Kuhkomfort der Zukunft

16. Juli 2026

Moderne Kuhställe setzen auf Laufstallkonzepte für mehr Tierwohl, Komfort und automatisierte Technik. Der Trend geht zu hellen, luftigen Bauten mit Liegeboxen, während die Anbindehaltung abnimmt. Besondere Konzepte wie Kompostställe gewinnen an Bedeutung hinsichtlich des Liegekomforts. Auch in der Kälberhaltung werden neue Haltungskonzepte diskutiert.

Der Prozess der Digitalisierung wird die Rinderhalter auch in den kommenden Jahren begleiten. Mehr noch: Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die intelligente Digitalisierung der Landwirtschaft gerade erst begonnen hat und es weitere deutliche Veränderungen geben wird. Foto: Agrarfoto

Die Milchviehhaltung mit angepassten Stall- und Haltungskonzepten am Markt zukunftsfähig zu entwickeln und eine Genehmigungen für den Bau von Milchviehställen zu bekommen, ist in der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Situation nicht einfach und bedarf ebenfalls dringend fachgerechter Lösungen. Smart zu bauen ist dabei ein Weg, der sich immer deutlicher abzeichnet, denn das Zusammenspiel intelligenter Stallbaukonzepte in Verbindung mit innovativen Technologien vor allem in den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung unterstützt nachhaltig tiergerechte Haltungsbedingungen und optimierte Umweltwirkungen. Darüber hinaus hat beides das Potenzial, die Arbeitsbelastung der Milchviehhalter und deren Mitarbeitern zu reduzieren und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Weide, Grünlandnutzung, auch die Diskussion über eine mutter- oder kuhgebundene Kälberaufzucht sind aktuelle Themen zwischen Verbrauchern und Landwirten. Wichtig ist es vor allem für die Landwirte, dass sie diese Themen und Aspekte ernst nehmen, um auch für diese Anforderungen transparente und nachvollziehbare Lösungen zu generieren und diese, falls möglich, transparent in die tägliche Praxis einzubinden.

Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Forderungen nach mehr Tierwohl sowie die gesetzlichen Auflagen und politischen Diskussionen fordern Milchviehhalter heute nicht allein auf der fachlichen Ebene, sondern immer mehr auch im Bereich der Kommunikation und der administrativen Herausforderungen. Aber wie berechtigt ist dieser Ruf nach Veränderung und Transformation in der Milchviehhaltung? Was ist der aktuelle Stand und welche Themen und Herausforderungen müssen in der heutigen Zeit weiter bzw. stärker in den Fokus gerückt werden?

Abläufe verändern sich

In der Milchviehhaltung konnten in den vergangenen Jahren viele Aspekte in Bezug auf mehr Tierwohl und auf eine optimierte Arbeitserledigung gelöst werden. Die Notwendigkeit zur Optimierung der negativen Umweltwirkungen ist erkannt und daran muss weiter intensiv gearbeitet werden. Auch durch die Automatisierung und Digitalisierung veränderten sich die Haltung und Produktionsabläufe. Das Leistungsniveau wurde deutlich beeinflusst und die arbeitsorganisatorischen Anforderungen an den Milchviehhalter und sein Team veränderten sich.

24/7 steht für eine dauerhafte Präsenz und Erreichbarkeit und somit für eine permanente Anwesenheit im Betrieb. Intelligente Techniken in Verbindung mit einem konsequenten, präventiven Management führen jedoch zu einer deutlichen Entlastung und zu einer neuen Bewertung der Arbeitsqualität. Dabei bleibt zwar die generell geforderte Erreichbarkeit an sieben Tagen und rund um die Uhr bestehen, aber die Wahrscheinlichkeit, wirklich gebraucht zu werden, sinkt deutlich und die freien Zeiten im Laufe der Woche werden deutlich steigen.

Die Nachfrage nach neuen Stallkonzepten ist quasi auf Null gesunken. Auch die bauwilligen Milchviehhalter warten ab, wie sich die politischen Vorgaben entwickeln und wie dann entsprechend zu reagieren oder zu bauen sein wird.

Kompostierungs- und Freilaufställe spielen zurzeit eine eher untergeordnete Rolle. Planungsrelevant bleiben nach wie vor die klassischen Liegeboxenlaufställe. Im Sinne von Ökonomie, Ökologie sowie Arbeitsqualität und Tierwohl erfüllen sie nach wie vor viele der aktuellen Forderungen. Bei den alternativen Systemen wie etwa dem Kompostierungsstall müssen aber auch die ökologischen Bedingungen und Auswirkungen beachtet werden, denn in diesen Systemen steigt allein schon der Flächenbedarf je Kuh gegenüber dem klassischen Liegeboxenlaufstall deutlich an.

In der Kälberhaltung werden neue Haltungskonzepte diskutiert. Durch die aktuelle Vorgabe, die Kälber für 28 Tage auf dem Betrieb zu halten, ergeben sich neue Fragen, aber auch theoretische Möglichkeiten einer besseren Vermarktung. Dazu braucht es aber auch neue Managementansätze in Bezug auf die Haltung und vor allem die Fütterung der jungen Kälber. Vom Iglu verabschieden sich dabei viele Milchviehhalter, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Geschlossene Ställe mit flexiblen Boxen- und Buchtenabtrennungen zur Einzel-, Doppel- und Gruppenhaltung bieten neue Möglichkeiten für mehr Tierwohl, Effizienz und auch Akzeptanz durch die Verbraucher und die Politik.

Automatisierung nutzen 

Autonom melken und füttern, Gülle aufnehmen und Futter anschieben – Automatisierungssysteme, die solche Aufgaben erledigen, haben die Praktiker in den vergangenen Jahren schätzen gelernt.

Das automatische Füttern wird mehr in den Fokus rücken, da es viel Potenzial hat. Eine häufigere Vorlage mit frischem Futter regt zu einer höheren Futteraufnahme an, die Verluste sinken und auch der Energieeinsatz ist gegenüber den mit Diesel angetriebenen Maschinen geringer.

Mit der Sensorik und den daraus resultierenden Möglichkeiten bieten sich für das Herdenmanagement weitere Optionen, mit denen die Qualitätsmilcherzeugung optimiert werden kann. Vor allem im Bereich der intelligenten Tierüberwachung auf Basis von Kameras lassen sich verschiedene, auch unerwünschte Verhaltensweisen schnell erkennen, eventuell aufkommende Probleme kurzfristig beschreiben und in Verbindung mit den richtigen Schlussfolgerungen auch beheben.

Fazit

Die Rahmenbedingungen in der Milcherzeugung und Rinderhaltung sind zurzeit nicht einfach und es braucht ein konsequentes Management und eine gute Produktionstechnik, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Bei all dem sollten aber auch die Vorteile gesehen werden. Milch und Rindfleisch haben einen guten Ruf und stehen nach wie vor hoch im Kurs der Verbraucher. Es braucht weiterhin intelligente Ansätze, um den Zielen einer nachhaltigen Produktion gerecht zu werden. Industrie und Praxis haben es in der Hand, innovative Wege zu entwickeln und zum Teil auch neue Wege zu gehen. Politik und Handel müssen sich positionieren und langfristige Planungssicherheit garantieren. Mit Kreativität, neuen Ideen und Gedanken und natürlich auch mit Mut ließen sich auf allen Seiten Hürden abbauen und die Märkte sichern.

Andreas Pelzer, 
Versuchs- und Bildungszentrum 
Landwirtschaft Haus Düsse

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung:

.embedded-sidebar { display: none; }