Umbaulösungen: Umstellung auf Melkroboter

14. Januar 2022

Was gilt es bei der Umstellung auf einen Melkroboter zu beachten? Worauf kommt es an, um mit dem Melkroboter erfolgreich Milch zu produzieren? Wir haben zusammengestellt, was Sie bei der Planung von Umbaulösungen berücksichtigen sollten.

Sofern der Stall nicht erweitert werden soll und die Gänge breit genug für einen reibungslosen Tierverkehr sind, ist gegen die weitere Nutzung des Melkstands als Standort für den Melkroboter nichts einzuwenden. Foto: Harms

Melkroboter brauchen im Vergleich zu anderen Melksystemen weniger Platz. Das macht sie für Umbaulösungen von Milchviehställen interessant. Bei der Planung werden häufig die täglichen Abläufe bei Mensch und Tier zu wenig berücksichtigt. Der Fokus liegt eher auf baulichen und technischen Voraussetzungen. Sofern der Stall nicht erweitert werden soll und die Gänge breit genug für einen reibungslosen Tierverkehr sind, kann der Melkstand als Standort für den Melkroboter genutzt werden. Das hält die Kosten niedrig, weil sich der Tank- und der Technikraum in der Nähe befinden und meist auch eine Selektionsmöglichkeit oder der Abkalbebereich angrenzt.

Im Falle von Erweiterungen bietet der alte Standort den Tieren jedoch sehr häufig zu wenig Platz. Letztendlich limitiert in solchen Fällen der Stall die Kapazität des Melksystems und führt in der Folge zu einer Mehrbelastung durch das notwendige Nachtreiben. So sind die Laufgänge zur und von der Melkbox meist deutlich zu schmal für einen reibungslosen Tierverkehr, und auch der Selektions- und Abkalbebereich ist den zukünftigen Anforderungen nicht gewachsen. Hinzu kommen häufig zu geringe Liegeboxenmaße in diesem Bereich sowie ein schlechteres Stallklima. Überlegen Sie bei Erweiterungen, ob eine Anordnung der Melkbox im geplanten Anbau sowie die Nutzung des Altbaus für die Selektion, das Abkalben und die Trockensteher nicht mehr Sinn haben.
Die Tiere müssen die Melkbox möglichst reibungslos erreichen und verlassen können. Können Wege an bestimmten Stellen durch ranghohe Tiere »blockiert« werden, gehen rangniedrigere weniger gern zum Melken. Dementsprechend müssen Sie entweder mehr nachtreiben oder einen geringeren Durchsatz des Melkroboters in Kauf nehmen.

Zusätzliche Wege

Wo breite Zugänge nicht möglich sind, sollten Sie überlegen, ob ein zusätzlicher Weg in Richtung Melkbox geschaffen werden kann (z.B. über den Laufhof). Die Länge der Zugangswege oder auch die oft beschriebene Sichtbarkeit der Melkbox ist hingegen nicht so entscheidend wie die störungsfreie Erreichbarkeit. Der Ausgang aus der Melkbox ist für die Kuh genauso wichtig wie der Eingang. Ist der Ausgang trichterförmig gestaltet, können ihn ranghohe Tiere blockieren. Daher sollte er möglichst nicht in einer Ecke liegen. Lässt sich das jedoch nicht vermeiden, sollten Sie zumindest nach dem Ausgangstor der Melkbox noch mindestens eine Kuhlänge bis zum Texastor vorsehen. So kann die Kuh zumindest die Melkbox verlassen, damit das nächste Tier gemolken werden kann.

Hubtore im Wartebereich

Planen Sie für eine Einboxenanlage einen mindestens 15 bis 20 m² großen Wartebereich mit Tränken ein. Die Fläche soll Platz für fünf bis sieben Tiere bieten, bei Mehrboxenanlagen ent-sprechend mehr. Achten Sie darauf, dass auch bei Umbaulösungen keine Seite schmäler als drei Meter ist, bei Neubauten werden fünf Meter empfohlen. Ein Schlupf hinter der Melkbox erleichtert es, nach dem Hereintreiben eines Tieres unmittelbar in die »Melkgrube« zu wechseln. Der Wartebereich sollte absperrbar sein, damit herangetriebene Tiere ihn nicht wieder verlassen können. Die komfortabelste Lösung sind platzsparende Hubtore. Eine Abtrennung mit Einwegtoren ermöglicht weiteren Tieren den Zutritt. Erfahrungen in der Praxis haben aber gezeigt, dass das gewünschte Tier unter Umständen erst sehr spät gemolken wird, wenn ranghohe Tiere nachkommen. Problematisch bei Einwegtoren ist auch, dass rangniedere Tiere den Wartebereich ungern aufsuchen, da sie den nachkommenden ranghohen Tieren nicht mehr aus dem Weg gehen können.

Selektionstore lenken die Tiere

Bei einer Vorselektion, wo nur melkberechtigte Tiere in den Wartebereich gelangen, sollten Sie darauf achten, dass der Wartebereich groß genug ist. Die Tiere haben keine Ausweichmöglichkeit mehr! Nachselektionseinrichtungen senken den Arbeitszeitbedarf. Die Nachselektionsbucht sollte einen Zugang zu Futter und Wasser ermöglichen und mit Liegeboxen ausgestattet sein. Selbstfangfressgitter in diesem Bereich erleichtern Untersuchungen und Behandlungen am Tier. Selektionstore mit Tiererkennung am Übergang zwischen Liege- und Fressbereich sind ein guter Kompromiss zwischen gelenktem und freiem Umtrieb. Solche Tore lassen melkberechtigte, aber auch frischmelkende Kühe individuell in den Fressbereich. Sie haben somit einen freien Umtrieb. Für überfällige Kühe bleiben die Tore hingegen versperrt, sodass sie nur über die Melkbox zum Futter gelangen.

Büroarbeit mit Blick aufs Tier

In der täglichen Arbeit mit automatischen Melksystemen (AMS) verbringen Sie mehr Zeit am Bildschirm. Um kurzfristig Aktionslisten zu bearbeiten oder um Tätigkeiten und Beobachtungen im Stall einzugeben, ist ein »Schmutz-PC« in der Nähe der Tiere und des Melkroboters vorteilhaft. Für die »echte« Büroarbeit, wie Listen auswerten oder Einstellungen anpassen, sollten Sie einen »Büro-PC« in einem beheizten und gut belüfteten Raum nutzen. Speichern Sie Ihre Daten auf diesem Computer physikalisch, da er besser geschützt ist als der PC im Stall. Diese Trennung ermöglicht Ihnen, das Büro auch über dem AMS anzuordnen. Daraus ergibt sich eine gute Möglichkeit zur Herdenbeobachtung. Erledigen Sie hier auch weitere Büroarbeiten (z.B. Schlagkartei,…), können Sie nebenbei immer wieder einen Blick auf das Geschehen im Stall werfen.

Technik braucht Platz

Idealerweise liegt der Technikraum in der Nähe der Milchkammer. Planen Sie unbedingt genügend Platz für die Elektro- und Wasserinstallation ein. Achten Sie bei Betriebsbesuchen darauf. Hilfreich ist, in der Planungsphase einen detaillierten Plan dieses Raums zu haben, in den alle beteiligten Gewerke ihren Bedarf einzeichnen. Das macht auch Kreuzungen sowie notwendige Wand- oder Deckendurchbrüche ersichtlich. Viele vergessen in der Planung, einen geeigneten Lagerraum für Betriebsmittel, Verschleißteile, Geräte und Werkzeuge zu schaffen. Gehen Sie im Vorfeld gedanklich durch den eigenen Betrieb und holen Sie sich Eindrücke auf anderen Betrieben, um dann alles griffbereit zu haben. Strom- und Wasserverbrauch automatischer Melksysteme werden immer wieder als Kaufargument angeführt, wobei kaum ein Betrieb weiß, wie viel Strom oder Wasser sein System oder gar eine einzelne Komponente verbraucht. Wer das eigene System optimieren will, muss den Strom- und Wasserverbrauch möglichst einzeln für die größten Verbraucher wie Vakuumpumpe, Kompressor, Boiler oder das Kühlaggregat erfassen.

Hohe Auflösung nötig

Achten Sie beim Einsatz von Daten-loggern darauf, dass die Zähler eine möglichst hohe Auflösung haben (z.B. 1.000 Impulse/kWh). Sonst gehen wertvolle Informationen verloren. Die Kosten für Stromzähler beginnen bei jenen für Wechselspannung mit etwas über 50 EUR, bei Drehstromzählern sind ca. 150 EUR anzusetzen. Unterschätzen Sie nicht die Kosten für den Einbau der Zähler, die vor allem bei einer Nachrüstung deutlich höher ausfallen. So ausgestattet können Sie auf »Fehlersuche« gehen. Sie können die Entwicklungen im Verbrauch der einzelnen Komponenten verfolgen oder die gemessenen Werte mit den Angaben der Hersteller vergleichen. Ein erhöhter Verbrauch kann hierbei neben Defekten auch durch veränderte Einstellungen, häufigere Reinigungen oder mehr Melkungen verursacht sein. Daher ist es wichtig, auch die entsprechenden Listen mit der Anzahl der Melkungen und Reinigungen sowie die Einstellungen (z.B. eingestellte Wassermenge) zu sichern, um später Rückschlüsse auf mögliche Ursachen zu ziehen. Für den Stromverbrauch ist aber auch der Wartungszustand von Kühlaggregat, Boiler oder Kompressor entscheidend.

Regelmäßig überprüfen

Achten Sie auf den Verschmutzungsgrad der Kühler und Druckluft- bzw. Vakuumverluste. Überprüfen Sie den Stromverbrauch regelmäßig, können Sie über einen steigenden Verbrauch einen Defekt rechtzeitig bemerken. Viele unterschätzen den Energieverbrauch für die Reinigungen des AMS. Den größten Anteil verursacht hierbei die elektrische Warmwasserbereitung. Sie kann je nach Einstellung der Anlage, Anzahl der durchgeführten Reinigungen und Nutzung der Wärmerückgewinnung bei der Milchkühlung bis zu einem Drittel des gesamten Energiebedarfs ausmachen. Überlegen Sie, ob nicht andere Energiequellen sinnvoller für die Warmwasserbereitung eingesetzt werden können (z.B. Solarkollektoren, Öl-, Gas- oder Holzheizkessel).

Dr. Jan Harms,
Bayerische Landesanstalt
für Landwirtschaft (LfL)

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