Einen kühlen Kopf bewahren

3. August 2023

Die kühlen Temperaturen der letzten Tage haben Mensch und Tier eine Verschnaufpause verschafft. Doch der Sommer ist noch nicht vorüber. Wer seine Kälber nicht schützt, pokert mit drastischen Folgen für Wachstum und Gesundheit und somit indirekt für das eigene Betriebseinkommen.

Bei hohen Temperaturen sollte besonderes Augenmerk auf die Schützlinge gelegt werden. Foto: Clara / stock.adobe.com

Dass die Hitze im Sommer gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistung der Milchkühe haben kann, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Doch wie steht es um den Nachwuchs?

Untersuchungen zeigten, dass Kälber, deren Mütter während der Trächtigkeit Hitzestress ausgesetzt waren, mit einem geringeren Gewicht geboren wurden. Des Weiteren zeigten diese Kälber eine geringere Tränke- und Futteraufnahme sowie -verwertbarkeit. Diese Auswirkungen spiegelten sich wiederum in schlechteren Wachstumsraten wider. Ein Rattenschwanz, der den Nachwuchs von Hitzestress-belasteten Kühen bis in das Leben als Milchkuh verfolgt, indem die Milchleistung um rund 5 kg pro Tag hinterherhinkt. Nach der Geburt ausgesetztem Hitzestress führt nachweislich zu einem veränderten Liegeverhalten. In Beobachtungen zeigte sich, dass die Kälber häufiger in Seitenlage anstatt in der für Rinder typischen Brustlage liegen.

Die optimale Raumlufttemperatur bei Kälbern im Alter von weniger als drei Wochen liegt zwischen 18 und 20° C. Studien zeigen, dass hohe Temperaturen bei Kälbern das Immunsystem schwächen und langfristig sogar Auswirkungen auf das Erstkalbealter sowie die Wachstumsleistung haben. Im Folgenden zeigen wir, wie Sie den Kälbern den Sommer erleichtern.

  1. Raus aus der Sonne: Sorgen Sie für einen schattigen Platz des Kälberiglus. Alternativ können auch Schattenspender wie Sonnensegel Abhilfe schaffen.

 

  1. Für genügend Luftstrom sorgen: Wählen Sie für die Kälberiglus Orte mit genügend Luftbewegung (2,5 m/s). Über geöffnete Lüftungsklappen der Iglus sorgen Sie außerdem für mehr Luftaustausch. Vermeiden Sie Überbelegung in den Gruppeniglus, da die vermehrte Körperwärme zum Temperaturanstieg beiträgt.

 

  1. Nicht am Wasser sparen: Wasser, das auch durch die Milchgaben nicht ersetzt wird, ist notwendig, damit die Kälber ihre Körpertemepratur halten können. Nur so kann der durch vermehrtes Atmen und Schwitzen erfolgte Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden. Studien zeigten, dass Kälber, die ab der Geburt ständigen Zugang zu frischem Wasser haben, eine bessere Pansenentwicklung, eine bessere Nährstoffverdaulichkeit und höhere Wachstumsraten aufweisen.

 

  1. Stress vermeiden: Arbeiten wie beispielsweise Enthornen, Umstallen, Impfen etc., die für die Kälber mit Stress verbunden sind, sollten in kühlere Stunden gelegt werden. Reduzieren Sie den Fliegendruck und somit indirekt das Stressniveau des Kalbes.

 

  1. Gut gebettet: Anorganische Einstreu wie beispielsweise Sand kann – da er schlecht Wärme speichert – einen kühlenden Effekt auf die Kälber haben. Unanghängig von der gewählten Einstreu sollte die Liegefläche stets sauber und trocken sein, damit sich die Kälber gerne hinlegen.

 

  1. Bedarf anpassen: Bei hohen Temperaturen steigt der Energiebedarf bei meist gleichzeitiger verminderter Futteraufnahme. Passen Sie die Fütterung an, um den Energiebedarf zu sichern. Eine zusätzliche, angepasste Elektrolyttränke kann den Mineralstoffverlust ausgleichen.

 

  1. Kontrolle: Achten Sie regelmäßig auf die Kälber und ihren Zustand während der heißen Temperaturen.

    

Sarah Wiedemann-Höß

Beitrag teilen: |

Partner

Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden, bei den Themen, die Sie interessieren!

Zur Anmeldung:

.embedded-sidebar { display: none; }