Smarte Technik für den Stall

6. April 2022

Künstliche Intelligenz hält mittlerweile auch im Stall Einzug. Das bringt einige Vorteile, denn Digitalisierung macht schneller, weil mit ausgeklügelter Technik bestimmte Dinge wesentlich zügiger in die Praxis umgesetzt werden können. Das Experimentierfeld »DigiMilch« informierte über die Digitalisierung im Stall.

Digitalisierung ist in den Betrieben längst eingezogen. Egal ob Außen- oder Innenwirtschaft – Assistenzsysteme sind fast schon alltäglich geworden. Foto: GEA

Automatische Hilfsmittel im Stall, wie Melkroboter, Fütterungsautomaten, Spaltenschieber und die immer zahlreicher werdenden Sensoren am Tier, sollen unangenehme Tätigkeiten erledigen, Tierkontrolle und Beobachtung machen, Management und Dokumentation erleichtern. Deswegen wäre es sehr schön, wenn bei dieser automatisierten Überwachung der Gesundheit und des Verhaltens der Tiere Parameter hinzukommen, bei denen Aktivität, Wiederkauen, Körpertemperatur und Abkalbe-Warnungen kombiniert sind; das alles in einem System mit leichter Benutzerfreundlichkeit.
Das System darf nicht zu komplex sein und es muss die nötige Schnittstelle für alle Fabrikate vorhanden sein, damit doppelte Dateneingaben vermieden werden können. So hätte man auf den Punkt gebracht, was sich Praktiker wünschen, um notfalls auch in die Systeme per Fernzugriff eingreifen zu können: Digitalisierung macht schneller, weil mit ausgeklügelten Rechenmodellen gewisse Dinge wesentlich zügiger in die Praxis umgesetzt werden können. Besser, weil durch die Datenmengen nahezu alles noch besser gemacht werden kann.

Im täglichen Einsatz

In der Innenwirtschaft sind Assistenzsysteme wie das Automatische Melksystem (AMS), Spaltenroboter und Güllesauger, Fütterungsroboter und -Futterräumer im modernen Laufstall fast schon alltäglich geworden: 32 % der Landwirte lassen ihre Kühe schon automatisiert melken; 28 % setzen automatische Technik beim Füttern ein. Für viele ist die Digitalisierung beim Gesundheits- und Tierwohl-Management nicht mehr wegzudenken. Die Zeit, die im Stall bei den Tieren verbracht werden muss, lässt sich dadurch vielfach reduzieren. Krankheiten, Brunst und Fütterungsprobleme lassen sich bei richtiger Interpretation der Auswertungen frühzeitig erkennen und gegensteuern.

Zeit sparen

Mit künstlicher Intelligenz kann viel Zeit bei der Tierbeobachtung »erspart, aber nicht ganz ersetzt« werden: etwa bei der Brunsterkennung, Geburtsüberwachung und selektivem Trockenstellen. Sensorik gibt Informationen über den Zustand des Bodens, notwendige Klauenpflege, die Nutzung der Liegeflächen, das Futter am Fressplatz, Luftqualität, Beleuchtung, Tierkörperpflege und sogar über die Sozialstrukturen innerhalb der Herde. Beim Melken ergeben sich nicht nur über die tägliche Milchmenge und -qualität, sondern auch über die Leitfähigkeit sowie das Verhältnis der Milchinhaltsstoffe, wichtige Erkenntnisse über Fütterung, Gesundheitszustand, Energie- und Nährstoffversorgung. Aufgrund der Daten und Fakten werden dem Betriebsleiter mithilfe der Früherkennung Entscheidungen erleichtern. Tracking-Systeme liefern nicht nur im Stall, sondern auch auf der Weide wertvolle Daten (Ortsbestimmung, Aktivität und Gesundheit), deren Dokumentation im Idealfall automatisch erfolgt.  Vor dem Hintergrund der Arbeits- und Datensituation auf immer weiter wachsenden Familienbetrieben kommt Assistenzsystemen eine immer größere Bedeutung zu. Allerdings fehlen für den automatischen Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Systemen der verschiedenen Hersteller sowie Tierärzten oder dem LKV noch die nötigen Schnittstellen. Wichtigste Aufgabe sei, dass die Datenaustausch- und Kompatibilitätsprobleme gelöst werden. Zudem müssten alle Daten übersichtlich und praktisch, überall per Handy abrufbar sein.

Brunst im Blick

Gute Systeme lieferten mit der Brunsterkennung auch wichtige Erkenntnisse über die Trächtigkeit. Die Inhalts-Milch-Analyse etwa liefert bei jeder Melkung im Durchflussverfahren die Werte von Fett, Eiweiß, Laktose und Blut: Graphische Darstellungen über längere Zeiträume lassen Unregelmäßigkeiten schon auf den ersten Blick erkennen.  Die Echtzeit-Daten zeigen bereits während des Melkens individuell den Milchfluss, und schließlich Milchmenge, Melkdauer, Leitfähigkeit und Milchtemperatur an; also sozusagen den »elektronischen Schalmtest«. Mit all diesen Daten wird »selektives Trockenstellen« ermöglicht und damit viel Antibiotika-Einsatz gespart. Empfindliche Sensorik macht sogar Tierwohlbefinden mess- und graphisch darstellbar.

Wichtige Kommunikation

Die Künstliche Intelligenz hängt vielfach zusammen: Für den optimalen Ablauf müsste jedes Gerät auf die Aktivität des anderen entsprechend reagieren können. Deshalb wird die automatische Kommunikation verschiedener Assistenzsysteme immer wichtiger: Der Spaltenschieber sollte möglichst in Bereichen arbeiten, in denen sich gerade wenig oder keine Tiere aufhalten. Da automatische Fütterungssysteme die Kühe mit neuem Futter rund um die Uhr an den Trog locken, wenn gerade Fütterungsbedarf besteht, sollte der Spaltenschieber auf Zeitverschiebungen flexibel reagieren können.
Derzeit müsse meist noch die gesamte Technik vom gleichen Hersteller eingesetzt werden. Damit der Datenaustausch, auch unter mehreren Herstellern, funktioniert werden Schnittstellen benötigt. Da immer mehr Geräte ein leistungsfähiges Internet brauchen, kommt aber auch dem Breitbandausbau eine entscheidende Bedeutung zu: »5G muss nicht nur im Stall, sondern auch auf Grünland- und Ackerfeld vorhanden sein!«

Kriterien zur Bewertung

Welche Kriterien können nun zur Bewertung der Assistenzsysteme herangezogen werden? Zu berücksichtigen sind die generelle Einstellung zur Digitalisierung, die Arbeitssituation auf dem Hof und die erwartete Zeitersparnis. Nicht zu vergessen die Arbeitserleichterung und der Zugewinn an Flexibilität.
Berücksichtigt werden muss auch, ob damit teure Produktionsmittel eingespart werden können und Umweltbelastungen vermieden werden. Entscheidend sind die Bedienerfreundlichkeit und der Aufwand für die Einarbeitung. Jeder Betrieb sollte sich vor der Anschaffung fragen: »Wie passt das neue System zu meiner bereits vorhandenen digitalen Grundausstattung?«  Allerdings: Wunder dürfen von der Digitalisierung nicht erwartet werden. Und all dies kann die persönliche Tierbeobachtung und den Umgang mit dem Tier nicht ersetzen.
Digitalisierung muss als arbeitssparendes Hilfsmittel gesehen werden, das durchaus die Wirtschaftlichkeit des Betriebes und das Wohlbefinden von Mensch und Tier verbessern kann. 

Franz Kustermann

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