Melken – so geht‘s richtig!

15. März 2021

Beim Melken kann man Vieles falsch machen, dabei bildet das richtige Vorgehen die Basis für gesunde Euter und die Milchqualität. Grundstein dafür sind eine gute Melkroutine und die optimale Melkhygiene. Worauf man dabei achten sollte, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das Melkzeug sollte sorgfältig positioniert werden (Zitzenbecher senkrecht unter den Zitzen, Zitzengummis und Schläuche nicht verdreht).

Jeder Betrieb hat seine eigenen Vorgehensweisen und Routinen, und solange die Eutergesundheit stimmt und damit die Milchqualität, muss man an dieser Schraube auch nicht drehen. Wer dennoch Verbesserungspotenzial bei der eigenen Melkarbeit sieht, kann dieser Anleitung folgen:

1. Vormelkbecher verwenden

Das Vormelken in den Vormelkbecher verhindert das Verspritzen und damit das Verschleppen erregerhaltiger Milch mit den Klauen. Zusätzlich können etwaige Veränderungen der Milch, wie Farbveränderungen oder Flocken, rasch erkannt werden. So kann man bei ersten Anzeichen einer Eutererkrankung oder Schädigung gleich reagieren. Betrieben, die auf das Vormelken verzichten, fehlt dieser einfache aber effektive tägliche Kontrollschritt.

2. Zitzenreinigung und Anrüsten

Das Ziel der Zitzenreinigung vor dem Melken sind saubere und trockene Zitzen beim Ansetzen des Melkzeugs. Die Reinigungsmethode richtet sich vor allem nach dem Verschmutzungsgrad des Euters und dem Eutergesundheitsstatus der Herde. Wenn Mehrwegtücher verwendet werden, gilt, wie auch bei Euterpapier, der Grundsatz: ein Tuch pro Kuh. Das mehrfache Verwenden von ein und demselben Euterlappen oder Euterpapier bei mehreren Kühen stellt ein enorm großes Risiko für die Verschleppung von Mastitiserregern von Kuh zu Kuh dar.

Diese Reinigungsmöglichkeiten gibt es:
Holzwolle und trockenes Euterpapier: Die Trockenreinigung mit Holzwolle oder trockenem Euterpapier ist ideal für nicht zu stark verschmutze Euter, bei einem gutem Eutergesundheitsstatus. Holzwolle entfernt zudem sehr gut Reste von barrierebildenden Dippmitteln und unterstützt durch die Struktur das Anrüsten, weil die Zitzenspitze damit gut stimuliert wird. Wichtig ist, dass die Holzwolle trocken und sauber gelagert wird, damit sich keine Keime darin vermehren können.

Schleuderfeuchte Mehrwegtücher und feuchtes Euterpapier: Da bei der Reinigung von Eutern sehr viel Müll in Form von gebrauchtem Euterpapier anfällt, verwenden einige Betriebe gerne Mehrwegtücher. Verwendete Mehrwegtücher am besten in einem Eimer sammeln und nach jeder Verwendung heiß (90 °C) waschen. Mehrwegtücher, die nur in Desinfektionsmittellösungen ausgewaschen und aufbewahrt werden, weisen oft bakterielle Verunreinigungen auf und sind daher für die Reinigung nicht empfehlenswert.

Desinfektionslösung-getränktes Euterpapier oder Reinigungsschaum: Vor allem Betrieben mit einem Bestandesproblem wird eine desinfizierende Reinigung empfohlen. Alle gängigen Präparate sind auf Jod-, Chlor- oder Alkoholbasis. Diese drei Stoffe reinigen und desinfizieren hervorragend, reizen aber auch die empfindliche Euterhaut. Bei einer desinfizierenden Reinigung darf man nach dem Melken deswegen nicht auf die Euterpflege verzichten.

Euterdusche: Diese nur bei sehr stark verschmutzen Eutern und in Ausnahmefällen verwenden. Bei der Anwendung gezielt nur die Euterbasis und die Zitzen waschen und danach nachtrocknen. Wenn das ganze Euter gewaschen wird, wird sehr viel Schmutz vom Euter gelöst und sammelt sich an der Zitzenspitze bzw. im Melkbecher. Auf nassen Zitzen beginnt der Melkbecher zudem sehr schnell zu klettern, was ein vollständiges Ausmelken erschwert.

Beim Vormelken und Reinigen der Zitzen sind idealerweise 30-90 Sekunden vergangen. In dieser Zeit muss das Euter vor allem an der Zitzenspitze stimuliert werden, um die Ausschüttung von Oxytocin anzuregen. Dieses Milchabgabehormon muss im Euter aktiv sein, wenn man das Melkzeug ansteckt. Nur so kann euterschonend und rasch gemolken werden. Die Zeitspanne, die die Milch zum Einschießen braucht, hängt auch von der Laktationszahl und dem Laktationsstadium ab. Ältere und altmelkende Kühe brauchen in der Regel mehr Stimulation. Bei Jungkühen kann das verzögerte Einschießen der Milch am Stresshormon Adrenalin hängen. Dieses wirkt dem Oxytocin entgegen, wodurch die Kuh die Milch nicht abgeben kann. Alles was die Tiere im Melkstand stresst oder ängstigt, muss also vermieden werden. Jungkühe sollten aus diesem Grund am besten vor der Abkalbung den Melkstand schon kennenlernen und auf keinen Fall sollten Tiere im Melkstand geschlagen oder tierärztlich behandelt werden.

3. Melkzeug ansetzen und Milchfluss im Auge behalten

Wenn das Melkzeug zu früh angesetzt wird, kann es passieren, dass die frei verfügbare Milch (ca. 20 %) abgemolken ist, bevor die Milch aus den Alveolen, den Milchbläschen, nachfolgt und so das Euter durch Blindmelken belastet und der Melkvorgang unnötig verlängert wird. Die Melkanlage sollte regelmäßig gewartet und Verschleißteile ausgetauscht werden. Eine jährliche Melkanlagenüberprüfung stellt sicher, dass Vakuumstärke und Pulsatortaktung immer noch ideal für die Bedürfnisse des Tieres eingestellt sind. Für Rinder wird ein Rhythmus von 60 Doppeltakten pro Minute empfohlen. Wenn das Vakuum zu stark ist, wird die Zitzenspitze sehr beansprucht, was Hyperkeratosen zur Folge haben kann.
Vakuumeinbrüche und das Einsaugen der unsauberen Stallluft sollen beim Melken vermieden werden, ansonsten steigt die Gefahr von Euterentzündungen. Wenn keine oder kaum mehr Milch fließt, muss das Melkzeug abgenommen werden, denn Blindmelken schädigt die Zitzenkondition.

4. Nach dem Melken

Die Zitzendesinfektion nach dem Melken wirkt einer Infektion mit Mastitiserregern entgegen. Das Tauchen der Zitzen sollte unmittelbar nach Abnahme des Melkzeuges erfolgen.
Beim Tauchen der Zitzen müssen mindestens die unteren zwei Drittel der Zitze mit dem Mittel benetzt sein. Als Tauchbecher sollte ein »Non Return-Becher« verwendet werden, der nur mit der für zwei Melkzeiten notwendigen Menge befüllt ist und vor dem Nachfüllen gründlich gereinigt wird. Es soll nie der gleiche Dippbecher für unbehandelte und behandelte Kühe verwendet werden. Wenn die Zitzen desinfizierend gereinigt werden, muss ein Dippmittel mit einer Pflegekomponente verwendet werden (Fette, Glycerin). Raue Zitzenhaut ist eine Ansiedelfläche für Keime, ist rissiger und anfälliger für Verletzungen. Die Zwischendesinfektion der Melkzeuge ist vor allem für Betriebe empfehlenswert, die Probleme mit euterspezifischen Mastitiserregern, die während des Melkvorganges von Kuh zu Kuh übertragen werden können, haben.

Johanna Mandl

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