Hundeparasit führt zu Aborten bei Kühen

13. Mai 2020

Neospora caninum ist ein einzelliger Parasit in Hunden, welcher vor etwa 30 Jahren entdeckt worden ist. Nimmt die Kuh diesen Parasiten über das Gras auf, kann es zu Kälberaborten führen.

Hofhunden sollten kein rohes Fleisch, Innereien oder Nachgeburten sowie abortierte Feten verfüttert werden. Auch Futterlager sowie Rinderweiden und Mähwiesen sollten für Hunde gesperrt sein.

Entwicklungszyklus von N. caninum (modifiziert nach LÖSCHENBERGER et al., 2000)

Am Entwicklungszyklus des Parasiten ist zu erkennen, dass der Hund gegenwärtig der einzig bekannte Endwirt ist, d. h. der Hund trägt den Erreger in sich und scheidet ihn mit dem Kot aus. Das Parasiten-Ei bleibt nach der Ausscheidung bis zu drei Wochen gefährlich und kann in dieser Zeit andere Tiere, wie Rinder, Büffel, Schafe, Ziegen, Pferde, Füchse oder aber auch andere Hunde anstecken. Aufgenommen werden die Eier durch Futter oder Wasser, somit können sich auch Tiere anstecken, welche im Stall stehen, den Erreger aber durch verschmutztes Gras aufnehmen.

Neospora caninum befällt verschiedene Organe der Tiere, unter anderem auch den Fetus und die Plazenta, was als Folgewirkung zwischen dem 3. und 7. Trächtigkeitsmonat zum Abgang des Kalbes führen kann. Am häufigsten werden aber gesunde Kälber geboren, welche dann jedoch zu 90 Prozent mit dem Erreger im Fruchtleib infiziert worden sind. Die infizierten Kälber sind dann wiederum Träger und Ausscheider, was bei zukünftigen Zuchttieren zu einer latenten Weitergabe der Parasiten in die nächsten Generationen führt.

Da die Zelle Gewebezysten mit vielen neuen Parasiten entwickelt, kann dieser auch über das Fleisch der betroffenen Tiere aufgenommen werden. Frisst der Hund nun beispielsweise die Nachgeburt einer infizierten Kuh, ist dieser wiederum infiziert. Dadurch entsteht ein geschlossener Entwicklungskreis.

Wie kann ich feststellen, ob mein Betrieb infiziert ist?

Treten innerhalb weniger Wochen gehäuft Aborte in einem Betrieb auf, z. B. fünf bis acht bei einer Betriebsgröße von rund 100 Rindern, können Rückschlüsse auf eine Übertragung mit Hundekot gezogen werden. Treten immer wieder einzelne Fälle von Aborten auf, dann kann eine Infizierung im Mutterleib stattgefunden haben. In beiden Fällen sollte ein Labortest zur Feststellung von Neospora caninum durchgeführt werden.

Beim toten Kalb (Abort) kann ein sogenannter PCR-Test durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung wird dem fetalen Hirn Gewebe entnommen und auf Parasiten untersucht. Ein Bluttest auf Antikörper kann beim noch lebenden Muttertier oder Kalb Hinweise auf den Infektionsmodus geben.

Genaue Angaben über das Vorkommen sind leider noch nicht verfügbar. Bei der Auswertung von Routineuntersuchungen für Nordbayern am LGL Erlangen reagierten 6,8% (92/1357) der serologisch untersuchten Rinder positiv und 22,3% (49/220) der beprobten Betriebe hatten infizierte Tiere in der Herde. Weitere gezielte Untersuchungen zur Häufigkeit für Bayern sind geplant.

Wie kommt Neospora in meinen Betrieb?

Verbreiter der Neospora caninum-Infektion sind Hunde, die Zugang zu Abort- und Nachgeburtsmaterial (Stall, Misthaufen) haben und gleichzeitig ihren Kotabsatz auf einer Futterwiese (eventuell sogar Futtertisch) verrichten können. Hauptsächlicher Überträger ist somit der eigene Hofhund beziehungsweise Nachbarhund, der ähnliche Möglichkeiten zum Betreten des Hofes besitzt. Eine weitere Infektionsmöglichkeit für Hunde besteht durch Verfütterung von rohem Fleisch. Außenstehende (fremde) Hunde, zum Beispiel Stadthunde, sind in aller Regel von diesem Infektionsgeschehen (Dosenfütterung!) ausgeschlossen. Über Hundekot ausgeschiedene Parasiten-Eier (Oozysten) durchlaufen außerhalb des Körpers eine kurze Reifungsphase (Sporogonie) und erweisen sich dann als äußerst widerstandsfähig, das heißt, sie können Wochen bis Monate im Futter oder Wasser überleben. Eine Übertragung auf den Menschen ist derzeit nicht bekannt und auch noch nicht nachgewiesen worden.

Eine weitere Möglichkeit der Erregereinschleppung in den Bestand ist der Zukauf von infizierten weiblichen Rindern, welche die Infektion auf ihre Nachkommen „weiter vererben“. Dies trifft auch für infizierte Trägertiere beim Embryotransfer zu.

Empfehlungen

Da es zurzeit noch kein wirksames Medikament oder einen Impfstoff gegen Neospora caninum auf dem Markt gibt, ist es wichtig einige Vorsorgeregelungen zu treffen.

Das Hauptproblem sind die Neospora-positiven Zuchtlinien, da sich hier das Abortrisiko vervierfacht. Eine Möglichkeit hier wäre neu zugekaufte Tiere serologisch testen zu lassen. Die Verwendung der Nachkommen positiver Muttertiere für die Mast ist unbedenklich.

Hofhunden sollten keine Nachgeburten sowie abortierte Feten verfüttert werden, auch kein rohes Fleisch oder Innereien. Auch Futterlager sowie Rinderweiden und Mähwiesen sollten für Hunde gesperrt sein.

Dennoch haben neue Studien bewiesen, dass der Hund lediglich eine geringe Rolle bei der Abortproblematik spielt. So wurden in der Schweiz 200 Hofhunde untersucht, bei keinem dieser Hunde konnten im Kot Parasiten-Eier nachgewiesen werden.

Weitere Infos unter: https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/parasitosen/neospora_caninum/

Quelle: Prof. Dr. Gottstein, Institut für Parasitologie der Vetsuisse Fakultät, Uni Bern; LGL Bayern

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