Den Kälbern mehr Milch geben

21. Februar 2020

Das Ziel, Kälber durch eine knapp bemessene Milchtränke so schnell wie möglich zu Wiederkäuern zu machen, ist nicht mehr zeitgemäß. Wie eine optimale Tränkeversorgung aussieht berichtet DI Franz Tiefenthaller vom LK Oberösterreich.

In den ersten Lebenswochen sollte die Tränkemenge, egal ob männlich oder weiblich, nicht begrenzt werden. ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Stierkälber erhalten üblicherweise viel Milch, was von Rindermästern auch teilweise kritisiert wird. Ziel der reichlichen Milchgabe ist es, möglichst rasch ein Gewicht von ca. 90 bis 100 kg zu erreichen, damit das Kalb für die Mast verkauft werden kann. Die Gewichtsentwicklung ist bei dieser Tränkemenge dementsprechend gut. Die gleiche Tränkemenge sollte auch bei weiblichen Kälbern angewendet werden.

Die ganze Fülle an Gründen spricht dafür, die Milchmenge in den ersten Lebenswochen nicht zu rationieren, wie Prof. Harald Hammon bei 18. BOKU-Symposium Tierernährung 2019 erläuterte. 

 

Vorteile höherer Tränkemengen:

  • Weniger Aufzuchtverluste
  • Verbesserte Immunabwehr
  • Im weiteren Verlauf höheres Leistungsniveau bei männlichen udn weiblichen Tieren
  • Weniger gegenseitiges Besaugen

So sieht der optimale Tränkeplan aus:

  • Mindestens 3 Liter Kolostrum in den ersten Stunden
  • Kolostrum des Muttertieres 3 bis 5 Tage weiter füttern
  • Anschließend Vollmilch oder hochwertigen Milchaustauscher in einer Menge von mehr als 20 Prozent der Körpermasse über 5 (bis 8) Wochen geben
  • Kraftfutter und Heu (oder Kälber-TMR) sowie Wasser anbieten
  • Langsames Abtränken (2 bis 3 Wochen)

Die Ansicht, man könnte durch begrenzte Milchmengen die Kraftfutteraufnahme steigern, ist mittlerweile in etlichen Versuchen widerlegt worden. Festfutter (Kraftfutter, Heu) wird im ersten Lebensmonat noch nicht ausreichend verdaut. Die Aufnahme ist in dieser Phase – unabhängig von der vertränkten Milchmenge – noch sehr gering. Die Entwicklung des Vormagensystems wird durch hohe Milchgaben lediglich etwas verzögert. Nach dem Abtränken nehmen Kälber, die Milch bis zur Sättigung (ad libitum) bekamen, sogar mehr Festfutter auf als restriktiv getränkte Kälber. Die Pansenentwicklung ist daher besser.

Der höhere Milchverbrauch in den ersten Monaten wird durch höhere Zunahmen und besserer Gesundheit und Leistung kompensiert.
©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Moderne Tränkemethode

Aktuelle Untersuchungen legen die Empfehlung nahe, allen Kälbern – männlich und weiblich – in den ersten Lebenswochen die Tränkemenge nicht zu begrenzen. Viele Betriebe in Österreich haben auf Empfehlung der LK-Fütterungsberater in den letzten Jahren bereits gute Erfahrungen mit höheren Tränkemengen gemacht. Durchwegs wurde 3 Wochen lang Milch (nach Empfehlungen von Dr. Hans-Jürgen Kunz, LK Schleswig-Holstein, Versuchszentrum Futterkamp) zur freien Aufnahme angeboten. Diese Phase ist jedoch zu kurz, zumindest 5, besser 8 Wochen sollte Milch unbegrenzt angeboten werden. Der höhere Milchverbrauch wird durch hohe Zunahmen und bessere Gesundheit und Leistung in der Jugendentwicklung und bei den erwachsenen Tieren kompensiert. Ad libitum Tränke ist die richtige Tränkemethode, die mit angesäuerter Tränke oder arbeitstechnisch noch einfacher mit Tränkeautomaten in der Praxis umgesetzt werden sollte.
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