Welches Saatgut fürs Grünland?

19. Februar 2026

Eine der Stellschrauben, an der landwirtschaftliche Betriebe in die Grünlandbewirtschaftung regulierend eingreifen können, sind die Grünlandverbesserungsmaßnahmen durch Nachsaat oder auch durch Neuansaat von Dauergrünland. Mit der Wahl der Arten, der Artenanteile und der Sorten kann Einfluss auf den späteren Pflanzenbestand genommen werden.

Die Nachsaat ist, neben Übersaat und Neuansaat, eine Möglichkeiten zur Saatgutausbringung im Grünland. Agrarfoto

Auf Standorten, die zunehmend unter längeren Trockenphasen leiden, wird es zukünftig wieder wichtiger sein, auf ein breiteres Artenspektrum zu setzen. Durch die Nachsaat kann die Flexibilität im Grünlandbestand bezüglich der sich ändernden Wachstumsbedingungen gefördert werden. Ziel ist es, dadurch die Klimaresilienz von Grünlandbeständen zu erhöhen.

Arten und Sorten für die Nachsaat 

Nachfolgende Arten kommen für die Nachsaat auf Dauergrünland in Frage:

Knaulgras ist eine anpassungsfähige Art, die unter verschiedensten Klima-, Boden- und Nutzungsbedingungen gedeiht. Es ist winterhart, trockenheitstolerant, horstbildend, vielschnittverträglich und hat ein hohes Ertragspotenzial. Sorten unterscheiden sich deutlich im Zeitpunkt des Rispenschiebens, im Ertrag und der Rostanfälligkeit. Die Sorten werden in drei Reifegruppen – früh, mittelfrüh, spät – unterteilt. Frühe Sorten schieben im ersten Aufwuchs bereits Anfang Mai den Blütenstand, späte Sorten erst Ende Mai, was große Auswirkungen auf die Futterqualität und Akzeptanz bei der Beweidung hat.

Wiesenschwingel gedeiht am besten bei einer hohen natürlichen Bodenfruchtbarkeit und eignet sich weniger für sehr trockene, nährstoffarme Standorte. Er weist eine besonders gute Winterhärte auf. In der Jugendentwicklung ist er langsam. Bei häufigem Schnitt und starker Konkurrenz wird er schnell verdrängt. Im ersten Aufwuchs ist er ertragreich, wächst aber in der Folge nur langsam nach. Sorten unterscheiden sich in der Ausdauer, der Narbendichte, der Rostanfälligkeit und im Ertrag.

Rohrschwingel ist eine »Robustart«, die aufgrund ihrer ausgeprägten Wurzeln unter feuchten wie trockenen Bedingungen wachsen kann. Er hat ein hohes Ertragsvermögen, jedoch Schwächen in der Futterqualität, wenn er nicht sehr früh genutzt wird. In der Anfangsentwicklung ist seine Konkurrenzkraft schwach, wird aber mit zunehmender Nutzungsdauer stärker. Neue Sorten weisen zumeist verbesserte Blattstrukturen auf, sowohl bezüglich der Blattfeinheit als auch beim Anteil an Kieselzähnchen an den Blatträndern, die bei Beweidung die Futterakzeptanz verbessern können.

Deutsches Weidelgras ist, wegen seiner guten Qualitätseigenschaften, das wichtigste Gras der Wiesen und Weiden. Mit seinem niedrigen Wuchs ist es ein optimaler Partner zu Weißklee. Wegen seiner Verträglichkeit für Tritt und häufigen Verbiss ist es »das Weidegras«. Es hat einen hohen Anspruch an Wasser und Nährstoffe, weshalb es für trockene Standorte weniger gut geeignet ist. Es macht eine zügige Jugendentwicklung und ist unter passenden Bedingungen sehr konkurrenzstark. Es reagiert empfindlich auf Kahlfröste, lange Schneebedeckung und Spätfröste, was die Eignung für höhere Lagen einschränkt. Es verfügt aber auch über ein sehr gutes Regenerationsvermögen. Sorten unterscheiden sich enorm im Zeitpunkt des Ährenschiebens, sie werden in drei Reifegruppen – früh, mittelfrüh, spät – unterteilt. Frühe Sorten schieben im ersten Aufwuchs bereits Ende April den Blütenstand, späte Sorten erst im Juni, was großen Einfluss auf die Qualität und damit auf das Bewirtschaftungsmanagement hat.

Es gibt große Sortenunterschiede bei der Winterhärte, der Ausdauer, der Narbendichte, der Rostanfälligkeit und der Ertragsfähigkeit. In den höheren Lagen mit Gefahr für die Auswinterung bieten Sorten mit guter Winterhärte und geringer Anfälligkeit gegenüber Fusarium (Schneeschimmel) eine deutlich höhere Produktionssicherheit. An diesen Standorten muss das Augenmerk als allererstes auf die Ausdauer der Sorten gelegt werden.

Wiesenrispe ist ein winterhartes, ausdauerndes und trittfestes Untergras mit unterirdischen Ausläufern. Mit Ausnahme von nassen Lagen mit schweren und kalten Böden, ist es sehr anpassungsfähig. Es verlangt eine sehr flache Saat. Wegen seiner sehr langsamen Jugendentwicklung kann es sich gegenüber kampfkräftigen Arten kaum durchsetzen, jedoch kann es sich später mit seinen unterirdischen Ausläufern gut im Bestand ausbreiten. In rauen, höheren Lagen kann es das Deutsche Weidelgras ersetzen. Sorten unterscheiden sich in der Ausdauer, der Narbendichte, der Rostanfälligkeit und dem Ertrag. Sorten mit guten futterbaulichen Eigenschaften lassen sich zumeist schlecht vermehren, deshalb ist das Sortenangebot vergleichsweise gering.

Wiesenlieschgras passt sich sehr gut an die Standortverhältnisse an, mit Ausnahme von sehr trockenen Bedingungen. Es ist winterhart, Fröste und lange Schneebedeckung erträgt es gut. Als ertragreiches Obergras mit lockeren Horsten wird es sehr oft als Begleitart in Mischungen verwendet. Es macht eine langsame Jugendentwicklung. Nach der ersten Nutzung treibt es erst nach einer längeren Pause wieder nach, was seinen Anteil in den Folgeaufwüchsen niedrig hält. Wiesenlieschgras geht vergleichsweise spät ins Ährenschieben. Sorten unterscheiden sich im Reifeverhalten, die frühesten Sorten schieben ab Mitte Mai die Ähren, die spätesten erst drei Wochen später, was bei einer frühen Nutzung die Futterqualität positiv beeinflusst. Bei Nutzung zum Ährenschieben oder danach kann es sortenabhängig zu Lager kommen.

Weißklee wird nur so hoch wie der Blattstiel lang ist. Der Stängel von Weißklee liegt als oberirdischer Ausläufer am Boden, mit oberirdischen Ausläufern kann er sich rasch in Lücken ausbreiten. Er ist winterhart und hat eine gute Ausdauer, allerdings ist er gegen Kahlfröste und lange Schneebedeckung empfindlich. Weißklee ist sehr gut anpassungsfähig, wegen seiner flachen Wurzeln mag er sehr trockene Wachstumsbedingungen jedoch nicht. Bei Trockenheit beginnt er sehr schnell nach der Nutzung zu blühen. Er ist tritt- und vielschnittverträglich, durch sein hohes Regenerationsvermögen ist er die wichtigste Leguminose im Dauergrünland. In obergrasreichen Grünlandbeständen gedeiht er wegen seiner Empfindlichkeit gegenüber Lichtkonkurrenz schlechter. Durch eine hohe Stickstoffdüngung lässt er sich aus dem Bestand verdrängen. Sorten unterscheiden sich im Anteil blausäurehaltiger Pflanzen. Bei hohen Rationsanteilen können gesundheitliche Schäden bei den Tieren auftreten. Sorten mit sehr hohem Anteil blausäurehaltiger Pflanzen werden nicht empfohlen. Darüber hinaus unterscheiden sich Weißkleesorten in der Blattgröße. Großblättrige Sorten haben längere Blattstiele, sie sind für den Ackerfutterbau besser geeignet.

Wiesenrotklee kommt mit seiner Pfahlwurzel in tiefere Bodenschichten und dadurch, gegenüber den flachwurzelnden Gräsern, länger an Wasser. Dies ist der Grund, warum Rotklee auch in Trockenphasen noch wachsen kann. Wiesenrotklee weist gegenüber dem Ackerrotklee eine verbesserte Ausdauer auf, bei dem häufig im zweiten Nutzungsjahr die Ausdauer nachlässt. Für die Etablierung von Wiesenrotklee ist es wichtig, die N-Düngung vor und nach der Nachsaat zu reduzieren, damit die Pflanzen des Altbestands nicht zu konkurrenzkräftig sind. Der Rotkleeanteil im Bestand verändert sich in Abhängigkeit von den Wachstumsbedingungen. Im Frühjahr und Herbst, wenn es kühler ist, sind die Anteile niedriger, im Sommer, wenn es warm und trocken ist, werden die Rotkleeanteile höher. Sorten unterscheiden sich in ihrer Eignung für die Nachsaat. Im Grünland sollten unbedingt länger ausdauernde Sorten des Wiesenrotklees (WR) verwendet werden. Bei der Anfälligkeit gegenüber Fruchtfolgekrankheiten wie Kleekrebs (Sclerotinia) und Stängelbrenner (Antragnose) unterscheiden sich die Sorten auch. Sorten mit geringer Anfälligkeit für Fruchtfolgekrankheiten sind zu bevorzugen.

Narbendichte und Drittelregel

Sorten mit einer guten Seitentriebbildung können dichtere Grasnarben bilden. Das ist vor allem bei häufiger Nutzung oder Beweidung vorteilhaft. Dichte Narben unterdrücken effektiv Unkraut und helfen sauberes Futter zu bergen. Diploide Sorten bilden dichtere Narben als im Reifestadium vergleichbare tetraploide Sorten.

Ist Deutsches Weidelgras Hauptbestandsbildner, werden zur Qualitätsabsicherung üblicherweise Sorten aller drei Reifegruppen (früh, mittel, spät) verwendet. Durch die frühen Sorten wird die Ertragsbildung im Frühjahr positiv beeinflusst. Die späteren Sorten, die bis zu 40 Tage später die Ähren schieben, sichern die Qualität ab, was besonders wichtig ist, wenn witterungsbedingt nicht zum Zeitpunkt des Ährenschiebens der frühen Sorten genutzt werden kann. Nach dem ersten Schnitt wachsen die späteren Sorten schneller nach, weil sie noch vor dem Ährenschieben genutzt wurden, deshalb schneller regenerieren und weiterwachsen.

Bei Arten mit deutlichem Reifeunterschied wie beim Deutschen Weidelgras und dem Knaulgras kann beispielsweise bei häufig auftretender Sommertrockenheit versucht werden, mit frühen Sorten vor der Trockenphase möglichst zwei Nutzungen zu ernten.

Ist der Standort eher feucht, und kann deshalb nicht früh genutzt werden, sichern späte Sorten, vor allem im ersten Aufwuchs, die Futterqualität bei später erster Nutzung ab.

Was können wir tun?

Geht es darum, einen intensiv geführten artenarmen Bestand »stresstoleranter« zu machen, kann eine artenreiche Nachsaatmischung, mit trockenstresstoleranten Arten, für einen mäßig trockenen Standort, verwendet werden. Wiesenlieschgras, Wiesenrispe, Knaulgras und Weißklee, neben dem Deutschen Weidelgras, sollen den Bestand flexibler machen. Soll diese Wirkung verstärkt werden, kann durch die Reduktion des Weidelgrasanteils den weniger durchsetzungsfähigen Arten bei der Etablierung geholfen werden. Durch die Hinzunahme von Rotklee kommt eine Leguminose in den Bestand, die mit ihrer Pfahlwurzel bei Trockenheit länger durchhält.

Die Zugabe von Rotklee stellt auch bei der Verwendung anderer Nachsaatmischungen eine Möglichkeit dar. In verschiedenen Versuchen des LAZBW Aulendorf konnte gezeigt werden, dass Rotklee in Grünlandbeständen erfolgreich etabliert werden kann und bei entsprechenden Anteilen im Bestand sowohl der TM-Ertrag als auch der Rohproteingehalt positiv beeinflusst werden. Saatstärken von 2-5 kg/ha sind zu empfehlen. Bei höheren Saatstärken kann der Rotkleeanteil so hoch werden, dass eine gewisse Gefahr von Lückenbildung für den Bestand entsteht, dann wenn sich der Rotklee mit seinen großen Einzelpflanzen wieder verabschiedet. Da die Ausdauer des Rotklees eingeschränkt ist sollten nur Sorten verwendet werden, die möglichst lange im Bestand bleiben, diese Sorten sind in der Sortenempfehlung Baden-Württembergs mit dem Kürzel »WR« gekennzeichnet.

Für eine erfolgreiche Nachsaat von Lieschgras, Wiesenrispe, Knaulgras, Rot- und Weißklee ist es wichtig, möglichst viel Platz in der Altnarbe anzubieten, damit auch sie sich in diesem Umfeld etablieren können. Wichtig ist daher, dass ausreichend Lücken für die auflaufenden Jungpflanzen im Bestand sind, damit die konkurrenzschwächeren Arten in der Jugendentwicklung Fuß fassen können. Eventuell kann es vorteilhaft sein, den Lückenanteil durch Striegeln oder Eggen noch zu erhöhen und damit auch gegen den Filz der Gemeinen Rispe vorzugehen. Aber auch die frühe Folgenutzung, ca. vier Wochen nach der Saat, ist von Bedeutung. Damit kann die Konkurrenz des Altbestandes gebrochen werden und Licht und Luft zu den Jungpflanzen gelangen. In dieser wichtigen Wachstumsphase der Jungpflanzen sollten sie nicht mit Wirtschaftsdünger zugedeckt oder gar verätzt werden.

Der Klimawandel schafft Risiken für die Grünlandbewirtschaftung, bietet aber auch Chancen. Mithilfe der Nachsaat können die Risiken abgepuffert werden. Eine Erhöhung der Artenzahl macht den Grünlandbestand diverser. Aber auch eine strategische Ausrichtung der Sortenwahl ist eine Möglichkeit, unterstützend einzugreifen, damit das Grünland auch zukünftig Grundfutter in hoher Qualität und ausreichender Menge liefert.

Wilhelm Wurth, LAZBW

 

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