BVD und MD – der Teufel steckt im Detail

17. Januar 2019

Die Bovine Virusdiarrhoe (Rinderdurchfall, BVD) und die Mucosal Disaese (Schleimhaut-Krankheit, MD) werden durch das Bovine Virusdiarrhoe-Virus verursacht. Teils zeigen infizierte Tiere keine Symptome, teils sterben sie.

Das Bovine Virusdiarrhoe-Virus (BVDV) ist nach wie vor ein weltweit limitierender Wirtschaftsfaktor in der Rinderhaltung. Fotos: Fiedler

Rund 90 Prozent der Rinder infizieren sich im Verlauf ihres Lebens mit dem BVD-Virus und durchlaufen, je nach Virusstamm, verschiedene Krankheitsbilder, von nahezu symptomfrei bis tödlich. Doch der Teufel steckt im Detail. Eine Mutation reicht aus und aus einem nicht-zellschädigenden Biotyp wird ein zellschädigender Biotyp. Dieser zellschädigende Biotyp verursacht bei dauerhaft (persistent) infizierten Rindern (PI-Tiere) die immer tödlich verlaufende MD. Doch die Bezeichnung „bovin“ (zum Rind gehörig; lat. bos, bovis = Rind) ist nicht ganz zutreffend, denn das BVDV infiziert nicht nur Rinder, sondern auch andere Wiederkäuer wie Schafe, Ziegen sowie Rotwild und ist damit nicht wirtsspezifisch. Aber auch Schweine können infiziert werden. Ein speziesübergreifender Austausch ist also möglich. Das bedeutet aber auch, dass ein Virusreservoir in Klein- und Wildwiederkäuern nicht ausgeschlossen werden kann.

Warum sind BVD und MD sowie ihre Erreger so gefährlich?

Das BVD-Virus mit all seinen Genotypen, Subtypen, Biotypen und Stämmen ist, nach wie vor, eine weltweite Bedrohung für die Viehwirtschaft. Finanzielle Einbußen entstehen nicht nur durch verminderte Milchpurduktion, sondern auch durch Wachstumsstörungen, Krankheitsanfälligkeit, erhöhte Sterblichkeit, vor allem bei Jungtieren, und geringe Reproduktionsleistung. In Europa entstehen Verluste zwischen 8,00 EUR und über 100,00 EUR pro Kuh und Jahr. Bei schweren Verläufen oder bei Einschleppung in einen gesunden Bestand kann sich der Schaden sogar auf 400,00 EUR und mehr pro Kuh und Jahr belaufen.

Wie kann der Landwirt aber erkennen, ob seine Rinder an BVD erkrankt sind?

In der Regel gar nicht, denn vor allemInfektionen mit dem Genotyp BVDV-1 verlaufen symptomfrei oder zeichnen sich durch einen milden Krankheitsverlauf aus. Dabei können erkrankte Tiere durchaus an Fieber, Appetitlosigkeit, Nasenausfluss, Atemwegserkrankungen oder Durchfall leiden.

Negativ auf die Milchleistung

Eine Infektion mit dem Genotyp BVDV-2 kann dagegen schwerer verlaufen als eine Infektion mit den Genotyp BVDV-1 und führt häufig zur erhöhten Blutungsneigung (hämorrhagisches Syndrom), Pfeifatmung (pulmonaler Symptomatik), blutigem Durchfall (Diarrhoe) und zu krankhaften Veränderungen der Schleimhäute des Verdauungssystems. PI-Tiere, die an MD erkranken, magern stark ab, verweigern die Nahrungsaufnahme und leiden an Fieber, blutigen Durchfall, Speichelfluß und oberflächliche Wunden, vor allem am harten Gaumen, am Flotzmaul, am Naseneingang, im Zwischenklauenspalt, am Kronsaum und am Euter. Da auch andere Krankheiten wie die Rinderpest oder die Maul und Klauenseuche ein ähnliches Krankheitsbild aufweisen, erfolgt eine zuverlässige Diagnose der Krankheit durch den Nachweis des Virus im Blut, in Organproben oder in Gewebeproben (Hautstanzen, Hautbiopsie).

Obwohl die BVDV-Verordnung ihre Wirkung zeigt, ist das noch lange kein Grund, nachlässig zu werden, denn es kommt nach wie vor immer wieder zu Neuausbrüchen der BVD und der MD.

Die Verbreitung des Bovine Virusdiarrhoe Virus (BVDV) erfolgt in erster Linie über dauerhaft (persistent) infizierte Tiere (PI Tiere). Sie
entstehen, wenn sich ein gesundes Muttertier infiziert und die Krankheitserreger zwischen dem 40. und 120. Tag der Trächtigkeit auf das ungeborenen Kalb überträgt. Während dieser Zeit wird das Virus vom Immunsystem des Fetus noch nicht als Körperfremd  erkannt und es wir ein Kalb geboren, das lebenslang Viren ausscheidet.

Vor allem trächtige Tiere müssen vor einer Infektion geschützt werden, um die Geburt von PI-Tieren zu verhindern. Deshalb müssen die Impfungen unbedingt aufrecht erhalten werden, um die Feldvirusverbreitung weiter einzudämmen. Auch wenn in Deutschland gegen den BVDV-2 kein Impfstoff verfügbar ist, kann eine Impfung gegen den BVDV-1 die Krankheitssymptome doch lindern. Neben der Impfung spielt das Auffinden von PI-Tieren eine ganz entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der BVD und der MD, denn diese stellen nach wie vor das Hauptverbreitungsrisiko dar.

Seit 2004 sind die Bovine Virusdiarrhoe (Rinderdurchfall, BVD) und Mucosal Disease (Schleimhaut-Krankheit, MD) in Deutschland anzeigepflichtig. Aber erst die Bovine Virusdiarrhoe-Virus-Verordnung (BVDV-Verordnung), in der Fassung vom 22. Dezember 2010, wie sie seit dem 1. Januar 2011 in Deutschland umgesetzt wird, konnte im erheblichen Maße zur Bekämpfung der Krankheit(en) beitragen. Seitdem müssen alle Rinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats oder vor dem Verbringen aus dem Bestand auf das Bovine Virusdiarrhoe-Virus, kurz BVDV, untersucht werden, um dauerhaft (persistent) infizierte Rinder (PI-Tiere) identifizieren und BVDV-unverdächtige Rinderbestände besser schützen zu können.

Nach der BVDV-Verordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. Juni 2016 werden die Maßnahmen noch verschärft. Kürzere Fristen und Einschränkungen bei der Verbringung aus dem Bestand sollen noch effektiver dazu beitragen, den Status „BVDV-unverdächtiger Rinderbestand“ sicher zu stellen.

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