Unseren Böden den Druck nehmen – Teil 1: Wie entstehen Verdichtungen?

8. Juli 2020

Jegliche Form der Bodenverdichtung gilt es für jeden Landwirt unbedingt zu vermeiden. Für Pflanzen und Bodenlebewesen ist eine gute Bodenstruktur Grundvoraussetzung, um den Bodenraum optimal nutzen zu können.

Schwere Geräte, verbunden mit nicht optimalen Bodenverhältnissen, sorgen für Verdichtungen. Image by Wolfgang Ehrecke from Pixabay

Ein wesentliches Kaufkriterium für Traktoren ist meist die Zugleistung. Mit leistungsfähigeren Fahrzeugen, steigen auch die Ansprüche an die zu ziehenden Geräte. Dabei sind Effizienz und Schlagfähigkeit wichtige Aspekte. Die daraus resultierenden höheren Gewichte dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden! Mit leistungsstärkeren Traktoren lassen sich auch bei ungünstigen Bedingungen Bodenbearbeitungsdurchgänge durchführen – leider!

Sobald ein Fahrzeug über den Boden rollt und der Druck unter den Reifen die Tragfähigkeit des Bodens übersteigt, werden die Bodenbestandteile dichter zusammengedrückt und die Hohlräume werden weniger. Der Boden wird verdichtet und seine Funktionsfähigkeit verändert sich.

 

Menge und Form der Bodenpartikel und Hohlräume (Links ohne Verdichtung, rechts verdichteter Boden) © Quelle: wpa-Beratende Ingenieure

 

Kurz gesagt: Bodenverdichtungen entstehen,

  • wenn zu feuchte Böden befahren werden und
  • wenn die vom Fahrzeug verursachten Bodendrücke zu hoch sind.

Was aber passiert genau? Beim Befahren der Böden müssen Gewichts- und Antriebskräfte im Boden abgestützt werden. Die Kräfte werden über die Kontaktfläche Rad-Boden in den Boden eingeleitet und wirken dort als Bodendruck.

Zwar erwirbt der Boden dann eine höhere Tragfähigkeit, die aber mit dem Verlust von luftführenden und wasserleitenden Grobporen verbunden ist. Ob es zu einer Verformung kommt und wo diese stattfindet, das hängt von Ausmaß und Art der Belastung durch das Fahrzeug sowie von der Tragfähigkeit des Bodens ab.

 

Einflussfaktoren auf Bodenstabilität

Den größten Einfluss auf die Tragfähigkeit von Böden hat der Wassergehalt. Je feuchter ein Boden ist, umso leichter lassen sich die Bodenpartikel zueinander verschieben. Dabei wirkt Wasser wie ein Gleitmittel (der Reibungswiderstand sinkt mit zunehmender Feuchtigkeit). Besonders auf Standorten mit hohem Feinanteil, also mit Ton und Feinschluff, leidet die Stabilität beim Befahren unter nassen Bedingungen. Auch Sandböden sollten keineswegs als problemlos und jederzeit befahrbar eingestuft werden.

Auswirkungen von Verdichtungen

  • geringere Infiltration von Niederschlägen – Erosion
  • Boden kann weniger Wasser speichern – Trockenstress
  • schlechteres Wurzelwachstum
  • schlechtere Durchlüftung und Nährstoffverfügbarkeit
  • geringere Aktivität der Bodenlebewesen (v.a. Regenwürmer)
  • mögliche Ertragsverluste
  • verstärkt Lachgasemissionen (Verlust von gasförmigen Stickstoff)

Die Sprache des Bodens verstehen

Im Gegensatz zu uns Menschen hat der Boden auch ein erstaunlich gutes (Langzeit-) Gedächtnis. Eine Überfahrt bei zu feuchten Bedingungen oder eine Bodenbearbeitung bei ungünstigen Verhältnissen kann mitunter noch nach Jahren negative Folgewirkungen haben.

Doch wer die Sprache des Bodens zu verstehen weiß, denkt nicht über die Behebung eines schadverdichteten Bodens nach, sondern darüber Verdichtungen generell zu vermeiden. Wer jedoch feststellt, dass sein Boden womöglich Verdichtungsschichten aufweist, sollte sich Gedanken über mögliche Fehler in der Vergangenheit machen. (War der Boden befahrbar? Waren/sind meine Werkzeuge verschlissen? Was hat nicht gepasst?) Und wichtig: Daraus lernen!

Fazit

  • feuchte/nasse Böden unter keinen Umständen befahren!
  • Arbeitsgänge reduzieren!
  • Gewichte runter – Trend zu kleineren Maschinen
  • Verdichtungen erkennen, verstehen und handeln!
  • Spatenprobe vor jeder Befahrung bzw. Bearbeitung!

LK Oberösterreich, Patrik Falkensteiner

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