Mit Hacke und Striegel

17. Januar 2019

Vor dem Hintergrund voranschreitender Wirkungslücken bei Herbiziden, Resistenzen bei Unkräutern und Funden von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen im Grundwasser bahnt sich im konventionellen Maisanbau eine Renaissance von mechanischen Verfahren an. Im folgenden Bericht wird am Beispiel des Öko-Maisanbaus erläutert, welche mechanische Regulierungstechnik eingesetzt werden kann und was beim praktischen Einsatz zu beachten ist.

Der Rollstriegel wird auch als reihenunabhängige Technik angeboten.

Einböck-Striegel mit direkter Zinkenaufhängung.

Treffler-Striegel mit indirekter Zinkenaufhängung.

Einsatz der Sternrollhacke (Rotary Hoe) im Vorauflauf

Die Kamerahacktechnik ist praxistauglich, verbessert die Flächenleistung und entlastet den Fahrer

Anhäufeln von Mais mit Kartoffelhäufeltechnik

Früher Einsatz der Rollhacke im Mais

Hoher Regulierungserfolg durch Blindstriegeln vier Tage nach der Saat (linke Bildhälfte), rechte Bildhälfte ohne Blindstriegeln (die Aufnahme erfolgte zehnTage nach dem Blindstriegeln).

Damit Striegel- und Hackwerkzeuge exakt arbeiten können, muss auf eine gleichmäßige Pflugarbeit, sorgfältige Saatbettbereitung und Aussaat geachtet werden. Ziel ist ein ebener, gut rückverfestigter Acker.

Für den präzisen Einsatz der Hackwerkzeuge müssen die Spurreißer am Sägerät korrekt eingestellt sein, damit die Reihenanschlüsse genau eingehalten werden. Eine große Erleichterung und Unterstützung bei der Saat bieten zudem Parallelführungssysteme, Lenkassistenten oder automatische Lenksysteme.

Außerdem sollte an den Schlagrändern die jeweils erste Maisreihe mit ausreichendem Abstand zur Schlagkante gelegt werden, damit später das äußere Aggregat der Schar- oder Rollhacke störungsfrei arbeiten kann. Lohnunternehmer sollten nachdrücklich auf diese Punkte hingewiesen und während der Aussaat auch kontrolliert werden! Eine äußerst wichtige Arbeit bei der Unkrautregulierung leistet der Zinkenstriegel.

Wie wirkt eine Hacke oder Striegel?

Die wesentliche Wirkung ist das Verschütten der noch kleinen Unkräuter. Es muss deshalb bereits das frühe Fädchen-bis Keimblattstadium der Unkräuter getroffen werden. Das bedeutet, dass möglicherweise schon wenige Tage nach der Aussaat im Vorauflauf ein erstes Blindstriegeln durchzuführen ist. Die tiefere Ablage des Maissaatgutes ermöglicht im Vorauflauf auch ein intensiveres Striegeln. Unter Umständen ist ein weiterer Striegelgang im Vorauflauf erforderlich. Die Abbildung 1 zeigt sehr eindrucksvoll, welcher Unkrautregulierungserfolg mit einem Blindstriegeln wenige Tage nach der Saat möglich ist.

Mit jedem Striegeldurchgang werden neue Unkräuter zum Keimen angeregt. Deshalb sind folgende Striegeleinsätze konsequent an erneut keimenden bzw. auflaufenden Unkräutern auszurichten. In diesem Zeitraum ist die Beobachtung der Unkrautentwicklung durch regelmäßige Schlagkontrollen unerlässlich. Zudem sind die Wetterprognosen im Blick zu behalten.

Mais ist empfindlich

Sowohl beim Blindstriegeln als auch beim Striegeln im Nachauflauf kann ein Striegeln diagonal oder sogar im 90°- Winkel zur Drillrichtung sinnvoll sein. Im Nachauflauf sind Pflanzenschäden durch die Schlepperräder zwar nicht auszuschließen, der Unkrautregulierungserfolg dieser Maßnahme kann aber sehr hoch sein. Der Mais ist striegelempfindlich, wenn der Keimling kurz vor dem Durchstoßen der Bodenoberfläche ist, bzw. sich bereits im Aufgang befindet. Die Striegelverträglichkeit verbessert sich ab dem 1. Laubblatt (BBCH 11) des Maises. In dieser Phase muss mit reduzierter Arbeitsgeschwindigkeit und ggf. weicherem Striegelzinkendruck gearbeitet werden. Grundsätzlich ist das Striegeln auf die Nachmittagsstunden zu legen, da dann die Maispflanzen elastischer sind und nicht so schnell abbrechen. Bei Striegeleinsätzen etwa ab dem 2. Laubblatt (BBCH 12) ist darauf zu achten, dass die Maispflanzen nicht durch eine zu hohe Arbeitsgeschwindigkeit verschüttet oder schräg gestellt werden. Sie richten sich nur sehr langsam wieder auf und sind in der weiteren Entwicklung gehemmt.

Abbildung 1

Die meisten Zinkenstriegel auf dem Markt werden mit direkt gefederten Zinken angeboten. Die Aggressivität der Zinken wird über die Verstellung des Anstellwinkels variiert. Einzelne Hersteller bieten auf Wunsch auch eine stufenlose hydraulische Verstellung vom Schlepper aus an. Ausgereifte Striegeltechnik wird beispielsweise von Einböck, Hatzenbichler und Carré angeboten.

Vor rund zehn Jahren hat die Firma Treffler mit ihrem Zinkenstriegel zweifellos einen neuen Maßstab gesetzt. Dieser Striegel unterscheidet sich von allen anderen Anbietern in der indirekten Aufhängung der Striegelzinken. Jeder Zinken ist einzeln über eine Zugfeder aufgehängt und kann seitlich nicht ausweichen. Jede Zugfeder ist über ein Stahlseil mit einer zentralen Welle verbunden. Durch das Verdrehen der Welle werden die einzelnen Zugfedern gespannt und dadurch der Zinkendruck verstellt. Die Zinkenaggressivität wird somit nicht über die Verstellung des Neigungswinkels des Zinkenträgers, sondern durch die Veränderung der Vorspannung der Zugfedern eingestellt. Der Druck ist so immer auf alle Zinken gleich, auch wenn sie durch Bodenunebenheiten unterschiedliche Stellungen haben. Damit passt sich der Striegel Unebenheiten im Boden sehr gut an und überzeugt mit einer guten Kulturschonung. Selbst Kartoffeldämme lassen sich hervorragend striegeln.

Fazit

Damit Striegel- und Hackwerkzeuge exakt arbeiten können, muss auf eine gleichmäßige Pflugarbeit, sorgfältige Saatbettbereitung, Aussaat und Spurreißereinstellung geachtet werden. Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von Striegel- und Hacktechnik im Maisanbau ist ein frühzeitiger und kontinuierlicher Einsatz im frühen Unkrautstadium. Blindstriegeln im Vorauflauf des Maises ist fest einzuplanen und weitere Striegeleinsätze sind konsequent an erneut keimenden bzw. auflaufenden Unkräutern auszurichten.

Nach dem Aufgang des Maises kann zusätzlich mit dem Einsatz der Scharhacke begonnen werden. Um die Unkräuter auch innerhalb der Maisreihen zu regulieren, können Zusatzwerkzeuge wie Fingerhacke, Torsionshacke oder Flachhäufler den Regulierungserfolg wesentlich verbessern und sollten an keiner Hacke fehlen. Besonders der Einsatz von häufelnden Werkzeugen ist im Mais gut möglich. Hier hat sich die Rollhacke bewährt. Als Abschlussmaßnahme ist auch ein Anhäufeln mit Kartoffelhäufeltechnik gut möglich.

Markus Mücke, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

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