Herbst-Check auf der Rinderweide

16. September 2026

Während der Weidesaison steigt die Belastung der beweideten Flächen mit Magen-Darm-Würmern an. Besonders gefährdet sind erstsömmrige Jungrinder auf Standweiden. Der Herbst ist der richtige Zeitpunkt, um das Parasitenmanagement zu überprüfen und die Weidesaison auszuwerten.

Agrarfoto

Magen-Darm-Würmer (Strongyliden) wie Ostertagia kommen auf jedem Weidebetrieb vor. Ziel des Parasitenmanagements ist nicht die vollständige Eliminierung der Parasiten, sondern ein Gleichgewicht zwischen Parasitenbelastung, Tiergesundheit und Leistung. Die Infektionsrate sollte niedrig genug sein, um Erkrankungen und größere Leistungseinbußen (z. B. Gewichtsabnahme) zu verhindern, gleichzeitig aber ausreichend Parasitenkontakt ermöglichen, damit die Tiere eine belastbare Immunität entwickeln können.

Die Parasiten durchlaufen während der Weidesaison mehrere Entwicklungszyklen. Rinder nehmen infektiöse Larven beim Grasen auf. Im Tier entwickeln sich daraus Würmer, deren zahlreiche Eier mit dem Kot ausgeschieden werden. Auf der Weide entstehen daraus innerhalb von ein bis sechs Wochen – abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit – neue infektiöse Larven. Wird dieser Kreislauf nicht unterbrochen, steigt im Verlauf der Saison die Larvenzahl auf den Weiden und das Infektionsrisiko stark an. Typische Symptome bei betroffenen Tieren sind schlechte Zunahmen, Abmagerung, Durchfall und Kümmern.

Die Larven können sowohl im Tier als auch (in geringerem Grad) auf der Weide überwintern. Im Herbst aufgenommene Larven gehen häufig in ein Ruhestadium im Tier über und werden erst gegen Ende des Winters wieder aktiv. Bei stark infizierten Jungrindern kann es dadurch sogar noch im Stall vor Beginn der nächsten Weidesaison zu klinischen Erkrankungen kommen.

Jungrinder besonders gefährdet

Eine belastbare Immunität gegen Magen-Darm-Würmer entwickelt sich erst nach etwa fünf bis acht Monaten Weide (Parasitenkontakt). Deshalb gelten vor allem erst- und zweitsömmrige Tiere als besonders gefährdet. Werden Kälber und Jungrinder auf wenig belasteten Flächen gehalten, können sie immun werden, ohne zu erkranken. Weideflächen, die Jahr für Jahr nur für Jungvieh genutzt werden, sind jedoch stark mit Magen-Darm-Würmer belastet und sollten daher als Koppel für Jungvieh vermieden werden.

Für die Entwicklung der Immunität benötigen die Tiere eine ausreichende Versorgung mit Energie und Eiweiß sowie mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, die dem Nährstoffbedarf des jeweiligen Alters/Produktionsstadiums entsprechen.

Parasitendruck überwachen

Bei den besonders gefährdeten erstsömmrigen Jungrindern kann über Kotuntersuchungen mit Eizählung der Befall mit Magen-Darm-Würmern eingeschätzt werden. Zur Einschätzung des Parasitendrucks auf den Weideflächen beginnt das Monitoring bestenfalls circa acht Wochen nach dem Austrieb. Quantitative Kotuntersuchungsergebnisse müssen immer im Zusammenhang mit dem klinischen Zustand des Tieres, Leistung und Weiderisiko interpretiert werden, insbesondere in der zweiten Hälfte der Weidesaison, da die Eiausscheidung bei Jungrindern nach dem Einsetzen der Immunität abnehmen kann.

Kotproben sollten aus frisch abgesetztem Kot genommen, stabil und mit möglichst wenig Luft verpackt und zügig versandt werden. Für Sammelkotproben wird Kot von Tieren einer Altersgruppe genommen (Proben von maximal zehn Tieren pro Sammelprobe). Am besten Proben von einzelnen Tieren sammeln. Kotproben von Tieren mit Durchfall sollten separat untersucht werden, da die Eiausscheidung durch die beschleunigte Darmpassage verfälscht ist.

Zur Beurteilung des Parasitendrucks in der Herde kann die Bestimmung von Antikörpern gegen Ostertagia in Blut- oder Tankmilchproben genutzt werden. Da Kotuntersuchungen bei älteren Rindern nur begrenzt aussagekräftig sind, stellen diese Tankmilchuntersuchungen ein nützliches Monitoringinstrument dar, denn auch erwachsene, weitgehend immune Kühe können subklinisch infiziert sein und dadurch Leistungseinbußen erleiden. Der Herbst eignet sich besonders gut für eine solche Untersuchung, da die Ergebnisse die Parasitenbelastung der zurückliegenden Weidesaison widerspiegeln. Hohe Werte können auf Optimierungsbedarf im Management hinweisen.

Gezielte Entwurmung

Ob Tiere im Herbst behandelt werden sollten, muss anhand von Untersuchungsergebnissen, Weidehistorie und Tierbeurteilung entschieden werden. In der Regel betrifft dies vor allem erstsömmrige Kälber und Jungrinder. Resistenzen gegen Entwurmungsmittel nehmen auch bei Rinderparasiten zu. Diese führen dazu, dass bestimmte Wirkstoffklassen zunehmend an Wirksamkeit verlieren. Um dieses Risiko zu minimieren, sollten immer nur die Tiere behandelt werden, die es brauchen. Dabei ist auf eine korrekte Dosierung (basierend auf dem tatsächlichen Lebendgewicht) und Anwendung zu achten. Der Entwurmungserfolg sollte 14 Tage nach der Entwurmung mit einer Kotprobenuntersuchung kontrolliert werden. So lassen sich beginnende Resistenzen frühzeitig erkennen.

Ein restriktiver Einsatz von Entwurmungsmitteln reduziert auch die Einträge in die Umwelt und damit die negativen Auswirkungen dieser Mittel auf andere Organismen wie Dungkäfer, Regenwürmer und Wasserorganismen. Mittel mit langanhaltender Wirkung, wie Avermectine oder Moxidectin sind vorzugsweise in der »Randsaison« sowie im Stall einzusetzen. Grundsätzlich sind Mittel, die eingegeben oder gespritzt werden, besser dosierbar, deshalb sind sie Aufgusspräparaten vorzuziehen.

Am Ende der Weidesaison sollte beurteilt werden, ob die Tiere gesund durch die Saison gekommen sind und ob das Parasitenmanagement gut funktioniert hat:

  • Sind Verluste durch parasitäre Erkrankungen aufgetreten bzw. musste mehrmals behandelt werden?
  • Wie kann dem zukünftig vorgebeugt werden?

Sollten andere Parasitenarten eine Rolle spielen, muss das Management (inklusive spezieller Diagnostik) auch auf diese abgestimmt werden.

Management im Fokus

Das Weidemanagement spielt bei der Reduktion der Magen-Darm-Würmer die allerwichtigste Rolle. Ziel ist, die Belastung der Weiden mit Parasitenlarven gering zu halten, bzw. zu reduzieren. Eine vorausschauende Planung der Flächennutzung ist ein wichtiger Baustein im Parasitenmanagement.

Jungtiere sollten möglichst auf Flächen weiden, die im selben Jahr noch nicht von Jungvieh genutzt wurden. Wo dies nicht möglich ist, kann eine Schnittnutzung oder eine Beweidung durch Pferde und Esel den Infektionsdruck senken. Auch Ackerfutterflächen können als wertvolle, »saubere« Weiden dienen. Feuchte Weiden und Standweiden für Jungtiere in der zweiten Hälfte der Weidesaison bergen dagegen ein hohes Risiko. Rotations- und Portionsweidesysteme können bei ausreichenden Ruhezeiten von mehreren Monaten den Wurmdruck mindern, so auch ein Pflegeschnitt nach Abtrieb im Herbst.

Flächennutzung mit System

Hohe Besatzdichten sollten vermieden werden, denn diese führen zu einer stärkeren Weidekontamination und zwingen die Tiere näher an den Kotfladen zu fressen und tiefer zu verbeißen, dadurch nehmen sie mehr Larven auf. Artenreiche Weiden mit einem hohen Anteil an gerbstoffhaltigen Pflanzen, wie Esparsette und Hornklee, oder Wegwarte, können positiv im Parasitenmanagement wirken, da sie eine natürliche schwach-antiparasitäre Wirkung haben und die Eiausscheidung reduzieren können.

Mit guter Versorgung, angepasstem Weidemanagement und gezieltem Monitoring lässt sich der Entwurmungsbedarf oft deutlich reduzieren. Dies sichert die langfristige Nutzbarkeit der Wurmmittel und schont die Umwelt.
Weitere Informationen finden Sie unter weide-parasiten.de.

Ulrike Peschel, Thünen-Institut für Ökologischen Landbau,
Dr. Miguel Peña Espinoza, Vetmeduni Wien

Der Beitrag wurde veröffentlcht im Allgäuer Bauernblatt 37/2026

Allgäuer Bauernblatt

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