Alles andere als Lückenfüller

18. Januar 2019

So schließen Sie Futterlücken für Hochleistungskühe mit Zwischenfrüchten und Ackerfutter.

Werden sie richtig eingesetzt, können Zwischenfrüchte vielfältig in der Futterproduktion verwendet werden. Gräser beispielsweise können beweidet, frisch verfüttert oder siliert werden. Werkfoto

Primär kommen für den ein- und überjährigen Zwischenfruchtanbau zwei Weidelgrasarten in Frage: Einjähriges Weidelgras und Welsches Weidelgras. Das Einjährige Weidelgras hat die Vorteile des schnellen Auflaufens und der zügigen Jugendentwicklung. Zudem gelangt es bereits im Ansaatjahr zum Schossen und Ährenschieben. Daher eignet es sich vor allem, wenn im Herbst nur ein Schnitt geplant ist, zur Silagebereitung oder zur Verwertung in der Biogasanlage. Welsches Weidelgras bildet dagegen erst im Folgejahr nach der Überwinterung Ähren aus. Der Herbstaufwuchs des Einjährigen Weidelgrases ist daher trockensubstanz- und strukturreicher als das sehr blatt- und energiereiche Welsche Weidelgras.

Die Palette der für den einschnittigen Zwischenfruchtanbau zur Futternutzung zur Verfügung stehenden Arten ist umso umfangreicher, je früher die Vorfrucht das Feld räumt. Höchste, sichere Erträge bringen bei früher Saat möglichst bis Mitte Juli nach wie vor Stoppelrüben und Markstammkohl. Die Konservierung dieser extrem wasserreichen Futtermittel ist jedoch nach dem Verbot der Feldrandmieten sehr aufwendig. Wegen ihrer vergleichsweise hohen Energiegehalte sind vor allem Stoppelrüben, Winterraps, Winterrübsen, Weidelgras und Perserklee als Zwischenfrüchte für die Futternutzung hervorzuheben. Als Ergänzungsfutter zur Frischverfütterung oder Beweidung kann die Futterration deshalb im Herbst mit begrenzten Anteilen gezielt erweitert werden. Zur Futterproduktion stehen derzeit die Weidelgräser an erster Stelle, da sie gleichermaßen zur Beweidung, Frischverfütterung und Silierung geeignet sind, sich zudem optimal als Gemengepartner für Kleegras eignen, unter Fruchtfolgegesichtspunkten keine Unverträglichkeiten aufweisen, ein sehr gutes Nährstoffaneignungsvermögen haben und gleichzeitig einen wirksamen Boden- und Wasserschutz gewährleisten.

Aus Fruchtfolgegründen ist es häufig günstig, den Bestand nach einer Ernte nicht umzubrechen, sondern über den Winter stehen zu lassen, sei es zur weiteren Nutzung Ende April/Anfang Mai als Winterzwischenfrucht oder auch als ganzjährige Nutzung im Hauptfruchtfeldfutterbau. Dafür eignen sich Mischungen mit winterfestem Welschen Weidelgras. Mindererträge des Welschen Wei- delgrases im Herbst werden durch höhere und sichere Erträge im ersten Aufwuchs im Frühjahr bei weitem ausgeglichen. Die Aussaatkosten verteilen sich auf zwei bis drei Nutzungen. Die längere Vegetationszeit, die sich positiv auf die Durchwurzelung und die Bodenstruktur auswirkt, bewirkt einen effektiven Boden- und Wasserschutz sowie eine hohe Grundfutterleistung.
Ist geplant, das Welsche Weidelgras nach der Getreideernte bereits für die ganzjährige Hauptfruchtnutzung im Folgejahr auszusäen, ist das Augenmerk für die Sortenempfehlung auf eine ganzjährig hohe Leistung nach jedem Schnitt zu legen. Die Sorten sollten sich durch gutes Nachwuchsvermögen, geringe Blühneigung, Rostresistenz sowie hohe Erträge und Verdaulichkeit (am besten tetraploide Sorten mit Mooreignung) auszeichnen. Qualitätsmischungen beispielsweise von Planterra sind mit geprüften, leistungsstarken, gesunden Sorten ausgestattet. Während im ein- schnittigen Ackerfutterbau Alexandrinerklee als Mischungspartner fungiert, sind es im überjährigen Anbau Rotklee, Perserklee oder Weißklee. Rotklee weist die höchste Ertragsleistung im überjährigen Anbau auf.

Gut für den Boden

Der Zwischenfruchtanbau führt durch Anreicherung des Bodens mit organischer Substanz zum Humusaufbau und zur Erhöhung der biologischen Aktivität. Die effiziente Nutzung organischer Dünger hängt in hohem Maße von einer gleichmäßig etablierten Zwischenfrucht ab. Dadurch sind allgemein eine Verbesserung der Bodenstruktur und eine Beschleunigung der Niederschlagsinfil- tration sowie eine verbesserte Speicherkapazität des Bodens zu beobachten. Geringe Wasserreserven können so effizient genutzt und in Ertrag umgesetzt werden. Tiefwendende Bodenbearbeitung führt zu höheren Wasserverlusten als flaches Grubbern, was die zur Zwischenfrucht notwendige Bodenfeuchtigkeit stark beansprucht. Gleichwohl hat die trockene Sommerfurche durchaus ihre Vorteile in Bezug auf Bodenkrümelung und phytosanitäre Aspekte. Sie dient z.B. zur Minderung des Schaderregerpotenzials sowie zum Eliminieren von Unkraut und Ausfallgetreide. Andererseits können Zwischenfrüchte bei trockener, bodenschonender Som- merfurche den Boden intensiver durchwurzeln und das Bodengefüge wirksam stabilisieren. Wichtig ist, dass die Saat nach dem Pflügen oder tiefen Grubbern mit nachfolgender Rückverfestigung zügig in wenigen Arbeitsschritten folgt, da durch die wendende und lockernde Bodenbearbeitung die für die Keimung benötigte Bodenfeuchte nach oben gebracht wird. Feinsämereien, wie Gräser und Kleearten, die sehr flach gesät werden (0 bis 1 cm), reagieren empfindlich auf mangelnden Bodenschluss. Wir empfehlen nach dem Pflügen den Einsatz des Packers oder das Walzen der Fläche vor der Saat, um die notwendig gleichmäßige, flache Ablage der Feinsämereien wie Klee und Gras zu gewährleisten.

Damit die Bestände sich rasch schließen, Unkraut unterdrücken, eine Schattengare ausbilden, Wasser und Nährstoffe effizient nutzen und einen wirksamen Wind- und Wassererosionsschutz leisten, sollten im Futterbau bei Gras und Kleegrasmischungen nicht weniger als 35 bis 40 kg/ha gedrillt werden. Kommen Sätechniken mit großen Scharabständen zum Einsatz (weiter als 16 cm), sollte eine Diagonalsaat mit zweimal der halben Saatmenge in Erwägung gezogen werden, um die Lücken und Abstände gering zu halten.
Hans Koch

Mischungen für den einschnittigen Anbau

√ Einjähriges Weidelgras und Alexandrinerklee
√ hohe Anforderung an ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett
√ Verwendung von Reinsaaten vor allem zur Gründüngung mit hoher Stickstofffixierleistung
√ Kleegrasmischungen sind energie- und proteinreicher als Reinsaaten von Gras zur Futternutzung
√ Perserklee und Alexandrinerklee sind nicht winterhart, im Sommerzwischenfruchtanbau aber etwas frohwüchsiger als Inkarnatklee

Überjähriger Anbau

√ Welsches Weidelgras mit fünf bis acht Schnitten im Lebenszyklus (1 bis 1,5 Jahre Standzeit)

√ Deutsches Weidelgras mit mehr als acht Schnitten (1,5 bis 3 Jahre Standzeit)

√ Mischungspartner Rotklee (durch den Taningehalt auch hohe Proteinstabilität in der Silage)

√ Nachhaltig sehr gute Bodenstruktur und Krümelwirkung in der Fruchtfolge

√ effiziente Düngeverwertung, hochverdauliches, ertragreiches Grundleistungsfutter

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