Husten auf der Weide – fast immer sind Lungenwürmer das Problem

21. Mai 2019

Die Weidehaltung leistet aufgrund vieler positiver Effekte auf die Tiere einen erheblichen Beitrag zum Tierwohl, allerdings ist das Risiko eines Befalls mit Parasiten gegenüber der Stallhaltung massiv erhöht.

Die infektiösen Larven werden vom Rind mit dem Gras aufgenommen und wandern dann vom Darm in die Lunge. ©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Um die Befallsstärken mit den wichtigsten Weideparasiten zu erfassen, führen Tierärzte des TGD Bayern seit mehreren Jahren ein Parasitenmonitoring bei über 45 Betrieben mit Kurzrasenweide aus Ober- und Niederbayern durch. Im Rahmen eines Projekts werden dreimal während der Weidesaison Kotproben von Jungrindern und Kühen auf das Vorkommen von Magen-Darm-Würmern, Leberegel und Lungenwürmern untersucht. Dabei werden in nahezu allen Betrieben Magen-Darm-Würmer gefunden, während Leberegel in ca. einem Drittel der Betriebe nachgewiesen werden. Lungenwürmer werden seltener gefunden. Wenn sie aber vorkommen, sind sie sehr gefährlich, da sie sehr viel unberechenbarer sind als Magen-Darm-Würmer.

Lungenwurmlarven überwintern in Rindern

Lungenwurmlarve © TGD Bayern e.V.

Im Gegensatz zu infektiösen Magen-Darm-Wurm Larven überwintern Lungenwurm Larven in unserem Klima in aller Regel nicht in großen Zahlen auf der Weide, sondern in älteren Jungrindern und Kühen. Bei trockenem Sommerwetter überleben die Larven nur kurz, so dass man davon ausgehen kann, dass eine Weide lungenwurmfrei ist, wenn sie für 6 Wochen nicht beweidet wurde. Kälber infizieren sich daher in der Regel, wenn sie Weiden kurz nach älteren Rindern beweiden.

Die infektiösen Larven werden vom Rind mit dem Gras aufgenommen und wandern dann vom Darm in die Lunge. Dort reifen sie innerhalb von etwa zwei Wochen zu erwachsenen Lungenwürmern und legen Eier ab. Diese und eventuell bereits in der Lunge entwickelte Larven werden hochgehustet und abgeschluckt. Im Darm entwickelt sich dann aus allen Eiern das erste Larvenstadium, dass mit dem Kot ausgeschieden wird. Diese reifen sehr rasch (innerhalb von 5-8 Tagen; bei Kälte etwas langsamer) zu infektiösen Larven, die dann mit Hilfe eines Pilzes, aber auch durch Abschwemmung bei Regen, sehr effektiv über die gesamte Weide verbreitet werden. Ohne Behandlung kommt es in der Regel etwa acht Wochen nach Weideauftrieb zu ersten Erkrankungen, da dann die Kontamination der Weide ausreichend hoch ist.

In Mutterkuhhaltung nehmen die Kälber nur geringe Mengen Larven auf solange sie noch hauptsächlich Milch trinken und erkranken daher noch nicht. Die Ausbildung einer belastbaren Immunität dauert allerdings einige Monate. Daher sind die Kälber zum Ende des Sommers, wenn sie vermehrt Gras fressen und dadurch mehr Larven aufnehmen, gefährdet zu erkranken. Die Vermeidung der Lungenwurmerkrankung durch Weidemanagement ist in der  Mutterkuhhaltung schwierig, da Kühe und zweitsömmrige Rinder den Parasiten beherbergen und Larven ausscheiden, ohne daran zu erkranken. Das heißt, dass selbst eine saubere Weide durch die immer anwesenden Alttiere automatisch wieder kontaminiert wird.

Eine stabile Immunität gegen Lungenwürmer bildet sich einige Monate nach der ersten Infektion aus. Diese wird nur durch einen ständigen Kontakt mit Lungenwurmlarven aufrechterhalten. Findet kein Kontakt mehr mit Lungenwurmlarven statt, geht der Schutz nach ungefähr einem halben Jahr verloren.

Lunge mit hochgradigem Lungenwurmbefall. © TGD Bayern e.V.

Der Verdacht auf eine Lungenwurmerkrankung ergibt sich aus den typischen Krankheitserscheinungen in der Regel in der zweiten Hälfte der Weideperiode. Auch das vorherige Beweiden der Fläche durch ältere Rinder gibt einen wichtigen Hinweis. Die auffälligsten Symptome sind Husten und eine Erhöhung der Atemfrequenz. Wird nicht rasch behandelt kann der Befall zu schwerer Atemnot mit Maulatmung bei gestrecktem Hals, Futterverweigerung und schließlich auch zum Tod führen. Treten die oben beschriebenen Krankheitszeichen bei Rindern auf der Weide auf, so ist eine Lungenwurmerkrankung die mit Abstand wahrscheinlichste Ursache. Die Diagnose kann durch den Nachweis der Larven im Kot gesichert werden. Allerdings können klinische Erscheinungen bereits auftreten, bevor Larven mit dem Kot ausgeschieden werden.

Der Nachweis von Larven im Kot erfolgt über ein Auswanderungsverfahren, dass über Nacht angesetzt wird. Daher empfiehlt es sich Kotproben zur Untersuchung auf Lungenwürmer in der ersten Wochenhälfte einzusenden.

Zur Vermeidung von Verlusten und schweren Erkrankungen ist die unverzügliche Behandlung der Gruppe mit Antiparasitika notwendig. Die gängigen Medikamente gegen Magen-Darmwurmbefall sind auch gegen Lungenwürmer wirksam. Resistenzen sind glücklicherweise noch keine bekannt.

Dr. Ingrid Lorenz

Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Der Gebrauch von Langzeitpräparaten über die gesamte Weideperiode würde zwar vor einer Lungenwurmerkrankung schützen, verhindert aber auch die Ausbildung einer Immunität. Ein derartiges Verfahren ist also nicht angebracht, da wir ja die Ausbildung einer stabilen Immunität in der ersten Weideperiode erreichen möchten.

Eine Impfung mit abgeschwächten Lungenwurmlarven ist möglich und auch wirksam, allerdings gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff.

Die Vermeidung der Lungenwurmerkrankung durch Weidemanagement ist in der Mutterkuhhaltung schwierig, da Kühe und zweitsömmrige Rinder den Parasiten beherbergen und Larven ausscheiden, ohne daran zu erkranken. Das heißt, dass selbst eine saubere Weide durch die immer anwesenden Alttiere automatisch wieder kontaminiert wird. © BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Lungenwurmerkrankung bei zweitsömmrigen Rindern und Kühen

Natürlich können ältere Rinder bei Lungenwurmbefall erkranken, wenn sie vorher keine Gelegenheit hatten in Kontakt mit Lungenwürmern zu kommen. Dies ist bei Zukauftieren aus Stallhaltung zu beachten. Aber auch die intensive Anwendung von Langzeitpräparaten gegen Magen-Darmwurmbefall in der ersten Weideperiode kann dazu führen, dass keine Immunität gegen Lungenwürmer aufgebaut wurde und dadurch die Erkrankung in die zweite Weideperiode „verschoben“ wird.

Ein in den vergangenen Jahrzehnten vermehrt auftretendes Problem ist das sogenannte „Reinvasionssyndrom“ bei Kühen. Wenn Kühe, die schon eine vollständige Immunität aufgebaut haben, auf hochgradig kontaminierte Weiden aufgetrieben werden, kann es sein, dass einige Larven die Immunität überwinden. Wenn diese dann die Lunge erreichen und sich zu erwachsenen Lungenwürmern entwickeln, kommt es zu einer massiven Immunreaktion und dadurch zu schweren Erkrankungen.

Dr. Ingrid Lorenz
Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

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