FAO unterstützt den ukrainischen Milchsektor beim Wiederaufbau

5. Februar 2024

Die kommerzielle Milchindustrie in der Ukraine beginnt sich von einem starken Rückgang in den letzten Jahren zu erholen. Wie aus Informationen von Food und Agriculture Organization of the United Nations (FAO) hervorgeht, kam diese Erholung »trotz anhaltender politischer und wirtschaftlicher Turbulenzen in der Ukraine und des weltweiten Rückgangs der Milchpreise auf ein Allzeittief zustande«. Der Fortschritt sei nicht zuletzt der FAO und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zu verdanken, die beide 2013 die Gründung der ukrainischen Arbeitsgruppe für den Milchsektor (WG) unterstützt haben.

Foto: pixabay

Die Arbeitsgruppe für den Milchsektor beinhaltet eine Zusammenarbeit führender Milchunternehmen, Produzenten und Verarbeiter, wichtiger Branchenverbände, Wissenschaftler, Analysten und Regierungsvertretern. Ziel der Gruppe ist es, transparente milchpolitische Mechanismen und allgemein anerkannte Milchmarkt-Indikatoren zu entwickeln, gleichzeitig die Kapazitäten zu stärken und durch einen wirksamen Dialog zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor solide Marktanalysen und Rechtsberatung bereitzustellen. Wissenstransfer: Im Jahr 2014 war deshalb eine Studienreise für Mitglieder der Arbeitsgruppe, die über einige wichtige Milchproduktionsregionen in den Vereinigten Staaten informierte, organisiert worden.

Denys Serhiyenko, Direktor der Dairy Farm »Ponory« Ltd., erklärte danach: »„Auf Bauernhöfen in Wisconsin entfallen 14 % der gesamten in den Vereinigten Staaten produzierten Milch, und wir haben etwas über die gesamte Milchwertschöpfungskette dieses Staates erfahren – von der wissenschaftlichen Forschung über angewandte Forschung und Beratungsdienste bis hin zur kommerziellen Produktion, Verarbeitung und Genossenschaften«. Anatoliy Volkov, Direktor der Farm »Plemzavod Stepnoy« fügte hinzu: »Die in dieser US-Käsefabrik verwendeten technologischen Ansätze haben uns dazu veranlasst, unseren Käseherstellungsprozess zu überdenken, eine Änderung, die wir jetzt in unserer Fabrik umsetzen.«

China und die Europäische Union begrüßten die Bemühungen der Ukraine, den Handel auszuweiten, und öffneten 2015 ihre Märkte für mehrere ukrainische Molkereiunternehmen. Auch jüngste Handelsmissionen in Länder im Nahen Osten, in Afrika südlich der Sahara und in Asien hätten bei der Suche nach neuen Marktchancen für ukrainische Milchprodukte geholfen. Käse bleibt dabei besonders wichtig, aber die Ukraine hatte auch ihre Exporte von Magermilchpulver, Butter, ultrahocherhitzter Milch (UHT), Sahne und fermentierten Milchprodukten gesteigert und so neue Möglichkeiten für Milchproduzenten geschaffen. Der FAO-Ökonom Andriy Yarmak vertritt die Meinung, dass die meisten Landwirte zwar jährlich in die Produktionserweiterung investieren, Investitionen in Verarbeitungstechnologien ihnen jedoch viel mehr nützen würden. Yarmak beweist dies anhand eines realen Beispiels eines ukrainischen Molkereiunternehmens, das nach der Entscheidung, in eine völlig neue Produktionslinie zu investieren, ein Produkt ausschließlich für den chinesischen Markt entwickelt hat. Der Verband der Milchproduzenten in der Ukraine, eines der aktivsten WG-Mitglieder, habe diese Vorteile erkannt und baue nun eine Genossenschaft auf, um durch Verarbeitung einen Mehrwert zu schaffen. Damals hieß es: Rund 20 Großbauern arbeiten an einem Businessplan, fünf haben sich bereits zusammengeschlossen, verkaufen ihre Milch gemeinsam und verdienen rund 10 % mehr. Der Krieg war ein Einschnitt, aber die Bereitschaft der FAO, weiterhin landwirtschaftliche Nothilfe bereitzustellen, sei ungebrochen.

Am 22. Juni 2023 nahm die FAO an der Ukraine Recovery Conference 2023 (URC23) in London teil, um die Ukraine bei ihren Wiederherstellungs- und Wiederaufbaubemühungen zu unterstützen, das Bewusstsein für die Situation in der Ukraine zu schärfen und Stellung zu beziehen. Am 30. Mai 2023 wurde in einem Untersuchungsbericht der UN zu den Schäden und Verlusten der Kleinbauern in der Pflanzen- und Tierhaltung eine Summe von 3,85 Mrd. $ errechnet. Fazit: »Der Krieg in der Ukraine und seine wirtschaftlichen Auswirkungen haben der Produktion und den Einkommen von Kleinbauern großen Schaden zugefügt.«

Zuversicht verbreiteten Vadym Chagarovsky, Chairman der Dairy Union der Ukraine, und Vasyl Vintonyak, Direktor der INFAGRO Analytical Agency, nach der jüngsten DAIRY BUSINESS 2023 – einer ukrainischen Konferenz mit internationaler Beteiligung. Nach vorläufigen Prognosen könnten »industrial farms« mit 2,8 Mio. t fast so viel Milch wie im Vorkriegsjahr 2021 bekommen, also 8 % mehr als im Jahr 2022. Trotz der Probleme in Kriegszeiten erzielten die Hersteller von Dairy-Produkten im letzten Jahr gute Export-Erlöse. Die Betriebe seien dazu gezwungen gewesen, ihre Produkte verstärkt auf ausländischen Märkten zu verkaufen, denn der Absatz von Dairy-Produkten im Inland verzeichnete in den schwierigen Zeiten einen deutlichen Rückgang. Im Jahr 2023 stünden die ukrainischen Exporteure von Milchprodukten aufgrund ungünstiger externer Marktbedingungen »am Rande der Unrentabilität«. Das Dairy Business in der Ukraine erwarte eine »großartige Zukunft« nach dem Krieg, wenn der angestrebte EU-Beitritt und später auch der erwünschte NATO-Beitritt sich realisierten. Die Hoffnung ist, »dass »starke westliche Investoren in unser Land kommen und sich der Entwicklung der Milchindustrie annehmen«. Neue Verarbeitungsbetriebe würden dann errichtet und bestehende Betriebe modernisiert, sodass man in der Lage sein könnte, jährlich mehr als 6 Mio. t Milch zu verarbeiten, so die Dairy Union.

hs

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