Anlage systematisch entwässern
In Fahrsiloanlagen können große Mengen an Sickersaft vor allem durch verschmutztes Niederschlagswasser anfallen. Die Entwässerung von Fahrsiloanlagen erfordert eine strikte Trennung von saurem Sickersaft und Niederschlagswasser, um Grundwasser zu schützen. Es sinnvoll, sich rechtzeitig Gedanken über eine systematische Entwässerung der Siloanlage zu machen.
Silagesickersäfte bestehen aus dem eigentlichen Gärsaft und aus verschmutztem Niederschlagswasser. Gärsaft entsteht arttypisch beim Silieren und Lagern von Silage durch Zellaufschluss oder Pressdruck, insbesondere, wenn der TM-Gehalt des Erntegutes unter 30 % liegt. Gärsaft fällt in der Regel in den ersten drei Wochen nach dem Silieren (und damit in der Vegetationsperiode) an, ist eine stark säurehaltige Flüssigkeit und somit wassergefährdend. Verunreinigtes Niederschlagswasser ist das von Silos abfließende Niederschlagswasser, das mit Silage oder Gärsaft in Kontakt geraten ist. Jegliches Regenwasser, das aus ungereinigten Silos abfließt, ist verschmutzt. Erst Regenwasser aus einem nassgereinigten Silo gilt als sauber und kann getrennt abgeleitet werden. Verschmutztes Niederschlagswasser fällt in größeren Mengen an als Gärsaft und vor allem auch in den Sperrzeiten für die Ausbringung für derartige Flüssigkeiten im Winter. In der Vegetationsperiode ist das Ausbringen unproblematisch. Im Winter muss es jedoch mindestens drei Monate gelagert werden (siehe Extrakasten »Dimensionierung des Sickersaftbehälters«).
Bei Einleitung in den Güllebehälter mittels Freispiegel- oder Pumpenleitung regelt die Düngeverordnung die zu berücksichtigende Lagerzeit (mindestens sechs Monate). Für die Ausbringung und Bemessung des Fassungsvermögens sind die §§ 5, 6 und 12 maßgebend. Daher gilt es verschmutztes Niederschlagswasser zu vermeiden und sauberes Wasser gezielt und separat zu führen. Ansatz bietet die systematische Entwässerung von Fahrsiloanlagen.
Die systematische Entwässerung verfolgt drei Ziele:
1. Gärsaft und verschmutztes Regenwasser vermeiden
2. Sickersäfte gezielt leiten und gesetzeskonform lagern
3. Sauberes Niederschlagswasser separat ableiten.
Das erste Ziel wird vom Erntegut (Gras, Silomais, Grünroggen, GPS, etc.) und dessen optimalem Reife- bzw. Anwelkgrad beeinflusst, aber auch von der Silogestaltung. Die richtige Dimensionierung der Silokammern (abhängig von Viehbestand, Futterration und Mindestvorschub) hat Einfluss auf das Silomanagement und das Reinigen der Silos. Ein Rechenprogramm zur Silodimensionierung ist unter www.lazbw.de im Bereich Futterkonservierung zu finden.
Um die Kapazität des Silagersickersaftbehälters zu begrenzen, sollten die verunreinigten Flächen möglichst klein gehalten werden. Das bedeutet für jede Silokammer eine eigene Abflussrinne oder einen Einlauf zwischen Silo und Rangierfläche sowie einen eigenen Trennschacht.
Befestigt und nicht zu groß
Die Abfüllflächen (z. B. Rangierfläche, Fläche zum Befüllen des Futtermischwagens) müssen befestigt sein, sollten aber nicht zu groß (Tiefe der Fläche) und nicht in einem Stück ausfallen, damit Teilflächen separat entwässert werden können. Je mehr optimal dimensionierte Kammern gebaut werden, desto eher kann eine leere Kammer gereinigt und das Regenwasser danach separat und sauber abgeleitet werden. Zudem lassen sich dann auch Einzelschnitte (Partien) getrennt lagern und Kammern mehrfach im Jahr befüllen. Darüber hinaus bestimmt die Grundfläche des Silos die Größe des Sickersaftbehälters (siehe Kasten). Im Idealfall ist auch die Abfüllfläche unterteilt und Einzelbereiche können über Trennschächte separat entwässert werden. Zudem sollte man sich überlegen, wie breit die Rangierfläche ausfallen muss. Bei der Silageernte ist eine breite (über 10 m) Fläche gut für die Bewegung aller Erntefahrzeuge. Um die zu entwässernde Fläche kleiner zu halten, kann man die tatsächlich wasserdicht angelegte Fläche auf etwa 5 bis 6 m begrenzen und die weitere Fläche, die nicht für die Befüllung des Futtermischwagens benötigt wird, nur mit Rasengittersteinen befestigen. Damit wird dieser Bereich zu einem befestigten Fahrweg und nicht zu einer sogenannten JGS-Fläche. Natürlich dürfen dann auch dort keine Silagereste liegen bleiben.
Die Form (auslaufende Geometrie) und Höhe der Wände hat Einfluss auf das Abdecksystem der Silos. Kann die Silofolie über den Rand und damit Regenwasser seitlich abgeleitet werden, wird der Abfall verschmutzten Niederschlagswassers reduziert.
Die Entwässerung von Silos und Rangierplatten spielt in der Anlagenverordnung (AwSV, 2017) und im Technischen Regelwerk TRwS 792 (2018) eine zentrale Rolle hinsichtlich Gewässerschutz. Um jede Silokammer separat zu entwässern und folglich sauberes und verschmutztes Niederschlagswasser trennen zu können, ist es sinnvoll, wenn jede Silokammer eine separate Entwässerungsmöglichkeit (Rinne oder zentraler Einlauf) sowie ein Trennsystem mit zwei Abläufen aufweist. Trennschächte müssen nach TRwS 792 so aufgebaut sein, dass der Abfluss für sauberes Wasser mindestens 10 cm höher liegt als der Abfluss für Sickersäfte bzw. verschmutztes Niederschlagswasser.
Bei Rinnen ist auf eine ausreichende Dimensionierung sowie leichte Reinigung zu achten. Sie können offen oder mit überfahrbaren Rosten gestaltet werden. Wichtig ist, dass Rinnen und Schächte für JGS-Anlagen geeignet und zwischen den einzelnen Elementen dicht sind. Leider gibt es derzeit noch keine vom DIBt (Berlin) für JGS-Anlagen zugelassenen Rinnen. Deshalb sind Rinnen aus Polymerbeton mit einer hohen Tragkraft zu bevorzugen oder aber nach dem Einbau zu beschichten. Fugen zwischen den Rinnenelementen sind mit zugelassenem Fugenmaterial abzudichten. Alternativ zu Rinnen kann an der Entnahmeseite der Kammer ein Gegengefälle ausgebildet werden, das zusammen mit dem Quergefälle im Silo (1 %) die Sickersäfte zu einem Trennschacht ableitet. Übergänge zwischen Rinnen, Schächten und Bodenflächen müssen grundsätzlich mit einer Fuge ausgebildet und mit einem geeigneten, zugelassenen Fugenmaterial abgedichtet werden.
Wird der Siloboden mit Asphalt hergestellt, müssen alle Fugen (Wand, Boden) aufgrund der Materialverträglichkeit mit bitumenhaltigem Material geschlossen werden. Bewährt hat sich dabei der Heißverguss. Einfache Einläufe (nicht Trennschächte) innerhalb des Silos sind weiterhin zulässig, allerdings muss ein Trennschacht immer einsehbar sein und deshalb außerhalb des Silos eingebaut werden. Einläufe im Silo haben den Vorteil, dass Sickersäfte rasch aus dem Silo gelangen und damit das Bauwerk nicht unnötig beaufschlagen. Dafür entstehen aber zusätzliche Fugen im Silo. Für Einläufe im Silo ist neben dem Gefälle in Entnahmerichtung (1 %, besser 2 %) auch ein Quergefälle (1 %) hilfreich. Dieses sollte jedoch nicht auf einen der beiden Wandfüße ausgerichtet sein, sondern den Tiefpunkt mindestens einen Meter davon entfernt bzw. mittig im Silo haben. Einläufe, die sich nach dem Befüllen unter dem Futterstapel befinden, müssen zuvor verschlossen werden (Folie auflegen) oder der Ablauf mit einem Syphonsystem verschließbar sein. Andernfalls kann das bei der Gärung gebildete Kohlendioxid, das schwerer als Luft ist, aus dem Silo abfließen, Sauerstoff strömt an anderer Stelle nach und führt zu Schimmelbildung oder Nacherwärmung der Silage.
Rohre zur Ableitung von Sickersäften müssen nach Vorgabe des technischen Regelwerks in Abhängigkeit der ortstypischen Regenspende richtig dimensioniert sein, eine JGS-Zulassung haben und längskraftschlüssig miteinander verbunden werden. Entsprechende Rohre (z. B. KG 2000) und Schweißringe sind verfügbar, aber auch andere Systeme (siehe Zulassungsliste Deutsches Institut für Bautechnik, www.dibt.de). Sind die Verbindungen einsehbar, sind auch Schraub- und Flanschverbindungen zulässig. Bei Rohrleitungen für nicht verunreinigtes Niederschlagswasser sind weiterhin Steckmuffenverbindung zulässig.
Wir halten fest
Die Bestimmungen für JGS-Anlagen bedingen für neue Siloanlagen ein Umdenken bei der systematischen Entwässerung von Siloanlagen. Dabei muss vor allem ein großes Augenmerk darauf gelegt werden, dass wenig verunreinigtes Niederschlagswasser anfällt und sauberes Wasser getrennt abgeleitet werden kann. Die Kapazität des Silagesickersaftbehälters umfasst den Anfall von Gärsaft (3 % des größten Silos) und bei separaten Behältern in der Regel das verunreinigte Niederschlagswasser von drei Monaten. Bei der Lagerung in Güllegruben leitet sich die Lagerdauer aus der Düngeverordnung ab. Beim Bau neuer Silos sollte jede Kammer und auch Teilflächen der Abfüllfläche separat entwässert werden können. Trennschächte sind sinnvoll. Es dürfen nur noch zugelassene Materialien eingesetzt werden. Leckagefolien sind nicht unter Silos, aber bei Sickersaftbehältern ab einem Fassungsvermögen von mehr als 25 m3 notwendig.
Dr. Hansjörg Nußbaum
LAZBW Aulendorf


