VMB-Mitgliederversammlung 2021

2. Dezember 2021

Auch dieses Jahr konnte der Verband der Milcherzeuger Bayern e.V. (VMB) seine Mitgliederversammlung in Herrsching am Ammersee abhalten. Im Haus der Bayerischen Landwirtschaft trafen sich im September nach altbewährtem Format die VMB-Delegierten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen fand im Anschluss die Fachveranstaltung mit zahlreichen Verbänden und Organisationen statt, mit denen der VMB im Rahmen seines Tätigkeitsfeldes zusammenarbeitet.

VMB-Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seufferlein lud Mitglieder und Besucher zu einer Fachveranstaltung im Rahmen der VMB-Mitgliederversammlung nach Herrsching.

Im internen Teil begrüßte der Vorsitzende Wolfgang Scholz alle VMB-Delegierten, die hauptamtlichen VMB-Angestellten sowie BBV-Milchreferentin Charlotte Hörner. Anschließend berichtete die VMB-Geschäftsführung über die Arbeit des Vorstandes, des Gremiums sowie des Hauptamtes im vergangenen Jahr, das beginnend mit dem Auftreten von Corona im März 2020 zu einer besonderen Herausforderung wurde. Insgesamt war das Jahr 2020 ein »Arbeiten auf Sicht«, das Ergebnis im Rückblick sehr zufriedenstellend: Der Milchbereich wurde im Gegensatz zu anderen Produktionsrichtungen weitgehend von Corona-Schlagzeilen verschont, die Milchabholung auf den Betrieben, trotz dramatisch sich ändernder Absatzwege, sichergestellt und auch der durchschnittliche Milchpreis konnte, im Nachhinein betrachtet, fast stabil gehalten werden. Auch die zahlreichen Audits auf den Betrieben konnten mit der entsprechenden Kulanz weitestgehend aufrechterhalten werden.

Fachvorträge am Nachmittag

Der Fachteil am Nachmittag war ganz dem aktuellen Thema »Tierwohl« gewidmet. Vorsitzender Wolfgang Scholz ging zu Beginn auf die politischen, gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Entwicklungen im vergangenen und auch im laufenden Jahr ein. Er selbst war in den Gesprächen auf Bundesebene in Arbeitsgruppen für den Bereich ITW Rindfleisch eingebunden, um dort praxistaugliche Kriterien für eine vom Lebensmittelhandel geforderte Weiterentwicklung des Tierwohls Rind einzutreten. Anschließend erläuterte BBV-Direktorin Isabella Timm-Guri in ihrem Vortrag »Initiative Tierwohl Rind – aktueller Stand«, den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen und zeigte die Zusammenhänge zwischen ITW Rindfleisch und QM Tierwohl auf. Beide Programme bilden vor allem über die Schlachtkuh eine enge Klammer. Frau Timm-Guri war, nach ihrer Arbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen von ITW Rindfleisch, in den vergangenen Wochen auch in den neu gebildeten Strategiegruppen eingebunden. Auf Bundesebene vertritt sie dort mit anderen Akteuren die Gruppe der Erzeuger und deren Interessen gegenüber den weiteren Vertretern der Wertschöpfungskette – im Bereich Fleisch sowie im Bereich Milch. Die weiteren Fachvorträge kamen vom langjährigen Geschäftsführer der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben eG, Sebastian Brandmaier, der über Erfahrungen und Perspektiven aus der Rindfleischvermarktung berichtete. Den Abschluss bildete das Referat vom Geschäftsführer des Milchwirtschaftlichen Vereins Baden-Württemberg und Vertreter der dortigen Regionalstelle QM-Milch, Dr. Markus Albrecht, zum Thema »Neue Anforderungen und Aufgaben für die Milchwirtschaft bei QM-Milch«. Die anschließende Diskussion der drei Vorträge führte teils zu sehr emotionalen Wortmeldungen und einem starken Plädoyer für die heimische Landwirtschaft.

Kennzeichnung von Milch ab 2022

Nachdem der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) angekündigt hatte, auch Milch und Milchprodukte ab 2022 mit dem vierstufigen Haltungsform-Kennzeichen zu versehen, fand sich eine Gruppe ausgewählter Akteure zusammen, um unter anderem einen Kriterienkatalog sowie einen Aufpreis zu definieren. An den Arbeitsgruppen beteiligt sind unter anderem der LEH, die Geschäftsstellen von QM und QS, Vertreter aus Land-, Milch- und Schlachtwirtschaft, die ITW Geschäftsstelle sowie Vertreter von Seiten der Tierärzte. Mit der »QM-Stufe 2« soll Milch gekennzeichnet werden, die von Milcherzeugern stammt, die strengere Vorgaben für Tiergesundheit und Tierwohl einhalten. Dafür sagte der Handel einen Preisaufschlag zu.
Im Frühjahr 2020 trafen sich alle Akteure zum ersten Strategiegespräch. Schnell wurde klar, ein neues Tierwohllabel ist nicht mal eben so erstellt, sondern gleicht einer Mammutaufgabe! Bereits die Erarbeitung des Kriterienkataloges stellte sich als äußerst schwierig und komplex heraus. Als Vorbild galten ITW Schwein- und Geflügelfleisch, wobei diese Programme nur bedingt als Grundlage genommen werden können. Nachdem im Februar der erste Katalog fertig erarbeitet war, wurde dieser von Ökonomen bewertet, mit dem Ziel ein »Preisschild« festzulegen. Die Entscheidung fiel bewusst auf unabhängige Ökonomen, darunter das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Als Basis der Bewertung diente ein Betrieb mit 85 Milchkühen mit einer Milchleistung von 720.000 kg Milch. Der Auftrag an die Ökonomen war klar definiert: Wie hoch ist die zusätzliche finanzielle Belastung für den Landwirt?

Finanzierungsbereitschaft des LEH ist eine Herausforderung

Die darauffolgende Diskussion wurde erneut heftig und kontrovers geführt, mit dem Resultat, dass einige Kriterien aus dem Katalog gestrichen wurden. Die Wünsche des Lebensmitteleinzelhandels seien zu Beginn hoch, höher, am höchsten, würden sich aber sehr schnell ändern, sobald das Produkt ein Preisschild bekommt, stellte Frau Timm-Guri klar. Aber: Einen Mercedes bestellen und einen Fiat Panda bezahlen wollen, das gehe eben nicht. Immer wieder wird deutlich: Die Finanzierungsbereitschaft des LEH ist eine Herausforderung. Um den Preis niedriger zu halten, bringt der LEH verschiedene Argumente vor und stellt zum Beispiel die Frage, ob die gute fachliche Praxis nicht schon viel weiter und das Ausgangsniveau, von dem aus das Preisschild berechnet wurde, noch korrekt sei. Darüber versuche sich der LEH gerne in Überzeugungsarbeit, dass die Einführung der Kriterien auch für die Landwirte von Nutzen sei.

Kriterienkatalog wurde erneut angepasst

Das Resultat der erneuten Diskussionen war, dass einige Kriterien gestrichen wurden. Weichen mussten zum Beispiel die »Check-Kriterien«, darunter Stall- und Tränkewassercheck, und die Grundfutteranalyse. Als Argument wurde angebracht, dass dies keine Kriterien sind, die dem Verbraucher leicht kommuniziert werden können. Beim Tränkewassercheck kam hinzu, dass dieses Kriterium aus den Programmen von ITW Schwein bzw. Geflügel, also Monogastriern, übernommen wurde und dies bei Wiederkäuern anders bewertet werden müsse. Nachträglich hinzu kam die intensivierte tierärztliche Bestandbestreuung, die im Preismodell noch nicht berücksichtigt ist.
Über kurz oder lang müssen Entscheidungen fallen, denn die Verhandlungen sind lange genug gelaufen. Ob das Modell um jeden Preis zum Erfolg verdammt sei? »Definitiv nicht. Wenn es keine Einigung gibt, dann muss man das irgendwann akzeptieren«, so Timm-Guri. Stand Mitte Oktober 2021: Noch immer sind keine Ergebnisse aus den Verhandlungen spruchreif, denn nur das Gesamtpaket kann als finaler Bewertungsmaßstab dienen – und dazu zählt eben auch die geforderte Honorierung der Erzeugerseite!

Wohin geht der Weg?

Mit der Veranstaltung im Rahmen der VMB-Mitgliederversammlung konnte den Akteuren vor Ort und auch durch die Berichterstattung über die Fachmedien ein guter Überblick über den aktuellen Stand gegeben werden. Viele Fragen sind offen und die Zeit läuft, denn bereits zu Beginn kommenden Jahres wird der Lebensmittelhandel wohl die Haltungsformkennzeichnung auf Milchprodukten einführen. Viele Milcherzeuger haben Sorge, aus dem Markt gedrängt zu werden, sollte die Anbindehaltung, die für Verbraucher und Handel nicht mit Tierwohl vereinbar zu sein scheint, in Stufe 1 fallen und somit nicht mehr akzeptiert werden. Ob die Initiative »Tierwohl Rind« rechtzeitig mit einer Auslobung des Rindfleisches beginnen kann, darf angesichts des knappen Zeitfensters ernsthaft bezweifelt werden.

ag

Die Mitgliederversammlung des VMB bot den Besuchern einen guten Überblick über den aktuellen Stand. Fotos: Jürgen Geyer

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