Kein Zufall: Gute Liegeboxen

17. Januar 2019

Lange Liegezeiten steigern die Klauengesundheit, Milchleistung und somit auch die Nutzungsdauer. Damit die Kühe auch gerne liegen, ist die Gestaltung der Liegeboxen maßgeblich.


Wenn Kühe halb in der Box oder auf den Laufgängen liegen, weist die Liegefläche erhebliche Mängel auf.
Fotos: Bilgeri

Auf der Weide liegen die meisten Kühe zwischen 10 und 14 Stunden am Tag. Beim Liegen werden die Klauen entlas- tet und besser durchblutet, dies lässt die Gefahr von Klauenrehe und Geschwüren sinken. Bei liegenden Kühen trocknen die Klauen schneller ab, was wiederum vor Mortellaro und Klauenfäule schützt.

Kann sich die Kuh ohne Behinderung in die Box legen und wieder erheben, erhöht dies nachweislich die Futteraufnahme. Das beeinflusst die Milchleistung und Fruchtbarkeit positiv. Meist kann schon beim ersten Blick in den Stall festgestellt werden, ob die Liegebox zu den Tieren passt.

Folgende Auffälligkeiten weisen auf Mängel in der Liegeboxgestaltung hin:
› In der Hauptruhephase liegen weniger als 80 % der Kühe
› Viele Kuhschwänze liegen auf dem Laufgang
› Kühe stehen nur halb in der Box
› Kühe liegen halb in der Box oder auf den Laufgängen
› Lange Stehzeiten vor dem Abliegen
› Veränderungen an den Gelenken z.B. Schwellungen
› Wenig Kühe kauen wieder
› Tiere stehen mit den Vorderbeinen zuerst auf

Ob sich die Kühe schnell und sauber ablegen, hängt von vielen Faktoren ab:
› Art und Beschaffenheit der Liegefläche
› Platzangebot und Begrenzungen der Liegefläche z.B. durch Aufstallungs-Teile
› Licht- und Luftverhältnisse im Kopfbereich
› Stallklima

Damit die Kuh auch im Stall bequem liegen kann und die Boxen trotzdem sauber bleiben, müssen bei der Einstellung einer Liegebox einige Punkte beachtet werden: Die entsprechenden „Lenkhilfen“ für das gesteuerte Abliegen in dieBox sind das Nackenrohr und die Bugschwelle. Sie „richten“ die Kuh sozusagen in die Box. Ziel ist es, dass die Kuh bei Berührung mit dem Nackenrohr „locker“, mit allen vier Füßen in der Box stehen kann.

Ohne Bugschwelle legt sich die Kuh zu tief in die Box. Die Folge: Beim Aufstehen fehlt den Tieren der Platz für den Kopfschwung und die Liegeflächen werden durch Kot verschmutzt. Ist die Bugschwelle zu hoch oder die Liegefläche wegen einer falsch angebrachten Bugschwelle zu kurz, liegen die Tiere nicht vollständig oder schräg in den Boxen. Folge: Die Schwänze hängen häufig auf den Laufflächen, verdrecken und die Kühe verschmutzen sich durch das Schwanzwedeln selbst.

Die richtige Höhe

Weitere Punkte sind z.B. das Nasenrohr, welches die Kühe daran hindern soll durch die Liegebox zu „kriechen“. Ist dieses auf der falschen Höhe angebracht, kann die Kuh den arttypischen Kopfschwung nach vorne nicht ausüben, was vor allem älteren oder kranken Tieren das Aufstehen erschwert.

Wichtig ist auch der Aufbau der seitlichen Liegeboxenbügel. Dieser sollte wenn möglich freitragend sein und im hinteren Teil der Box einen Abstand von ca. 60 cm zur Liegefläche aufweisen. Dies verhindert bei Ablegen ein Anstoßen der Wirbelsäule an der Aufstallung. Für die richtige Bemaßung der Box haben die Haltungsberater des LKV Bayern Orienierungswerte, die jedoch individuell nach Rasse, Kuhgrößen und Boxenart (z.B. Hoch- und Tiefbox, flexibles oder starres Nackenrohr) an den Betrieb angepasst werden.


Die Kuh muss mit den hinteren Füßen auf der Lauffläche stehen. Sie legt sich langsa-mer ab und die hinteren Klauen stehen im Dreck. Folgen sind z.B. Klauenerkrankungen.

Hoch- oder Tiefboxen?

Wie bereits aufgezeigt wurde, müssen viele Faktoren zusammenpassen, damit sich eine Kuh gerne und lange in eine Box liegt. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass Kühe bei freier Auswahl zwischen gut gepflegten Tiefboxen und Hochboxen mit Gummimatten Erstere bevorzugen. Eine wenig gepflegte, leere oder nasse und verdreckte Tiefstreubox ist jedoch schlechter als eine gute Hochbox.

Für welche Box man sich entscheidet, muss daher von verschiedenen Punkten abhängig gemacht werden:
› Verfügbarkeit von Stroh oder anderem Einstreumaterial
› Zeitbudget für die Boxenpflege

Tiefboxen sind grundsätzlich etwas arbeitsintensiver und man benötigt mehr Stroh als bei Hochboxen. Das Ziel ist eine ebene, weiche und trockene Mistmatratze. Damit die Matratze von gleichbleibender Qualität bleibt, muss mindestens einmal täglich der Kot im hinteren Bereich der Box und auf der angrenzenden Lauffläche entfernt und anschließend möglichst kurzes frisches Stroh übergestreut werden. Für eine stabile Matratze ist auf eine gute Bindung des Einstreumaterials zu achten. Dazu eignet sich feuchtes Material aus dem hinteren Bereich der Liegebox, das in den vorderen, oft deutlich zu trockenen Bereich der Liegebox geworfen wird.

Ebene Fläche schaffen

Zudem müssen Unebenheiten der Matratze mehrmals wöchentlich ausgeglichen werden. Alle sieben bis zehn Tage sollte der Kopfkasten mit frischem Stroh befüllt werden, das erleichtert das Nachstreuen unter der Woche. Vor dem Nachfüllen des Kopfkastens sollte er komplett ausgeräumt werden um die Nase der Tiere nicht durch modrige alte Einstreureste zu beeinträchtigen. Neben einer Strohmistmatratze sind separierte Gülle, Sand, Kompost u.v.m. weitere Möglichkeiten eine Tiefbox zu füllen. Aber auch bei einer gut gepflegten Hochbox ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen. 
So muss mindestens einmal täglich die Liegefläche abgeräumt und mit kurzem, saugfähigem Material eingestreut werden (z.B. Strohmehl aus einer Strohmühle). Das verhindert das Aufreiben der Gelenke durch den Gummi und garantiert eine rutschfeste und trockene Liegefläche. Damit die Kühe weich liegen können, ist eine Komfortmatte zu empfehlen, die von verschiedenen Herstellern extra für Hochboxen in Milchviehlaufställen angeboten werden.

Anna Bilgeri, LKV

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