1a-Proteinversorgung trotz Weide

18. Juni 2026

Eine Herausforderung der Weidehaltung ist die bedarfsgerechte Proteinversorgung trotz wechselnder Grundfutterqualitäten. Verschiedene Maßnahmen können hier zum Gelingen der Weidesaison beitragen.

Exaktes Monitoring von Milchkuh und Weide sowie eine abgestimmte Kraftfuttergabe sind erfolgsentscheidend. Foto: Agrarfoto

Die Weidesaison 2026 ist bereits auf den meisten Betrieben voll im Gange. Neben den vielen positiven Aspekten der Weidehaltung bringt dieses System jedoch auch die Herausforderung der sich ständig verändernden Grundfutterqualitäten mit sich. Dabei muss vorallem auf eine möglichst gleichmäßige Proteinversorgung geachtet werden. 

Weidemanagement: Das oberste Ziel in der Fütterung ist es, die Ration möglichst gleichmäßig über die Monate hinweg zu gestalten. Aus diesem Grund muss das Weidesystem so konzipiert werden, dass die Kühe möglichst ähnliche Bestände vorfinden. Das Prinzip der Kurzrasenweide hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren sehr gut bewährt. Die Voraussetzung von diesem System liegt darin, dass das Gras immer eine Höhe zwischen 7 und 13 cm aufweist. Häufig geschieht es jedoch, dass der Bestand unter 7 cm fällt. Dies mindert die Futteraufnahme der Tiere und belastet gleichzeitig die Gräser. Auch das Nutzen von Koppeln ist eine Möglichkeit. Hierbei ist darauf zu achten, dass die nicht genutzten Bestände nicht zu stark altern und es somit bei einem Koppelwechsel zu zu starken Fütterungsschwankungen kommt.

Harnstoffwerte im Blick behalten: Aufgrund der unterschiedlichen Landschaftsstrukturen gibt es auch im Hinblick auf die Weidehaltung große Unterschiede. In Gunstlagen sowie in gemäßigten Lagen hat der Gräserbestand sowohl bei konventionell geführten Betrieben als auch bei biologisch bewirtschafteten Betrieben Rohproteinwerte von bis zu 24 %. Um selbst einen besseren Überblick über die Nährstoffdichte der eigenen Weide zu bekommen, eignen sich Frischgrasproben sehr gut. Dazu werden die Gräser auf einer Höhe von 7 cm abgeschnitten und als Mischprobe ans Futtermittellabor verschickt. In rauen Lagen oder auch in Dürreperioden kann jedoch der Proteingehalt des Bestands auf bis zu 13 % Rohprotein fallen.

Neben der geographischen Lage spielen natürlich auch die Faktoren Botanik, Düngung, Grünlandpflege sowie die Aufwuchshöhe eine zentrale Rolle. Nachdem es schlichtweg nicht möglich ist, ständig den Rohproteingehalt der Weide zu analysieren, eignen sich die Harnstoffwerte in der Tankmilch perfekt, um die Proteinversorgung unserer Wiederkäuer zu kontrollieren. Harnstoffwerte zwischen 20 und 26 sind bei Fleckvieh und Braunvieh als ideal einzustufen. Holsteinherden können durchaus etwas tiefer, nämlich bei 17 – 23 mg/dl, liegen. Nachdem bei biologisch bewirtschafteten Betrieben der Zukauf von Eiweißfuttermitteln sehr teuer ist, kann es durchaus sinnvoll sein, bewusst tiefere Harnstoffwerte von 15 – 20 mg/dl anzupeilen. 

Zu Tiefe Harnstoffwerte kosten mich Leistung und vermindern vor allem die Persistenz der Tiere. Zu hohe Harnstoffwerte (über 30 mg) hingegen stellen eine gesundheitliche Belastung für das Tier dar, weil das überschüssige Protein über die Leber entgiftet werden muss.

Auf Sojaschrot und Körnermais fokussieren: Im Zuge der Kraftfutterergänzung ist es unsere Aufgabe, dass wir uns an die schwankenden Rohproteinwerte der Weide anpassen. Bei der Weidehaltung haben wir die Herausforderung, dass wir häufig zu wenig Energie füttern. Daher ist Sojaschrot nicht nur zum Ausgleich vom Eiweißgehalt, sondern auch zur energetischen Aufwertung der Ration ein äußerst effektives Futtermittel. Natürlich wird neben dem Sojaschrot auch Rapsschrot und etwas Maisschlempe (bis 1,5 kg pro Tier und Tag) gefüttert. Aber in vielen Eiweißfuttermitteln ist zu wenig oder kein Sojaschrot enthalten um eine energetische Aufwertung herbeizuführen. Eine einfache aber effektive Rezeptur ist ein Mischungsverhältnis von 50 % Raps und 50 % Soja.

Als Energiekomponente ist Körnermais in der Weidehaltung das Mittel der Wahl. Kühe sollten bis zu 4,5 kg fein vermahlenen Körnermais erhalten. Körnermais bringt gegenüber Getreide deutlich mehr an beständiger Stärke, also dünndarmverdaulicher und pansenschonender Energie.

Neben der Energie- und Proteinversorgung muss auch auf die richtige Faserversorgung geachtet werden. Speziell im Herbst hat die Weide teilweise sehr niedrige NDF (Anteil an verdaulicher Faser)-Werte. Zu niedrige NDF-Werte belasten den Pansen und die Tiergesundheit. In diesem Fall muss Struktur über Heu ergänzt werden. Auch eine Reduktion von Getreide und eine Erhöhung von Körnermais können von Vorteil sein. Dennoch sollte auch in solchen Fällen ein Körnermaisanteil von 4,5 kg pro Kuh nicht überschritten werden, da sonst der Dünndarm/Dickdarm zu stark belastet wird. Eine weichte Kotkonsistenz wird häufig mit einem Fasermangel in Verbindung gebracht. Dies kann aber häufig bei kalireichen Herbstweiden zu einer Fehlinterpretation führen. Ein Kali-Überschuss ist für Laktierende gesundheitlich kein Problem, kann jedoch zu dem bekannt dünnen Kot führen. Eine Ergänzung von Stroh oder viel Heu verbessert zwar die Konsistenz, reduziert aber auch deutlich die Energieversorgung der Kuh. Ein wesentlich präziserer Indikator für die Faserversorgung ist daher die Interpretation vom Milchfettgehalt in Abhängigkeit der Milchmenge. Neben der Rasse muss dabei natürlich auch die genetische Vererbung hinsichtlich Milchfettgehalt berücksichtigt werden.

Ing. Jonas Schiffer, ISUBA
https://www.isuba.at

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht im Allgäuer Bauernblatt; Ausgabe 25/2026
Allgäuer Bauernblatt

 

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