kommen. Zudem kommt es durch oberflächlichen Gewebszerfall zu einem üblen Fäulnisgeruch. Treten die Warzen an ungünstigen Lokalisationen auf, können sie die Nutzung des Rindes unter Umständen massiv beeinträchtigen. Dies trifft vor allem für den Befall der Zitzen bei Kalbinnen und Jungkühen oder des Penis bei Jungbullen zu. In aller Regel zeigen Warzen beim Rind eine hohe Selbstheilungstendenz, weswegen Berichte über erfolgreiche Therapiemaßnahmen mit Vorsicht zu genießen sind. Das Verschwinden der Zubildungen kann allerdings durchaus einige Monate in Anspruch nehmen. Sind die Tiere durch den Warzenbefall beeinträchtigt, gibt es keine andere Möglichkeit als diese vom Tierarzt chirurgisch entfernen zu lassen. Je nach Lokalisation und Ausprägung ist hierfür eine Lokalanästhesie oder eine allgemeine Sedation notwendig. Gestielte oder fadenförmige Warzen auf der äußeren Haut oder an den Zitzen lassen sich oft abdrehen oder „abknipsen“ ohne dass größere Blutungen auftreten. Die Entfernung von Papillomen der Schleimhäute ist oft etwas aufwendiger, hier kann ein Thermokauter hilfreich sein. Die behandelten Flächen sollten anschließend mit Seifenwasser gewaschen werden, da die Viren im basischen Milieu inaktiviert werden.

Was kann man gegen bestandsweise gehäuftes Auftreten tun?

Im nicht betroffenen Bestand ist das Augenmerk natürlich darauf zu legen, dass das Virus nicht eingeschleppt wird. Dies ist wie bei anderen Krankheiten auch durch infizierte Rinder, aber auch durch kontaminierte Gerätschaften und bestandsfremden Personen mit Kontakt zu anderen Rindern möglich. Die Prinzipien der äußeren Biosicherheit (z.B. genaue Untersuchung zugekaufter Tiere; Reinigung und Desinfektion von in anderen Betrieben genutzten Gerätschaften; bestandseigene Schutzkleidung für Tierarzt, Techniker, etc.) sind einzuhalten. Prinzipiell ist das bestandsweise gehäufte Auftreten der Papillomatose als Faktorenerkrankung zu verstehen und zu behandeln. Das heißt, dass neben der Anwesenheit des Erregers im Bestand auch Faktoren im Management und der Aufstallung das Ausmaß der Erkrankung mitbestimmen. Diese vermindern entweder die Abwehr der Tiere oder erhöhen den Infektionsdruck. Die Ansteckung mit dem Virus kann sowohl von betroffenen Tieren als auch von der Stalleinrichtung oder Gerätschaften ausgehen. Da die Infektion in aller Regel nicht über die intakte Haut erfolgt, ist insbesondere auch nach Möglichkeiten zu suchen durch die die Haut der Rinder verletzt oder geschädigt werden kann. Hier muss auch eine Überbelegung des Stalles/Abteils in Betracht gezogen werden. Auf der anderen Seite sollte nach Faktoren gesucht werden, die in der Lage sind die Abwehr der Rinder zu schwächen (z.B. Mineralstoff- oder Spurenelementmangel, Parasitenbefall). Die Herstellung eines bestandspezifischen Impfstoffes ist aus Warzengewebe möglich und kann in schwer betroffenen Beständen zur Immunisierung der nachwachsenden Jungrinder genutzt werden. Ob dieser Impfstoff auch geeignet ist, bei bereits befallenen Rindern die Heilung zu beschleunigen, ist nicht bewiesen.

 

Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

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