Mineraldünger: Hohe Qualität für mehr Effizienz
Hohe Mineraldüngerpreise haben den Markt für Düngerimporte geöffnet. Immer mehr Ware aus Regionen mit geringeren Qualitätsansprüchen dominiert den Markt. Dabei wird es gerade in Zeiten hoher Mineraldüngerpreise immer wichtiger, dass die Qualität des gekauften Düngemittels auch bis zur Applikation erhalten bleibt. Eine praxisgerechte Verteilung und damit auch optimale Effizienz ist nur durch eine gute Qualität zu gewährleisten.
Ein Ureaseinhibitor (UI) schützt den Harnstoff vor zu schneller Umwandlung in die Ammoniumform über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen. Der gebildete Ammoniumstickstoff kann deshalb besser an den Bodenteilchen gebunden werden. Das Risiko von Ammoniakverlusten wird nahezu ausgeschaltet. Eine weitere Beeinflussung der Stickstoffumwandlung im Boden findet nicht statt. Deshalb gleicht die Anwendung von Harnstoff + UI den von traditionellen Düngern.
Nach rechtlichen Vorgaben kann eine Ausbringung von Harnstoff über 44 % Stickstoff ohne darauffolgende Einarbeitung nur noch dann erfolgen, wenn der Harnstoff einen Ureaseinhibitor enthält. Hier setzt der wichtigste Unterschied zwischen Importware und Markenqualität an. Bei stabilisierten Fertigprodukten ist der Wirkstoff in der von der Düngemittelverordnung geforderten Konzentration inkludiert. Der Ureaseinhibitor ist damit bereits im Dünger enthalten. Somit steht Ware mit einer definierten und hohen Qualität zur Verfügung. Bei Verwendung von Importware riskiert der Anwender nicht nur einen Verstoß gegen die Düngemittelverordnung, sondern auch die stärkere Belastung der Umwelt mit klimaschädlichen Gasen.
Besprühter Harnstoff anfällig für Qualitätsmängel
Um den rechtlichen Anforderungen zu entsprechen, wird importierte Ware im Nachgang mit einem Ureaseinhibitor besprüht. Diese Vorgehensweise ist zwar möglich, birgt aber einige Risiken, die sich negativ auf die Düngemittelqualität und die Verkehrsfähigkeit nach Düngegesetz auswirken können.
Die Düngemittelverordnung schreibt Mindest- und Höchstgehalte an Wirkstoff zum Applikationszeitpunkt vor. Bei einer stichprobenartigen Analyse von 26 Harnstoffproben mit aufgesprühtem Ureaseinhibitor waren 15 davon nicht verkehrsfähig. 13 Proben unterschritten den Mindestgehalt an Wirkstoff und zwei überschritten den Höchstgehalt. Ein Teil der Ware wurde bereits mit einer zu geringen Konzentration an Ureaseinhibitor ausgeliefert. Zusätzlich trat noch ein Wirkstoffabbau während der Lagerung auf. Der gewählte und aufgesprühte Ureaseinhibitor erreicht zudem nicht die Lagerstabilität von bis zu zwölf Monaten, die ein Fertigprodukt oder qualitativ hochwertige Ureaseinhibitoren bieten.
Düngerqualität beeinflusst auch die Querverteilung
Durch das nachträgliche Aufbringen von Wirkstoff bei Importharnstoff verändert sich die Granulatoberfläche. Da es nicht für jeden besprühten Harnstoffdünger Streutabellen gibt, kann das veränderte Streuverhalten zu teils massiven Abweichungen in der Querverteilung führen. Bei Fertigprodukten ist die Produkteigenschaft definiert und es liegen Streutabellen vor.
Auch die Lagerung von Ware unterschiedlicher Herkunft in einer Box kann Ursache für Streufehler sein. Das gilt nicht nur bei Harnstoff, sondern auch für alle anderen Produkte wie z. B. Kalkammonsalpeter oder SSA. Gerade bei Importware kann der mittlere Korndurchmesser oft sehr stark variieren. Werden dann deutlich voneinander abweichende Düngerqualitäten auf ein Haufwerk gekippt, ist eine exakte Querverteilung mit einem Scheibenstreuer nicht mehr möglich. Eine ungenügende Querverteilung ist die Folge. Es kommt zur sogenannten »technischen Streifenkrankheit«, welche zu deutlichen Ertragsausfällen und damit finanziellen Verlusten führt. Grund: Eine Streuabweichung ist erst ab ca. 30 % überhaupt für das menschliche Auge sichtbar.
Der genauen und gleichmäßigen Querverteilung des eingesetzten Düngemittels muss jedoch oberste Priorität eingeräumt werden, um den gesamten Pflanzenbestand eines Schlages bedarfsgerecht düngen zu können.
Korngröße beeinflusst Variationskoeffizient
Eine Abdrehprobe und ein Test der Querverteilung mit Streuschalen sind für die Stickstoffeffizienz genauso wichtig wie die Düngermenge. Als Parameter zur Einschätzung der Verteilgenauigkeit hat sich der Variationskoeffizient (VK) als maßgeblich erwiesen.
Doch was sagt der VK überhaupt aus?
Der VK ist das Maß für die Genauigkeit der Düngerausbringung. Er bildet die mittlere prozentuale Abweichung der Ist-Streumenge von der Soll-Streumenge je Teilbereich der Arbeitsbreite ab. Werte zwischen 10 und 15 % beschreiben ein gutes Streubild und führen zu einer guten Querverteilung der applizierten Nährstoffe in der Fläche. Beeinflusst wird der VK auch durch die Korngröße und Kornhärte, welche bei Import-Düngern häufig stark variieren. Eine optimale Korngrößenverteilung von 1,6 bis 5 mm – der Hauptteil bei 3,5 mm – bringt auf dem Feld einen optimalen Variationskoeffizienten. Größere Düngergranalien fliegen bei gleichem Schüttgewicht weiter als kleinere. Rein physikalisch gesehen bietet ein größeres Korn weniger Angriffsfläche für den Luftwiderstand und hat somit bessere Flugeigenschaften. Je höher der Feinkornanteil, desto schlechter lässt sich der Dünger streuen.
Höhere Arbeitsbreiten sind mit qualitativ minderwertigem Dünger praktisch nicht möglich. Hinzu kommt die extreme mechanische Belastung des Düngers bei größeren Streuweiten und die Gefahr des größeren Düngerkornabriebs bei längeren Streuschaufeln. Um die daraus resultierende Staubentwicklung abzumildern, sollte auf eine gute Düngerqualität geachtet werden.
- Für eine exakte und bedarfsgerechte Applikation von granulierten Düngemitteln, müssen folgende Punkte unbedingt beachtet werden:
- Schon beim Einkauf auf qualitativ hochwertige Düngemittel achten!
- Sachgerechte Lagerung des Düngemittels, um Düngemittelqualität bis zur Applikation zu erhalten.
- Einwandfreier technischer Zustand des Düngerstreuers (z. B. Wurfflügel).
- Einstellung des Düngerstreuers nach Streutabelle.
- Querverteilung mithilfe eines Streuschalensets überprüfen.
Matthias Neuner, Reinhard Lindinger, LAD Bayern
