Edeka und die Liebe zu Lebensmitteln

von | 8. Februar 2024

»Liebe muss nicht perfekt sein. Nur echt«, lautet ein Zitat. Nun, Edekas echte Liebe zu Lebensmitteln – getreu dem Unternehmensslogan – darf seit den jüngsten Ereignissen zumindest bezweifelt werden:

Seit Januar stellt Edeka relevante Käseartikel der Preiseinstiegs­marke Gut&Günstig auf die Haltungsform 3 um. Auch das zum Edeka-Verbund gehörende Tochterunternehmen Netto Marken-Discount nimmt an der Umstellung teil. Damit ist der Verbund der erste deutsche Lebens­mittelein­zel­händler, der bei den maßgeblichen Scheiben-, Reibe- und Stück­käse­artikeln der Eigenmarke auf die höhere Haltungsform setzt – und das zum gleich­bleibend niedrigen Preis für Kunden.

»Wer trägt die Mehrkosten?«, zeigt sich der DBV-Milchpräsident Karsten Schmal verwundert. Denn während man in Deutschland mühsam einen Aufschlag für Frischmilch der Haltungsform 3 von 3 ct/kg ausgehandelt habe, bleibe die Handhabung in diesem Fall unklar. Der Verzicht auf einen Preisaufschlag für Produkte mit höheren Tierwohlstandards sende zudem ein falsches Signal an die Verbraucher, monierte Schmal.

Hinzu kommt, dass die Waren nicht aus Deutschland bezogen werden. Der Käse wird mit einem kurzerhand eigens aus dem Boden gestampften Label »Respekt pro Tierwohl« versehen, welches den Vorgaben eines holländischen Unternehmens entspricht.

Dabei hat die deutsche Milchwirtschaft jahrelang gemeinsam an einem Tisch gesessen, um einen Tierwohlstandard auszuarbeiten, der auch aus der Branche getragen wird. Dabei ist der Wunsch der Verbraucher nach regionalen Produkten ungebrochen. Dabei gaben und geben täglich Landwirte ihren Hof auf, weil sie neue Haltungsforderungen nicht umsetzen können. Wofür das alles? Nun wird alles unterlaufen, um günstigere Produkte aus dem Ausland zu beziehen.

»Mit der Umstellung des Käsesortimen­ts unserer Eigenmarke auf Milch aus der Hal­tungsform 3 nehmen wir im deutschen Lebens­mittelhandel eine Vor­reiterrolle ein und etablieren einen neuen Standard in diesem Sortiment«, sagt Markus Mosa, Vorstandsvor­sitzender der Edeka Zentrale Stiftung & Co. KG. »Be­sonders wichtig ist uns, dass wir dieses Mehr an Tierwohl im Preiseinstiegssorti­ment unserer Eigenmarke anbieten und das ohne Auf­preis. So ermöglichen wir allen Kundinnen und Kunden ein faires Einkaufserlebnis.«

Auch wenn die Selbsternennung zum Vorreiter wohl als Eigenlob gemeint war, so sollte sie wohl eher als ein drohendes Szenario für die gesamte deutsche Milchwirtschaft verstanden werden, sollte das Modell im LEH die Runde machen. Ein Abgesang auf die von Landwirtschaftsminister Özdemir hoch gelobte Tierwohlabgabe ist es ohnehin.

Alexander Ströhlein,
Redaktion

 

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