Hitzestress bei Kälbern minimieren

27. Juli 2021

Der Klimawandel mit immer extremeren Temperaturen wird kaum noch angezweifelt. Vor allen Dingen im Sommer kommen immer höhere Temperaturen, aber auch längere Hitzeperioden auf die Betriebe zu. Während Ventilatoren zusätzlich in den Kuhstall montiert wurden und in den letzten vier Jahren deshalb jährlich nahezu ausverkauft waren, kamen viele Betriebe beim Thema Hitzestress bei den jüngsten Rindern an die Grenzen. Da viele Kälber in den ersten Lebenstagen meist in Iglus draußen gehalten werden, sind sie dort oft direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt und auch das beste Iglu kann die Hitze nicht komplett abschirmen. Was ist zu tun?

Zwar sind Kälber für sich betrachtet erstmal weniger hitzeempfindlich als Kühe, da sie noch keine Wiederkäuer sind und über den Pansen sehr große körpereigene Stoffwechselwärme entwickeln. So beziffert man den Beginn des Hitzestresses für Kälber ab einem Temperatur-Feuchte-Index (sogenannter THI) von 72 um 5 Punkte höher als bei Kühen. Das entspricht etwa 23°C und 75% Luftfeuchte bzw. 27°C bei 25% relativer Luftfeuchte. Anhand dieser beiden Beispiele wird deutlich, dass insbesondere die Luftfeuchte eine entscheidende Rolle spielen und so wirklich belastend und gefährlich für Kälber werden kann. Achtet deshalb auf die Wettervorhersage und arbeitet mit Klimadatenmessern im Betrieb, um die Situation objektiv einschätzen zu können.

Sauberes Wasser sollte grundsätzlich ab dem ersten Lebenstag jedem Kalb zur freien Verfügung bereitstehen, am besten mit schmackhaften Elektrolyten angereichert. Denn durch die Hitze besteht einerseits die Gefahr der Austrocknung und andererseits ein ungleich höheres Risiko für Durchfall. Iglus sollten, wenn möglich, mit einem temporären oder stationären Sonnenschutz versehen werden.

Vielfach gängige Praxis ist es auch, die Iglus im Sommerhalbjahr um 180 Grad zu drehen und sie mit der Öffnung nach Norden oder Nord-Westen auszurichten. Für eine bessere natürliche Belüftung kann es sich anbieten, die hintere Iglukante auf Pflastersteine zu stellen, um dadurch einen permanenten Luftaustausch zu erzielen. Immer häufiger greifen Landwirte auch auf spezielle Alu-Schutzfolien zurück, mit denen sie die Iglus abdecken und vor Überhitzung schützen.

Kurzfristiger Hitzestress auf neugeborene Kälber scheint nach bisherigen Studien noch keinen Langzeitschaden zu verursachen, wohl aber bereits milder Hitzestress auf die Muttertiere in den letzten 2-3 Wochen vor der Abkalbung. So zeigt eine aktuelle Studie der Universität Giessen (Kipp et al., 2021) nach Auswertung von 172.000 Lebensläufen von Kühen, die als Kälber in der Gebärmutter Hitzestress ausgesetzt waren, erhebliche Leistungseinbußen. Bereits ab Außentemperaturen von 18°C und 70% Luftfeuchte entstehen so für das noch ungeborene Kalb in der Gebärmutter ungünstige Lebensbedingungen, die sich nachteilig und langwierig auf den Hormon- und Fruchtbarkeitshaushalt auswirken können. Solche Kälber bleiben nicht nur hinter ihrem genetischen Leistungspotential zurück, sondern sind als Kälber krankheitsanfälliger und gehen später als Kühe auch früher ab.

Fazit

Hitzeschutz für Kälber fängt bereits in der Gebärmutter der Mütter an. Vor diesem Hintergrund rücken die Close-up Kühe sogar noch vor den Hochleistenden auf Platz 1 der Prioritätenliste für Kühlungsmaßnahmen. Aber auch unsere Kälber sollten mehr Aufmerksamkeit in den Sommermonaten bekommen, als dies noch vor vielen Jahren der Fall war. Der Klimawandel macht leider auch vor ihnen nicht halt.

Wir sehen uns! Euer Kälberblogger Peter Zieger

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