Wegweisende Sortenwahl

19. März 2026

Die Sortenempfehlung für Dauergrünland und Ackerfutter ist ein grundlegendes Hilfsinstrument für die erfolgreiche Grünlandbewirtschaftung.

Mit dem Grünfuttervollernter für Parzellen werden die Sortenversuche geerntet. Foto: Wilhelm Wurth, LAZBW

Eine Verbesserung der Grünlandbestände hin zu wertvollen Futterpflanzen und einer dichten Grasnarbe kann bereits vor Beginn der Vegetationsperionde geplant und vorbereitet werden. Dazu gehören Überlegungen zur Nachsaat mit dem Ziel, lückige Grünlandbestände wieder dicht zu bekommen oder nach Pflanzenschutzmaßnahmen, z. B. dem Ausstriegeln der Gemeinen Rispe, wertvolle Gräser und Leguminosen in den Bestand zu etablieren. Eine zentrale Frage bei der Planung der Nachsaat ist die Auswahl des geeigneten Saatguts und damit, welche Arten, Mischungen und Sorten für eine Nachsaat oder in seltenen Fällen eine Neuanlage von Dauergrünland zu Verfügung stehen.

Auswahl des richtigen Saatguts: Die Auswahl des Saatguts beginnt mit der Auswahl geeigneter Arten in passender Zusammensetzung für den Standort und die Bewirtschaftung des Betriebs. Für hochproduktive Standorte mit guter Niederschlagsverteilung und intensiver Bewirtschaftung spielt das Deutsche Weidelgras nach wie vor die wichtigste Rolle. Wird das Grünland weniger intensiv bewirtschaftet, kann der etwas robustere und hochwertige Wiesenschwingel auch unter schwierigeren Bedingungen das Deutsche Weidelgras in der Mischung teilweise ersetzen. In trockenen Lagen ist das Knaulgras mit seiner guten Wassernutzungseffizienz eine interessante Mischungskomponente. Für kühle und feuchte Standorte eignet sich das Wiesenlieschgras besonders. Die Wiesen-
rispe kann auf allen schwierigen Standorten eine weitere Ergänzung sein, auch wenn ihre Entwicklung sehr verzögert abläuft.

Leguminosen einmischen

Neben den Gräsern können immer auch Leguminosen in einer Mischung eingesetzt werden. Für Bestände, die mehr als dreimal im Jahr genutzt oder intensiv beweidet werden, ist der Weißklee die erste Wahl. Der Rotklee kann sich nur über Samenbildung vermehren und ist damit nur in Beständen mit vergleichsweise geringer Schnittintensität ausdauernd. Wenn andere Arten neben dem Deutschen Weidelgras als bestandsbildend angesät werden sollen, sollte nur ein geringer Anteil des Deutschen Weidelgrases gewählt werden, weil dessen Konkurrenzkraft sehr hoch ist. Das LAZBW bietet Empfehlungen für Saatgutzusammensetzungen für unterschiedliche Situationen an, diese können je nach Betriebsziel und Standort angepasst werden.

Das Deutsche Weidelgras nimmt in den meisten Mischungen einen großen Anteil ein. Deshalb sollte auf diese Art ein besonderer Fokus gelegt werden. Bei der Sortenwahl müssen übergeordnet die Reifegruppe und die Ploidie beachtet werden. Die Reifegruppen lassen sich grob in ein frühes, mittleres und spätes Sortiment unterteilen, definierend ist dabei der Beginn des generativen Wachstums im Frühling. Sehr frühe Sorten beginnen fast vier Wochen früher mit dem Ährenschieben als sehr späte Sorten. Für bestimmte Strategien wie beispielsweise ein sehr früher erster Schnitt (frühes Sortiment) oder Weidenutzung (spätes Sortiment) kann ein gezielter Schwerpunkt bei den Reifegruppen hilfreich sein. Ansonsten empfiehlt sich eine Streuung der Reifegruppen in der Mischung.

Ertragreich oder ausdauernd?

Bei der Ploidie kann zwischen di- und tetraploiden Sorten gewählt werden. Die Mehrzahl der Sorten ist tetraploid, diese zeichnen sich durch einen hohen Ertrag und große Blätter aus. Diploide Sorten bilden dagegen kleinere Blätter und viele Triebe, was zu einer sehr dichten Grasnarbe führt, und sind vergleichsweise ausdauernd. Letztere sind damit besonders für intensiv beweidete Grünlandflächen geeignet. Wenn die Entscheidung für eine bestimmte Saatgutzusammensetzung gefallen ist, sollten bei der Auswahl der Sorten noch weitere Punkte beachtet werden, um langfristig ertragsstarke und ausdauernde Pflanzen in den Grünlandbestand zu integrieren.

Sorten: Die neue Sortenempfehlung für Dauergrünland und Ackerfutterbau erleichtert die Auswahl der in großer Zahl auf dem Markt angebotenen Sorten von Futtergräsern und kleinkörnigen Leguminosen für Baden-Württemberg. Realisiert wird sie in den Regelsaatgutmischungen des Landes. In diesen empfohlenen Mischungen für Dauergrünland, GWS (Grünland-Schnitt-Weidenutzung), GS (Grünland-Schnittnutzung) und NS (Nachsaat) und für Ackerfutter (AF) sollten lediglich empfohlene Sorten enthalten sein. Es lohnt sich, bei der Auswahl der Mischung auf Sorten der Empfehlung zu achten, denn die Unterschiede beispielsweise im Ertragspotenzial oder der Resistenz gegenüber Krankheiten können bei den in Deutschland zugelassenen Sorten erheblich sein.

So entsteht die Sortenempfehlung

In die Sortenempfehlung fließen Ergebnisse aus den Wertprüfungen, den Landessortenversuchen und Beobachtungsprüfungen ein.

Wertprüfung: In den Wertprüfungen stehen noch nicht zugelassene Sorten, sogenannte Prüfstämme, für die nationale Sortenzulassung. Für Gräser und Leguminosen gibt es je Art bundesweit ca. zwölf Standorte, an denen Prüfungen durchgeführt werden. In der vorgeschalteten Registerprüfung müssen die Prüfstämme zeigen, dass sie unterscheidbar von bisher zugelassenen Sorten, homogen (einheitlich) und beständig (zeigen von Jahr zu Jahr die gleichen Eigenschaften) sind. Dann können die Prüfstämme als Sorte für 25 Jahre geschützt werden. Landwirtschaftlich genutzte Arten müssen als Zugangsvoraussetzung zum Saatgutverkehr zudem den landeskulturellen Wert in der Wertprüfung nachweisen. Dazu zählen eine Verbesserung bei Ertrag, Qualität, Krankheitsresistenz, Ausdauer und Winterhärte gegenüber bereits zugelassenen Sorten.

Landessortenversuche: In dieser Prüfung müssen die zugelassenen Sorten weiter ihre Anbauwürdigkeit unter Beweis stellen. In den Landessortenversuchen stehen die Merkmale Ertrag, Qualität, Ausdauer, Winterhärte und Resistenzeigenschaften unter unterschiedlichen Wachstumsbedingungen eines Bundeslandes im Zentrum. Auf dieser Ebene arbeitet Baden-Württemberg mit anderen Bundesländern der »Ländergruppe Mitte-Süd« zusammen, um die Landessortenversuche zu koordinieren. Die Daten dieser vergleichbaren Regionen werden gebündelt und gemeinsam mit der Hohenheim-Gülzower-Methode ausgewertet. Durch die breitere Datenbasis mit Daten aus Versuchen des mittel- und süddeutschen Raums kann die »Qualität« der Sortenempfehlung verbessert und speziell für diese Region erstellt werden.

Beobachtungsprüfung: Alle vier Jahre werden die neuzugelassen Gräser auf Praxisflächen landwirtschaftlicher Betriebe in vier wichtigen Grünlandregionen Baden-Württembergs ausgesät. Dazu gehören der Schwarzwald, Schwarzwaldrand, Schwäbischer Wald und Schwäbische Alb. Die achtjährigen Versuche unter den Gesichtspunkten Winterhärte, Ausdauer, Wuchsfreudigkeit und Resistenzeigenschaften ergänzen die Sorteninformationen aus Wertprüfungen und Landessortenversuchen mit Beobachtungen aus der Praxis. Anhand eines Index, der aus den Angaben der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes ermittelt wird, sowie den (Ertrags-)Daten aus den Wertprüfungen, Landessortenversuchen und Beobachtungsprüfungen wird dann die Sortenempfehlung zusammengestellt.

Fazit

Neben Deutschem Weidelgras sind Wiesenschwingel, Knaulgras, Wiesenlieschgras und Wiesenrispe wichtige Arten in Mischungen für Grünlandbestände. Dabei gilt es neben der Mischungszusammensetzung auch die Reifegruppe und Ploidie des Deutschen Weidelgrases zu beachten. In die Sortenempfehlung fließen Ergebnisse aus Wertprüfungen, Landessortenversuchen und Beobachtungsprüfungen ein.

Mareike Wagner und Kilian Obermeyer,
LAZBW Aulendorf, Grünlandwirtschaft & Futterbau

Der Beitrag wurde veröffentlicht im Allgäuer Bauernblatt 11/2026

Allgäuer Bauernblatt

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