Perspektiven für die Tierhaltung in der Ukraine

11. Januar 2023

Nachbericht zur Ukraine-Konferenz auf der EuroTier 2022 – Europäische Integration als Zukunftsziel

Foto: DLG

Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) führte am 16. November 2022 eine Fachveranstaltung zum Thema „Existenzkampf der ukrainischen Tierhaltung“ in Kooperation mit dem Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialog (APD) im Rahmen der Messe EuroTier 2022 durch. Zu der Veranstaltung im Convention Center konnten sich auch rund 150 Teilnehmende online hinzuschalten. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Agrarpolitik, von Agrarfachverbänden und Agrarbetrieben sowie eine Vielzahl von Fachkräften aus der Ukraine, Deutschland und anderen Ländern. In zwei Impulsvorträgen und einer Podiumsdiskussion mit Beteiligung ukrainischer und internationaler Fachkräfte ging es um die dramatischen Folgen des russischen Angriffskriegs für die ukrainische Tierhaltung und um die Frage, welche Chancen es gibt, die ukrainische Landwirtschaft erfolgreich und nachhaltig wiederaufzubauen.
 
René Döbelt, Vorsitzender und Vize-Präsident der DLG, drückte in seinem Grußwort seine Hochachtung für den Kampfgeist und Überlebenswillen der ukrainischen Landwirte aus und ergänzte, dass sie trotz der widrigen Rahmenbedingungen nicht den Mut verlieren, für ihr Land auch an der Agrarfront zu kämpfen. „Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges betreffen uns alle“, unterstrich Döbelt, „Die DLG und die EuroTier unterstützen aktiv die ukrainischen Kollegen. Von jeder verkauften Eintrittskarte zur EuroTier spenden wir einen Euro an die Stiftung Save UA, die den kriegsgeschädigten landwirtschaftlichen Betrieben in der Ukraine hilft. Zusätzlich bieten wir mit der EuroTier eine Plattform an, auf der Kräfte und internationales Know-how gebündelt werden können, um den Wiederaufbau einer nachhaltigen, umweltfreundlichen und konkurrenzfähigen Nutztierhaltung in der Ukraine zu fördern.“
 
Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, bekräftigte, dass die Ukraine ein wichtiger Partner im Weltagrarhandel sei und das Land in dieser existenzbedrohenden Lage bestmögliche Unterstützung erhalten müsse – so stelle Deutschland neben Lebensmittelhilfen auch für die ukrainische Nutztierbranche fünf Millionen Euro für die Beschaffung und Verteilung von Tierarzneimitteln und Verbrauchsmaterialien in der Ukraine zur Verfügung. Ebenso seien deutsch-ukrainische Kooperationsprojekte um über zwei Millionen Euro erhöht und zusätzliche Gelder zur weiteren Aufstockung verfügbar gemacht worden.
 
Taras Vysotsky, erster stellvertretende Minister für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, stellte heraus, dass die Tierhaltung in der Nachkriegszeit eine neue Entwicklungsphase erleben werde, die die Mehrwertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen in dieser Branche ermöglichen werde. Entscheidend bleibe jedoch die Gewährleistung einer angemessenen Qualität. „Wir schätzen es sehr, dass der EU-Markt für uns geöffnet wurde, und sind bereit, uns zu einem vollberechtigten Akteur dank unserer Wettbewerbsfähigkeit, aber auch der Qualität unserer Produkte und der Preispolitik, zu entwickeln“, so Vysotsky.
 
Olena Dadus, stellvertretende Leiterin der Abteilung für agrarwirtschaftliche Entwicklung im Ministerium für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, stellte den aktuellen Stand der Tierproduktion in der Ukraine und seinen Stellenwert für die nationale Wirtschaft im Rahmen eines Impulsvortrags dar und hob insbesondere hervor, dass die Tierhaltungsbranche wegen weiterhin dauernder Kampfhandlungen von schweren Zerstörungen und Verlusten betroffen ist, die bei einigen Nutztierarten fast 20 Prozent ausmachten. „Um eine nachhaltige Entwicklung der ukrainischen Tierhaltung zu gewährleisten, benötigen wir derzeit dringend Notstromaggregate, für die Zukunft mehr Biomethananlagen und Möglichkeiten, die Rückverfolgbarkeit von rotem Fleisch zu gewährleisten“, unterstrich die Vertreterin des ukrainischen Ministeriums.
 
Der zweite Impulsvortrag galt der globalen Konjunktur auf dem Fleischmarkt. Er wurde von Dr. Joseph Efken, Institut für Marktanalyse beim Thünen-Institut, vorgestellt. Efken stellte die wichtigsten Perspektiven in der weltweiten Fleischproduktion dar und ging auf die dort bestehenden globalen Missverhältnisse auf der Angebotsseite ein. Der Experte stellte fest, dass der Fleischkonsum in der EU im Gegensatz zur weltweiten Tendenz steige. Dieser Entwicklung sollte bei der Festlegung der weiteren Strategie des Fleischhandels auch in der Ukraine Rechnung getragen werden. Die vielversprechendsten Chancen öffneten sich in der Produktion des Geflügelfleisches, das sich auch weiterhin einer stabilen Nachfrage erfreue. Vor dem Hintergrund der Aussichten für die Erneuerung der Tierhaltung in der Ukraine und der Strategie der europäischen Integration der Ukraine, meinte Efken, dass es sehr wichtig sei, „vertrauensvolle Partnerbeziehungen aufzubauen, ständig im Dialog zu bleiben und Güter zu liefern, die den europäischen Standards und Qualitätsvorgaben gerecht werden“. Dies würde die weitere Entwicklung der Beziehungen fördern und zur Stärkung der Marktpositionen beitragen.
 
An der Podiumsdiskussion über Entwicklungsperspektiven der ukrainischen Tierhaltung nahmen Julia Kostynska, Verbraucherschutzdienst der Ukraine, Maksym Hopka, Ukrainian Agribusiness Club, Andriy Dykun, Vorsitzender des Nationalen Agrarrats der Ukraine, und Viktor Sheremeta, Verband von Landwirten und Landeigentümern der Ukraine, teil. Die Vertreter der ukrainischen Agrarfachverbände stellten fest, dass sich ukrainische Agrarunternehmen in diesen schwierigen Zeiten zusammengeschlossen haben, um aktuelle Herausforderungen zu bewältigen, einander zu unterstützen und einen regen Dialog mit der Öffentlichkeit und den internationalen Partnern über die Wiederherstellung und Sicherung ukrainischer Ausfuhren zu führen. Andriy Dykun unterstrich die Bedeutung der Erhaltung und des Ausbaus von Exportkorridoren und der Spendeninitiative seiner Assoziation zur Unterstützung von Agrarproduzenten. Viktor Sheremeta machte auf die besseren Voraussetzungen für die Entwicklung von Klein- und mittelständischen Betrieben aufmerksam, die lebensfähiger und flexibler als Großunternehmen sind. Julia Kostynska berichtete über laufende Aktivitäten des Staatlichen Verbraucherschutzdienstes im Kontext der europäischen Integration und der Sicherstellung des ukrainischen Agrarhandels, einschließlich der Erschließung von Transitmöglichkeiten. Maksym Hopka wies auf eine große Bedeutung des Agrarhandels für die ukrainische Wirtschaft und auf gemeinsame Initiativen der Agrarfachverbände zu deren Erweiterung und Sicherstellung hin.
 
Mariya Yaroshko, Ko-Teamleiterin des APD-Projekts, fasste als Moderatorin die Ergebnisse des Gesprächs zusammen und bedankte sich bei den internationalen Partnern, wie der deutschen Bundesregierung, aber auch bei den nicht staatlichen deutschen Partnern für die Unterstützung, die sie derzeit für die Ukraine leisten. „Die Ukraine hat sich für den europäischen Weg der Entwicklung entschieden. Auf diesem Weg werden unsere Agrarbetriebe mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, aber zugleich auch viele Chancen für sich entdecken. Diese Chancen müssen wahrgenommen werden. Dabei muss man aber bedenken, dass die ukrainischen Agrarprodukte den Qualitäts- und Sicherheitsvorgaben voll entsprechen müssen, daher ist die Konformität mit europäischen Standards eine unabdingbare Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen der Ukraine und der EU“, hielt sie abschließend fest.

PM

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